BMV-Kloster

Das Leben im Holsterhauser Kloster verändert sich

Schwester Beate führt Besucher durch das Kloster an der Holsterhauser Bardelebenstraße. Hier leben 13 Augustiner Chorfrauen.

Schwester Beate führt Besucher durch das Kloster an der Holsterhauser Bardelebenstraße. Hier leben 13 Augustiner Chorfrauen.

Foto: Stefan Arend

Essen-Holsterhausen.  Die Chorfrauen im BMV an der Bardelebenstraße kennen den modernen Alltag. Im Urlaub wird auch mal das erste Gebet des Tages geschwänzt.

Sie haben sich für die Ordensgemeinschaft und gegen ein Leben mit einer eigenen Familie entschieden. Trotzdem seien sie „ganz normale Menschen“, sagen die Augustiner Chorfrauen, die im BMV-Kloster in Holsterhauen leben. Beim „Tag der offenen Klöster“ am Samstag ließen sie Besucher hinter die Klosterpforte und auch in einen modernen Alltag blicken.

Mit 83 Jahren ist Schwester Agnes eine der Älteren und lebt nun schon über 60 Jahre im Familienkloster. „Natürlich hatte ich davor auch schon mal einen Freund. Aber dann ist die Idee, ins Kloster zu gehen, gewaltig über mich gekommen. Also habe ich mich getrennt“, erzählt sie lachend.

Entwicklung zum offenen Kloster

An den Klosteralltag in ihren ersten Jahren erinnert sich Schwester Agnes noch gut: „Früher hatten wir strenge Vorschriften. Wir durften zum Beispiel unsere Familie nicht besuchen. Selbst bei der Beerdigung von Angehörigen konnten wir nicht anwesend sein.“ Zur ihrer Eintrittszeit besaßen die Schwestern auch keinen eigenen Haustürschlüssel und nach dem Abendgebet durfte nicht mehr gesprochen werden. Das habe sich erst Ende der 60er-Jahre geändert. „Ich sehe die Entwicklung zu einem offeneren und modernen Kloster sehr positiv“, sagt Schwester Agnes.

Ihre Mitschwester Elisabeth könnte ihre Enkelin sein. Mit 28 Jahren ist sie die Jüngste im Bunde. „Bis zu meinem 16. Lebensjahr wollte ich allerdings gar nichts mit der Kirche zu tun haben. Ich habe mich auch erst mit 17 taufen lassen“, erzählt sie. Als ehemalige Altschülerin nahm sie aus reiner Neugierde an der sogenannten „Ora et Labora“ teil, bei der Außenstehende eine Woche lang das Leben im BMV-Kloster ausprobieren können. Nach dem Abitur zog sie aber erst einmal nach Siegen, um Englisch und Religion zu studieren. „Da hatte ich eine eigene Wohnung und ein ganz normales Studentenleben. Aber als ich fertig war, wollte ich den Schritt dann wagen. Bisher vermisse ich nichts aus meinem alten Leben“, verrät die junge Nonne.

In der Freizeit geht es auch mal in eine Bar

Genau wie früher habe Schwester Elisabeth in diesem Jahr einen Urlaub bei ihrer Freundin mit Wanderung und Kirmesbesuch geplant. Das sei in früheren Zeiten unvorstellbar gewesen. „Da konnte man nur in den Urlaub, wenn das Kloster ein Ferienhaus besaß.“

Und auch Schwester Regina vermisst nichts aus ihrem früheren Leben. „Die meisten haben ein antiquiertes Bild von einem Kloster. Natürlich schwänzen wir im Urlaub auch mal die erste Gebetszeit, um auszuschlafen. Wir haben auch keine Gitter vor den Fenstern und können rausgehen – wir sind ganz normale Menschen“, erzählt die 34-Jährige lachend, die in ihrer Freizeit gerne mal mit ihren Freundinnen eine Bar besucht.

Eine Nonnen in einer Kneipe? Über solche Geschichten und den Wandel hinter den Klostermauern wundert sich Besucherin Margarete-Maria Pegels, die vor 65 Jahren zur BMV-Schule gegangen ist.: „Ich bin heute zum ersten Mal in diesem Kloster und ich habe mir das Leben hier ganz anders vorgestellt.“

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