Ausstellungsvorschau

Das Museum Folkwang sortiert die Sammlung neu

Das Folkwang-Leitungsteam (v. li.) mit den Kuratoren Anna Fricke, Hans-Jürgen Lechtreck, Museums-Direktor Peter Gorschlüter, dem Leiter der Fotografischen Sammlung, Thomas Seelig, den Kuratoren Peter Daners, Nadine Engel und René Grohnert. Foto:Socrates Tassos

Das Folkwang-Leitungsteam (v. li.) mit den Kuratoren Anna Fricke, Hans-Jürgen Lechtreck, Museums-Direktor Peter Gorschlüter, dem Leiter der Fotografischen Sammlung, Thomas Seelig, den Kuratoren Peter Daners, Nadine Engel und René Grohnert. Foto:Socrates Tassos

Essen.   Museum beschäftigt sich mit dem Bauhaus am Folkwang, blickt auf das Verhältnis von Mensch und Maschine und setzt die Osthaus-Schätze neu in Szene

Im Museum Folkwang ist der runde Tisch ein zentrales Möbel geworden. Dass der Ausblick aufs Ausstellungsprogramm 2019 gestern nicht vom Podium aus verkündet wurde, sondern im Round-Table-Gespräch, zeugt von der neuen Haltung des Folkwang-Chefs. Der seit diesem Sommer amtierende Peter Gorschlüter will mehr Dialog, mehr Austausch, mehr interdisziplinäre Begegnung und weniger Denken in klassischen Ausstellungsformaten. Die Folkwang-Idee von der Verschwisterung der Künste steht dabei im Mittelpunkt. So wird auch die kostbare Folkwang-Sammlung ab dem kommenden Jahr neu in Szene gesetzt. „Neue Welten“ sollen dabei selbst jenen erschlossen werden, die mit Renoirs „Lise“ und Gauguins Südseemädchen schon lange bekannt sind. Jenseits einer strikten Chronologie will man thematische Räume schaffen, die unterschiedliche Sammlungsbereiche von Fotografie über Skulptur und Plakatkunst in einen Dialog setzten. Dabei dürften auch Schätze der Sammlung wieder ans Licht der Öffentlichkeit kommen, die schon lange im Depot geschlummert haben.

Keramik von der Margarethenhöhe

In nur wenigen Monaten Vorlaufzeit haben Gorschlüter und sein teilweise neu besetztes Kuratorenteam ein Programm erarbeitet, das im vielerlei Hinsicht von Neuanfängen, Umbrüchen und Übergängen erzählt. Nicht nur kunsthistorisch. Da der große Ausstellungssaal des Chipperfield-Gebäudes wegen der Reparaturarbeiten am Dach noch bis zum Sommer 2019 als Ausstellungsort ausfällt, füllen Kooperationen und Interventionen die Lücke. So wird die in Essen bestens bekannte Leiterin der Keramischen Werkstatt Margarethenhöhe, Young-Jae Lee, mit ihren kostbaren Gefäßen den Gartensaal bespielen (23. 5. bis 14. 7.). Veit Stratmann wird ab Juli die Zwischenräume des Neubaus künstlerisch erschließen. Und mit dem Künstler und Star-Choreografen William Forsythe kommt ein Mann nach Essen, der in seinen interaktiven Videoarbeiten auch das Publikum zum Darsteller macht, die Bäume des Innenhofs ein choreografischen Naturtheaters aufführen lässt und ab November eine spektakuläre performative Live-Arbeit zeigt.

Ab November 2019 steht mit „Der montierte Mensch“ (bis 15. März 2020) dann das erste Ausstellungs-Großprojekt auf dem Programm. Die medien- und epochenübergreifende Schau wagt den Brückenschlag von der Industrialisierung über die Technisierung bis zur digitalen Revolution und zeigt, wie die technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen 150 Jahren von den unterschiedlichen künstlerischen Strömen begleitet und aufgegriffen wurde, vom Realismus bis zur Kybernetik. Zu sehen sind Arbeiten von Marcel Duchamp über Otto Dix bis Fernand Léger und Rebecca Horn. Für 2020 stellt Peter Gorschlüter bereits eine Retrospektive des amerikanischen Künstlers Keith Haring in Aussicht.

Mehr Präsenz für die Fotografie

„Die Fotografie wird in den kommenden Jahren wieder eine stärkere Präsenz im Museum haben“, verspricht Gorschlüter. 2019 zeigt der Leiter der Fotografischen Sammlung, Thomas Seelig, Arbeiten der estnischen Künstlerin Marge Monko, die sich mit den Verheißungen der Werbe- und Modeindustrie beschäftigt – und das Thema bis ins Stadtbild hineintragen will.

Auch die Beziehung zwischen Folkwang und dem Bauhaus rückt 2019 in den Fokus. Ein dreiteiliges Ausstellungsprojekt zeigt ab Januar zunächst Gemälde und Grafiken von Lyonel Feininger, eröffnet im April dann „Bühnenwelten“ und schließt mit fotografischen Arbeiten von László Moholy-Nagy.

Neu- und Wiederentdeckungen gibt es auch auf anderen Feldern zu machen. Das Deutsche Plakat Museum stellt ab Februar mit mehr als 350 Werken, darunter Plakate, Logos, Illustrationen und Bühnenbildentwürfe, den Universalkünstler Emil Pirchan (1884–1957) vor. Die erste Einzelausstellung der amerikanischen Künstlerin Margot Bergmann (*1934) in Deutschland wird ab Mai in Kooperation mit den Urbanen Künsten Ruhr gezeigt. Und mit Nancy Spero präsentiert man zehn Jahre nach deren Tod eine US-amerikanische Künstlerin, die sich immer wieder auch als Feministin und politische Aktivistin engagiert hat.

Neue Projekte mit Kooperationspartnern

Zu den Kooperationspartnern in 2019 gehört auch die Folkwang Universität der Künste. Mit „Das beseelte Ding. Vom Geist der Gestaltung“ präsentieren Studenten und Lehrende ein Ausstellungsprojekt (18. 10.-24. 11.)

Eine große performative Arbeit, „die Menschen aus dem Ruhrgebiet in den Mittelpunkt stellt“, verspricht Museums-Direktor Peter Gorschlüter für 2019 auch in Zusammenarbeit mit der Ruhrtriennale.

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