Tierheim

Corona: Tierheim Essen benötigt Futter – kein Hundeverleih

Den Tierheimalltag in der Corona-Krise beschreibt Mitarbeiterin Jeanette Gudd, hier mit der französischen Bulldogge Bruno, die inzwischen ein dauerhaftes Zuhause gefunden hat.

Den Tierheimalltag in der Corona-Krise beschreibt Mitarbeiterin Jeanette Gudd, hier mit der französischen Bulldogge Bruno, die inzwischen ein dauerhaftes Zuhause gefunden hat.

Foto: Linda Sonnenberg / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Tierheim Essen ist für Besucher geschlossen: Wie die Vermittlung läuft und warum die Mitarbeiter keine Hunde für die Corona-Zeit verleihen.

Die Corona-Krise geht auch am Essener Tierheim nicht spurlos vorbei: Für Besucher und die vielen Ehrenamtlichen sind die Türen an der Grillostraße seit 17. März geschlossen, dahinter kümmern sich die Mitarbeiter weiterhin um Hunde, Katzen, Kleintiere wie Exoten. Anfragen zur Vermittlung nehmen die Pfleger entgegen. Sie erklären zudem vielen Anrufern, warum ein Hundeverleih selbst in der Corona-Zeit nicht sinnvoll ist – und bitten um Futterspenden.

Allein 55 Hunde und rund 50 Katzen wollen jeden Tag im Tierheim versorgt werden, das heißt füttern, Gehege putzen, Gesundheitszustand kontrollieren und Medikamente verabreichen. Fundtiere nehmen die Pfleger nach wie vor auf. Daran ändert auch die aktuelle Krisensituation nichts. Nur ist es leerer geworden zwischen den Gehegen und Zwingern, in den Katzenzimmern und Gängen – zumindest, was die Anzahl der Menschen betrifft.

Katzenstreichler und Gassigeher gehören sonst zum Tierheim-Alltag

Üblicherweise gehören zum Alltag die Katzenstreichler und zahlreiche Gassigeher, die dafür sorgen, dass die Tiere beschäftigt und ausgeführt werden. Sie schenken ihnen Zuwendung, bis die tierischen Bewohner ins endgültige Zuhause ziehen – die Ehrenamtlichen packen im Tierheim mit an und entlasten so zudem die Mitarbeiter. Nimmt man die täglichen Besucher hinzu, die auf der Suche nach Hund, Meerschweinchen oder Wellensittich sind, „knubbelt sich das hier mitunter ganz schön“, beschreibt Jeanette Gudd.

Da es genau diesen Besucher-Stau derzeit zu vermeiden gilt, hat sich auch der Arbeitsalltag im Tierheim verändert. „Wer sich für ein Tier interessiert, den bitten wir, zu Hause auf unsere Internetseite zu schauen“, sagt die Mitarbeiterin. Dort sind Bilder und kurze Beschreibungen zu den Tierheimbewohnern zu finden. Möchte jemand dann beispielsweise einen Hund aufnehmen, kann er durchaus eine Runde spazieren gehen. Die Übergabe erfolgt aber vor dem Tierheim – ohne Kontakt.

Mitarbeiter wuppen derzeit die Spaziergänge

Kontaktlose Hundeübergabe, die gilt derzeit ebenso für die begrenzte Zahl der langjährigen Gassigeher. „Ansonsten bemühen wir uns, die Spaziergänge mit den Mitarbeitern zu wuppen“, sagt Jeanette Gudd. Allerdings hätten sie auch die Belegschaft heruntergefahren. Zu dieser zählen etwa 40 Kollegen, darunter Voll- und Teilzeitkräfte, Büromitarbeiter und Minijobber. Unter ihnen seien drei Mütter, die nun auf flexible Arbeitszeiten angewiesen seien, wenn der Nachwuchs nicht betreut werde. Wer einige Tage zu Hause bleibe, mache das bei vollem Lohnausgleich, das ist derzeit die Regel im Tierheim.

Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und desinfizieren sind auf Aushängen zu lesen. Aber mit solchen Vorsichtsmaßnahmen kennen sich die Tierpfleger ohnehin aus, wenn sie etwa auf der Quarantänestation arbeiten. Wenn bei den Tieren Tollwutimpfungen nachgeholt werden müssen oder sie Pilzinfektion haben, steigen die Pfleger in Schutzanzüge, setzen Mundschutz auf. „Zum Glück haben wird von diesem noch Vorrat gebunkert“, zeigt sich Jeanette Gudd erleichtert, da Atemschutzmasken zur Mangelware geworden sind.

Platz für Hunde von Erkrankten oder Menschen in Quarantäne gibt es

Platz für Hunde und Katen von Haltern in Quarantäne oder Erkrankten, der sei im Tierheim vorhanden. Tatsächlich, so sagt Jeanette Gudd, habe sich bislang kaum jemand gemeldet, der sich aktuell um den Auslauf seines Hundes sorge, weil er zur Risikogruppe zähle. Möglicherweise hätten Halter das mit Familie, Freunden oder Bekannten geregelt.

Bedarf hingegen hat das Tierheim selbst: an Futterspenden. Benötigt wird Hunde- und Katzenfutter, gern getreidefreies. „Diese Spenden sind deutlich zurückgegangen, da uns ja jetzt quasi die Laufkundschaft fehlt“, sagt Jeanette Gudd, die sich durchaus bewusst ist, dass die Menschen nun andere Sorgen hätten. Wer spenden möchte: Das ist nun vor der Tür möglich, wo die Mitarbeiter eigens dafür eine neue Box aufgestellt haben.

Das Zuhause wieder zu verlieren, wäre für Hunde ein Supergau

„Nicht möglich bleibt ein Hundeverleih“, bittet sie die vielen Essener um Verständnis, die jetzt anbieten, Tiere für einige Wochen aufzunehmen, da sie nicht arbeiten müssten und Zeit hätten. Das sei ganz lieb gemeint, diesen guten Willen wüssten die Mitarbeiter im Tierheim zu schätzen. „Aber für die Hunde wäre das ein Supergau, wenn sie sich erst eingelebt hätten, das Zuhause wieder zu verlieren – ein weiteres Mal.“

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