Coronavirus

Coronavirus: Cafés in Essen halten sich fast alle ans Verbot

Die Sonnenterrasse des Café Mondrian an der Rüttenscheider Straße. Hier wäre normalerweise kein Platz frei.

Die Sonnenterrasse des Café Mondrian an der Rüttenscheider Straße. Hier wäre normalerweise kein Platz frei.

Foto: F.S.

Essen.  In den Essener Stadtteilen und der Innenstadt wurde am Mittwoch anscheinend der Schalter umgelegt. Cafés sind zu. Stadt droht den Abweichlern.

Während am Dienstag das Leben in den Stadtteilen noch weitgehend seinen gewohnten Gang nahm, hat sich die Lage am Mittwoch morgen doch deutlich verändert. Trotz des gleichbleibend sonnigen Wetters sind die Gesichter noch ernster geworden, die Menge an Menschen etwa auf der Rüttenscheider Straße hat abgenommen und vor allem haben dort die beliebten Frühstückscafés und andere gastronomischen Treffpunkte nun geschlossen - fast alle jedenfalls.

In einer Bäckereikette sitzen Menschen an den Tischen und plaudern

Das Café Miamamia, das Mondrian mit seiner beliebten Sonnenterrasse - geschlossen. Auch die Bäckereien mit angeschlossenen Café-Betrieb haben diesen abgesperrt (Backbord) oder durch hochgestellte Stühle (Döbbe) als geschlossen gekennzeichnet. Bei Bäcker Peter an der Rü hingegen gehen die Uhren noch anders, neben dem völlig legalen Verkauf an der Theke, auch von Kaffee zum Mitnehmen, sitzen hier immer noch Leute an den Tischen, frühstücken und plaudern. In Kupferdreh habe es sogar geheißen, bei Döbbe fliegt man raus, aber bei Peter darf man sitzen.

Stadtsprecherin Silke Lenz warnt eindringlich davor, die Regeln zu missachten. Auch Bäckereien, die nebenbei die Gelegenheit bieten sich bei Kaffee und Teilchen niederzulassen, haben dies einzustellen. „Das ist ein Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz, das wäre keine Ordnungswidrigkeit, sondern sogar eine Straftat.“

Stadt kündigt Kontrollen von Gastronomien in mehreren Stadtteilen an

Lenz zufolge sollte niemand hoffen, dass die Stadt gar nicht die Möglichkeit hat, die Beachtung der Regeln zu kontrollieren. „Am heutigen Mittwoch werden wir schwerpunktmäßig in Rüttenscheid, Altendorf und Werden kontrollieren.“ In Werden waren am Dienstag die Cafés an der Grafenstraße mit ihren sonnigen Tischreihen sehr gut besucht.

Von solchen Ausreißern abgesehen, scheinen sich nun aber die meisten an die Verbote zu halten. Gespenstische Leere etwa ist in der Innenstadt zu beobachten: Nur vereinzelt bummeln ein paar Spaziergänger über die Kettwiger und die Limbecker Straße. Selbst die Trinker-Szene am Hauptbahnhof scheint geschrumpft.

In der Innenstadt herrscht eine bedrückende Leere

Nahezu alle Geschäfte haben geschlossen, bis auf ein paar wenige Ausnahmen: Die Bäcker, Tabak- und Lotto, die beiden Drogeriemärkte auf der Kettwiger und im Bahnhof und die Optiker haben zwar ihre Türen geöffnet, doch nur wenige nehmen das wahr. Das bekommt auch Hema zu spüren - die Mitarbeiter des Stores aus Holland schieben zwar gerade ihre mobilen Regale mit Sonderangeboten vor die Tür, aber auf wen hoffen sie?

Heute dürfen sie indes noch öffnen, ab Donnerstag, 19. März müssen auch solche Läden in Essen schließen. Ausgenommen sind Supermärkte und anderen Geschäfte, die den täglichen Bedarf an wichtigen Produkten, vor allem Lebensmittel und Hygieneartikel, decken.

Der Grugapark schließt, weil andere Städte das auch so gemacht haben, heißt es

Die Stadt appelliert noch einmal an jeden Essener, sich möglichst wenig draußen aufzuhalten. Dem soll auch die Schließung des Grugaparks Rechnung tragen. Silke Lenz räumt zwar ein, die Gruga sei in den letzten Tagen kein Ort gewesen, an dem sich Menschen versammelt hätten, dennoch: „Wir folgen hier einfach dem Vorbild anderer Städte“, erklärte sie.

Die ständigen Verschärfungen der letzten Tage seien weniger Salami-Taktik, um das soziale Leben langsam herunterzufahren und die Bürger daran zu gewöhnen. „Wie alle Städte reagieren wir auf die Erlasse des Landes NRW“, sagt Silke Lenz. Wenn sich diese in rascher Folge änderten, müsse die Stadt Essen nachziehen.

Entscheidend sei: Es mache niemandem im Rathaus Spaß, Freiheiten einzuschränken, „es ist auch verständlich, dass die Menschen nach den vielen Regentagen endlich die Sonne genießen wollen“. Doch es bleibe dabei: „Wer möglichst wenig draußen ist und seine sozialen Kontakte reduziert, leistet einen wichtigen Beitrag, sich selbst und andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen.“

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