Bildung

Das Land macht bei der Inklusion Druck auf Essen

Das Land macht bei der Inklusion Druck auf Essen. Mehr Schulen sollen gemeinsames Lernen anbieten.

Das Land macht bei der Inklusion Druck auf Essen. Mehr Schulen sollen gemeinsames Lernen anbieten.

Foto: Güttler

Essen.   NRW will ab dem nächsten Sommer den Schulen gemeinsames Lernen vorschreiben. Der Lehrermangel wird nicht behoben.

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Zu viele Schüler, randvolle Klassen, zu wenige Lehrer und kaum genug Klassenräume – Essens Schulen haben mit einer Vielzahl an Problemen zu kämpfen. Doch während zwischen Karnap und Kettwig der Mangel längst zum Alltag gehört, setzt die NRW-Landesregierung nun noch eins drauf: Die Inklusion, der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern, sieht vor, dass bereits ab dem nächsten Sommer alle Schulen der Sekundarstufe I zu „Schulen für Gemeinsames Lernen“ werden.

Aktuell wird in Düsseldorf an einem Erlass gearbeitet, der die Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen verbindlich verpflichtet, die Kinder aufzunehmen und sie „zielgleich“ mit den Inhalten aller Mitschüler oder „zielfremd“ mit eigenen, schwächeren Lerninhalten zu unterrichten.

Gymnasien bleiben ausgeklammert

Die Gymnasien hat das Land bei dieser Regelung ausgeklammert. Neben dem Alfred-Krupp-Gymnasium und dem Gymnasium Borbeck werden sich auf Sicht zunächst auch keine weiteren Gymnasien beteiligen. Landesweit sind es nur 15 von 690, die mitmachen.

Dies sei, so erklärte es Martin Schneider von der zuständigen Bezirksregierung „politischer Wille“ der CDU/FDP-Landesregierung. Bereits in den Herbstferien müssten auf Grundlage der im Schulamt vorliegenden Elternwünsche die Schulen des Gemeinsamen Lernens festgelegt werden. Die Arbeit dürfte in Essen schnell erledigt sein: Es wird wohl alle Schulen treffen.

Großes Unbehagen im Schulausschuss

Im Schulausschuss, der am Mittwoch erstmals Kenntnis von den Plänen bekam, war die Aufregung groß. Von „großem Unbehagen“ sprach SPD-Sprecher Manfred Reimer und einem „Hauruck-Verfahren“. Denn für das Kernproblem des Planes sieht der Landeserlass keine Lösung vor. So soll zwar jede Inklusionsklasse nur aus 25 Schülern bestehen, davon drei mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Und diese Klasse soll von eineinhalb Lehrern/Sonderpädagogen betreut werden. Doch sieht der Erlass dieses Ziel höchstens als unverbindliche „Zielperspektive für 2024/2025“ vor.

Drei Bewerbungen auf 40 Plätze

Diese Marke dürfte in Essen kaum zu erreichen sein. „Wenn wir die Klassen mit dieser Stärke so bilden, fehlen uns 260 Plätze“, benannte Schuldezernent Muchtar Al Ghusain das erste Problemfeld in Essen. Das zweite, und weitaus größere: Es gibt keine Sonderpädagogen oder Förderschullehrer, der Markt ist praktisch leergefegt. Auf 40 ausgeschrieben Stellen sind im Schulamt gerade einmal drei Bewerbungen eingegangen. Dabei werden inzwischen selbst Handwerksmeister eingestellt und in die Klassen geschickt. Selbst an den Förderschulen, die ebenfalls aus allen Nähten platzen, sind gerade einmal 87 Prozent der Lehrerstellen besetzt. Mit Abordnungen an andere Schulen sei deshalb kaum zu rechnen, heißt es seitens des Schulamtes.

Das Land übt massiven Druck aus

Wie dort dann Gemeinsames Lernen aussehen soll? „Wir werden nicht die Förderschulen leerräumen, damit die Situation an den anderen Schulen etwas besser wird“, sagt Karin Lennartz, zuständig für die Fachaufsicht im Schulamt. Dabei könnte das Land wenigstens perspektivisch handeln, so Schuldezernent Al Ghusain, und die Zugangsbeschränkung zum Lehramts-Studium für Förderschullehrer abschaffen.

Dies alles hält die Bezirksregierung aber nicht davon ab, „massiv Druck“ auf die Stadt auszuüben, wie Al Ghusain betonte, zum nächsten Schuljahr mehr Schulraum zu schaffen. Derweil muss das Schulamt einräumen, dass es schon heute mit der Inklusion nicht klappt: Immer mehr Kinder kehren zur Förderschule zurück.

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