Theater

Das Theater Essen-Süd zieht es in den Norden der Stadt

Thilo Matschke und Raphael Batzik (r.) freuen sich über die vielfältigen Spielmöglichkeiten des neuen Theatersaals im Keller eines Borbecker Mietshauses. Der Name Theater Essen-Süd bleibt übrigens bestehen.

Thilo Matschke und Raphael Batzik (r.) freuen sich über die vielfältigen Spielmöglichkeiten des neuen Theatersaals im Keller eines Borbecker Mietshauses. Der Name Theater Essen-Süd bleibt übrigens bestehen.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   In Borbeck hat das Ensemble aus dem Südviertel nun eine Heimat gefunden. Die Redaktion besucht den neuen Standort und blickt hinter die Kulissen.

Wer das Theater Essen-Süd aufgrund seines Namens im südlichen Stadtgebiet verortet, wird inzwischen eines Besseren belehrt: Die Adresse Germaniastraße 172 befindet sich im hohen Norden, genauer gesagt in Borbeck. Seit Anfang des Jahres prangt nach dem Umzug auch der Name am Schaufenster des Ladenlokals. Und der soll sich – so der Plan der Schauspieler – auch gar nicht ändern. „Wir sind eine eingeführte Marke“, sagt Ensemble-Mitglied Thilo Matschke und ergänzt lachend: „Ein besserer Name ist uns aber auch nicht eingefallen.“

Im Inneren werden die Aufenthaltsräume im Erdgeschoss noch fleißig renoviert. Der Theatersaal ist dagegen schon fertig – die ersten Vorstellungen finden dort am Wochenende 23./24. Februar statt. Unsere Redaktion hat sich schon einmal umgeschaut.

Hinter der Eingangstür (sie liegt um die Ecke in der Wolfsbankstraße) führt der Weg gleich eine Treppe tiefer. Öffnet der Besucher die Stahltür, erwartet ihn ein zweigeteilter Raum: ein breiter Bereich, der die Bestuhlung auf zwei fahrbaren Podesten aufnimmt, und ein annähernd quadratischer Bereich, den die Scheinwerfer in ein helles Licht tauchen. „Unser Schlauch“, erläutert Raphael Batzik.

Vielfältige Möglichkeiten im Theatersaal

Die Bühne am alten Standort, der Susannastraße im Südviertel, bot wenig Tiefe, erzählt der 27-jährige Schauspieler. „Wir haben direkt in das Publikum hineingespielt.“ Das habe durchaus Vorteile, die Interaktion mit den Zuschauern - damals wie jetzt gibt es 40 Plätze – sei dabei intensiver. Der neue Raum – er misst gut 100 Quadratmeter – offenbare jedoch vielfältige Möglichkeiten. „Wir können mehr mit dem Bühnenbild arbeiten, unseren Aktionsradius vergrößern.“ Und das laute Sprechen entfalle. „Man hört uns bis in die hinterste Ecke, auch wenn wir flüstern“, sagt Batzik. Eine Aufführung der „Marquise von O...“ vor Oberstufenschülern (eine Art Vorpremiere) habe das Phänomen kürzlich zu Tage gefördert.

„Wenn wir Bühne und Zuschauer-Podeste umdrehen und in dem breiteren Raum spielen, funktioniert es auch“, freut sich Thilo Matschke. Ebenso bietet sich das Agieren in der Mitte an – die Stühle stünden dann bei diesem Kammerspiel an der Längsseite des Raumes.

Glücksgriff im Immobilienportal

Dass sich der Zufallsfund auf einem Immobilienportal im vergangenen Oktober als ein solcher Glücksgriff erweisen würde, überrascht selbst Batzik und Matschke. Eigentlich, so erzählen sie, sollte der Keller in Borbeck nur als Probenraum dienen. Das Ensemble hatte sich schon darauf eingestellt, nach dem Weggang aus den Räumen der Theaterschule im Südviertel nur noch externe Auftritte zu absolvieren. In Schulen und anderen Vereinssälen mit „Faust“, „Woyzeck“, Kafka und Tarantino zu touren, das gehört ja seit Gründung des Theaters zum Konzept – und wird es auch in Zukunft bleiben.

Doch im Norden der Stadt könnte das Theater Essen-Süd jetzt dauerhaft heimisch werden. Batzik: „Der Vermieter war sehr angetan. Er möchte, dass wir Kultur nach Borbeck bringen.“ So mietete das Theater auch gleich die beiden Büroräume im Erdgeschoss von gut 50 Quadratmetern mit an.

„Wort für Wort“ als neues Format

Diese sollen künftig als Warteraum dienen – Besucher können auf Sofas Platz nehmen, vor der Vorstellung noch ein Getränk zu sich nehmen, sich unterhalten. In den Räumen sollen außerdem Lesungen stattfinden. „Wort für Wort“ ist das Format betitelt, das ab dem 3. März einmal im Monat sonntags eine Art Schnittstelle zu anderen künstlerischen Formen darstellt.

Am 23. und 24. Februar geht es aber erst mal auf der Bühne im Keller los. Jeweils um 19.30 Uhr wird „helden:tot“, ein Zwei-Personen-Stück nach der Vorlage von Stefan Sprang, gegeben. Batzik: „Da wir nur so wenig Plätze haben, feiern wir gleich zweimal Eröffnung!“

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