Verlierer

Das Pro-Messe-Bündnis hat gekämpft und doch verloren

OB Paß und Messechef Oliver P. Kuhrt nach der Niederlage auf der Bühne.

OB Paß und Messechef Oliver P. Kuhrt nach der Niederlage auf der Bühne.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Als Gemeinschaftserlebnis empfanden die Belegschaft der Messe Essen und das Pro-Messe-Bündnis den Wahlkampf der vergangenen Wochen. Am Sonntagabend mussten sie auch gemeinsam die Niederlage verkraften: Der Bürgerentscheid gegen den geplanten Umbau der Messe war erfolgreich.

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Die Party ist noch keine Stunde alt, da ist ihr Stimmungshöhepunkt schon überschritten – von da an soll es nur noch bergab gehen im Saal Ruhr der Messe Essen.

Ab 17 Uhr hat sich hier das Pro-Messe-Bündnis versammelt, das in den vergangenen Wochen mit großem Einsatz für den Umbau der Messe, für ein Nein beim Bürgerentscheid geworben hat. Dazu zählen neben Vertretern von SPD, CDU, FDP und Essener Bürgerbündnis (EBB) selbstredend die Messe-Verantwortlichen – und ein Großteil der Belegschaft. Für viele Mitarbeiter ist dieser Bürgerentscheid tatsächlich eine Schicksalsfrage. Das belegen viele Gesprächsfetzen à la „Wie soll es nur für uns weitergehen, wenn wir verlieren?“ Das belegt das Engagement, das sie in den vergangenen Wochen zeigten. Wohl kein Personalcoach könnte sich ein so team-bildendes Erlebnis wie gemeinsames Plakatieren mit dem Chef ausdenken.

"Thema war zu komplex"

Und so präsentieren sich in den ersten Party-Minuten eine eingeschworene Belegschaft und ein entspannter Messe-Chef. Oliver P. Kuhrt hat seinen Posten offiziell zu Jahresbeginn angetreten, doch er hat sich schon vorher mit voller Kraft eingebracht. Und noch nachmittags hat er persönlich Bürger zum Wahllokal chauffiert, nun wünscht er sich nicht bloß irgendeine Mehrheit für den Umbau, „sondern ein robustes Mandat“.

Doch dieser Wunsch wird schon durch die ersten Ergebnisse erschüttert, und auch Kuhrts Ankündigung, dass Oberbürgermeister Reinhard Paß sich „bald“ unter die Gesellschaft mischen werde, erweist sich als falsch. Die zusehends betroffenen Gäste werden den OB lange nicht zu Gesicht bekommen, und auch Kuhrt zieht sich zurück. Anders der Baubevollmächtigte der Messe, Roland Weiss, der seine Enttäuschung nicht verbirgt. Er habe mit einem knappen Ergebnis gerechnet, aber doch auf einen Erfolg gehofft. „Das Thema war zu komplex für einen Bürgerentscheid.“

OB Paß lobt Engagement der Stadtgesellschaft

Das ist eine Formel, die an diesem Abend von vielen Verantwortlichen variiert wird, ähnlich wie der Vergleich des Abends mit einem Krimi. Etwa vom stellvertretenden FDP-Ratsfraktionschef Klaus Budde, der lange hofft, dass das Ergebnis noch kippt. Oder vom CDU-Parlamentarier Matthias Hauer, der am Abend der Bundestagswahl selbst einen Krimi erlebte – mit Happy End für ihn. Am Sonntagabend ahnt er früh, „dass diesmal kein Wunder geschieht“. „Das ist wie Tatort“, sagt auch EBB-Ratsfraktionschef Udo Bayer. „Nur geht es am Ende um die Positionierung einer zentralen Stadt im Ruhrgebiet, um die Zukunft Essens.“

So empfindet es auch Oberbürgermeister Paß, der sich ab 18 Uhr für anderthalb Stunden mit Messe-Chef Kuhrt in dessen Büro verschanzt hatte. Dann treten die beiden gemeinsam vor die Presse, räumen die Niederlage ein, danken ihren Unterstützern. Die Enttäuschung sei groß, aber das gemeinsame Engagement der Stadtgesellschaft sei ermutigend gewesen: „Dank an alle, die mitangepackt haben.“ Da brandet in der traurigen Party-Gesellschaft Beifall auf.

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