Ruhrgebiets-Bühne

Das Theater Freudenhaus hat die Zukunft angepeilt

Wird in der Sommerpause über die neue Ausrichtung des Theaters Freudenhaus nachdenken: der künstlerische Leiter Rainer Besel. Foto:Kerstin Kokoska

Wird in der Sommerpause über die neue Ausrichtung des Theaters Freudenhaus nachdenken: der künstlerische Leiter Rainer Besel. Foto:Kerstin Kokoska

Essen.   Das Theater Freudenhaus will sein Programm mehr nach den Menschen im heutigen Ruhrgebiet ausrichten. Saisonstart mit der Komödie „Voll verstopft“

Das Theater Freudenhaus hat die Zukunft angepeilt. Nicht nur, weil ein Szenenfoto von „Fußball, Frauen, Ferde“ 2018 in einer Zeitkapsel mit ins Weltall fliegt. „Das Freudenhaus soll eine neue Ausrichtung bekommen mit Stücken wie „Freunde der italienischen Oper“, aber in der Jetztzeit, die heutige Probleme von heutigen Menschen ansprechen. Mit verstaubten Bergmannsgeschichten lockt man keinen hinterm Ofen hervor“, erklärt der künstlerische Leiter Rainer Besel seine Mission. Richtungsweisend ist bereits „Butterkuchen – Man steckt nicht drin“ und wird ab Oktober „Voll verstopft“ sein, die neue Komödie aus der Feder von Sigi Domke.

Der Abfluss der Toilette ist verstopft und eine große Familienfeier steht bei den Huschkes ins Haus. Doch ein Unglück kommt selten allein. Der einzig erreichbare Handwerker arbeitet nur schwarz, entpuppt sich als Lusche und kann für den angerichteten Schaden nicht haftbar gemacht werden. Die Nerven liegen blank. „Das ist stark zugespitzt, kommt mir aber bekannt vor und ist in Wirklichkeit nicht so lustig“, sagt Rainer Besel.

Er erinnert sich noch gut an seinen Wohnungsumbau, bei dem Stromleitungen gekappt wurden. In der Küche ging eine Woche nichts mehr. Der ganze Umbau dauerte statt sechs Wochen sechs Monate. Sein Resümee: „Handwerker sind stets ausgebucht, machen viel Dreck, es dauert länger als gedacht und wird immer teurer.“ Alle über einen Kamm zu scheren, liegt ihm fern und er nennt gleich ein positives Beispiel.

Jedoch entspringen Komödien vor allem aus Alltagskatastrophen. Der Autor Sigi Domke schöpfte sie „voll aussem Leben“, und zwar dem eigenen. „Er hatte ein altes Haus gekauft, das renoviert werden musste, und erlebte Handwerker über Monate hautnah“, berichtet Rainer Besel über den Auslöser des Stücks. Für die Inszenierung konnte er erstmals den Regisseur und Autor René Linke gewinnen, der wie Besel aus Duisburg stammt. „Ich habe selten jemanden erlebt, der so viel auf dem Kasten hat und zugleich so viel Humor hat“, schwärmt er. „Wie ich ihn kenne, wird das schön schräg.“

„Ein seltsames Paar“ in der Ruhrgebietsversion

Bekannte Produktionen wie „Fußball, Frauen Ferde“ (bald mit einem Gastspiel von Fußballlegende Willi Lippens zu sehen), „Ein Kopleck geht fremd“, „Zwei Witwen sehen rot“, „Hanni“ oder die Kassenschlager „Butterkuchen“ und „Freunde der italienischen Oper“ bleiben weiterhin im Programm. Sie haben der Steeler Bühne in der vergangenen Spielzeit Auslastungen zwischen 50 und 90 Prozent beschert. Auf Dauer reicht das aber nicht. „Damit es für uns entspannter läuft, müsste es noch eine Schüppe Zuschauer mehr geben“, sagt Rainer Besel. Deshalb ist die neue Ausrichtung geplant, deshalb gibt es als Sponsor einen Baumarkt. Besel kann sich sogar vorstellen, mit der Handwerker-Komödie dort aufzutreten, um ein neues Publikum zu erreichen. Bei dem für 2018 angedachten Neil-Simon-Klassiker „Ein seltsames Paar“ in einer Ruhrgebietsversion wird das wohl kaum nötig sein.

Pläne nach der Sommerpause

Das Theater Freudenhaus startet seine neue Saison mit dem Gastspiel von Sigi Domkes „Wo bitte geht’s zur Bank?“ vom 18. August bis 3. September.

Sigi Domkes neue Komödie „Voll verstopft“ hat am 12. Oktober Premiere.

Karten können vorbestellt werden unter: 85 132 30 und www.theater-freudenhaus.de

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