Marktsingen

Das Marktsingen in Rüttenscheid findet immer mehr Freunde

Dirigent Helmut Imig (Mitte) übte beim Marktsingen mit den Besuchern in Rüttenscheid einen Kanon ein.

Foto: Kerstin Kokoska

Dirigent Helmut Imig (Mitte) übte beim Marktsingen mit den Besuchern in Rüttenscheid einen Kanon ein. Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Rüttenscheid.   Jeden Samstag lädt Bäcker Hermann Welp zum gemeinsamen Singen auf den Rüttenscheider Markt ein. Bekannte Essener unterstützen die Chor-Aktion.

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Helmut Imig ist ganz in seinem Element: Routiniert teilt der bekannte Essener Dirigent die Menge in vier Gruppen auf, gibt den Ton an und dann schmettern auf sein Zeichen rund 70 Stimmen den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig“. Nein, wir sind nicht in der Philharmonie oder im Chorforum. Der Schauplatz dieser Gesangseinlage ist eher ungewöhnlich: Es ist der Rüttenscheider Markt.

Dort liegen an diesem kalten Samstagmittag noch überall kleine Schneehaufen, doch das hält den aus dem Stand zusammengewürfelten Marktchor nicht davon ab, von „Wochenend‘ und Sonnenschein“ zu träumen und zu singen. Die heitere Atmosphäre färbt auf die übrigen Marktgänger ab; immer mehr bleiben stehen und singen mit. „Ich finde die Idee großartig“, sagt Ursula Kemper, die zum zweiten Mal dabei ist. „Das macht gute Laune und lockt die Menschen auf den Markt.“

Genau das beabsichtigt Initiator Hermann Welp. Der Bäckermeister und Hobbysänger hat zum ersten Mal in der vergangenen Adventszeit über die sozialen Medien zum Singen geladen, „und dann standen da 100 Leute. Ich war echt überwältigt“, erinnert er sich. Als Träger des Marketing-Preises „Tacken“ war er von seinen Marktkollegen angesprochen worden, ob er nicht eine Idee habe, wie sich der Wochenmarkt auf ungewöhnliche Weise beleben lässt.

Idee kam dem Bäcker beim Singen mit Senioren

Die hatte er: Beim gemeinsamen Singkreis, den Welp im Rüttenscheider Seniorenheim St. Andreas veranstaltet, kam ihm der Gedanke. „Die alten Leute singen so gern, also dachte ich, das könnte auch auf dem Markt funktionieren.“ Tut es auch. Jetzt setzt Welp alles daran, seinen Marktchor zu etablieren. Dafür lädt er gerne prominente Essener ein, die mit den Besuchern die Stimme erheben.

Diese Woche ist es Dirigent Helmut Imig, vergangene Woche war es Oberbürgermeister Thomas Kufen, der das Steigerlied gemeinsam mit 150 Sängerinnen und Sängern mitsang – die traditionelle Ruhrgebietshymne wird beim Marktsingen um 12 Uhr immer als erstes Lied angestimmt.

Auch Sternekoch Nelson Müller soll mitmachen

Auch einen Sternekoch, einen Theater-Besitzer und einen Mäzen hat der Bäcker im Blick: „Ich habe auch Nelson Müller, Christian Stratmann und Reinhard Wiesemann eingeladen.“ Letzterer habe bereits für den 15. April zugesagt.

Welp verfolgt noch eine andere Intention mit seinem Singkreis: Er will die Menschen zueinander bringen. Deswegen verteilt er gerade so viele Texte, dass sich drei Leute ein Blatt teilen müssen. „Das erzeugt Nähe und bringt die Leute ins Gespräch“, ist der 62-Jährige überzeugt.

Der Markt ist mehr als eine Einkaufsmöglichkeit

Zumindest bei Ursula Kemper und ihren Nachbarn Anja und Boris Wenning hat das schon mal geklappt. Alle drei werden wieder mitsingen. Wie auch Patrick Kittel, der seit der ersten „Chorstunde“ dabei ist: „Der Markt ist für mich seit vielen Jahren mehr als eine Einkaufsmöglichkeit. Er ist ein Stück Lebensqualität, ein Ort, an dem ich Freunde und Bekannte treffe. Und an dem ich seit Neuestem singe, was ich persönlich klasse finde.“

Hermann Welp hat neben dem Marktsingen noch eine neue Marketing-Idee, die er in Zukunft gerne etablieren möchte: Ab dem Frühsommer will der Bäckermeister jeden Samstag um 11 Uhr eine Märchenstunde für Kinder am Rüttenscheider Marktbrunnen veranstalten.

Bäcker sucht Helfer zum Vorlesen von Märchen

Dafür sucht Hermann Welp noch Menschen, die gerne vorlesen und eine Stunde Zeit mitbringen. Wer Interesse hat, kann sich persönlich am Stand von Bäcker Welp auf dem Rüttenscheider Markt vorstellen oder per E-Mail unter welpino@online.de melden.

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