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Corona-Leugner: Morddrohungen gegen Uniklinikärztin Doc Caro

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´19 – die DUB-Chefvisite / Folge XXXVIII

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Doc Caro berichtet über Morddrohungen von Corona-Leugnern

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Essen.  Doc Caro vom Uniklinikum Essen erhält Morddrohungen von Corona-Leugnern. Aktuell kritisiert die Bloggerin, wie der Impfstoff verteilt wird.

Die Leitende Oberärztin der Notaufnahme der Uniklinik Essen, Dr. Carola Holzner, erhält Morddrohungen von Corona-Leugnern. Holzner, die als "Doc Caro" über ihre Pandemie-Erfahrungen bloggt, wird auf ihrer Facebook-Seite offenbar übel beleidigt und bedroht. „Beschimpfungen und einen Shitstorm in diesem Ausmaß habe ich nicht erwartet“, sagt Holzner im Online-Format „19 – die DUB Chefvisite“.

Dass sie sich selbst umbringen solle, las Holzner, Mutter von zwei Kindern, mehrfach, das Übelste wird von Facebook und Co. gelöscht. Doch auch Todesdrohungen erreichen sie: In einem inzwischen entfernten Post erhielt sie die „Note 6“ dafür, zu „Verbrechern gegen die Menschlichkeit“ zu gehören. Lebenslang reiche da nicht mehr aus, heißt es unter einem Galgenstrick, „konsequente Strafverschärfung nach der bekannten Weise“. Damit steht sie auf der Todesliste neben dem Virologen Prof. Christian Drosten.

Grundsätzlich erlebe sie einen "unheimlich hohen Informationsbedarf" und erfahre für ihre Aufklärungsarbeit auch viel Zuspruch. Viele danken es ihr, dass sie seit Beginn der Pandemie öffentlich macht, wie es auf den Covid-Stationen aussieht, wie hart das Personal arbeitet, wie schwer viele Menschen erkrankt sind. Seit sie nach einer Nachtschicht das Bild einer Corona-zerfressenen Lunge postete, sitzt sie als regelmäßiger Gast in Talkshows. Viele ließen sich von der Anonymität des Internets jedoch zu heftigen Beleidigungen verleiten, berichtet die Oberärztin.

"Warum bekommen Ärzte und Pflegekräfte keinen Impfstoff?"

Unterkriegen aber lässt sie sich davon nicht. Sie fordert weiter Wertschätzung für das Klinikpersonal – und aktuell, dass es schneller geimpft wird. Zwar befürwortet sie, dass der Impfstart in den Seniorenheimen stattfand. „Ich verstehe nur nicht, wieso der Lastwagen mit den Impfdosen nicht parallel zu den Kliniken fährt.“ „Wir wollen die Impfung und zwar schnell!“, ruft sie der Landesregierung zu.

Am Montag kündigte die an, ab dem 18. Januar auch in den Krankenhäusern zu impfen. „Wie kann es sein, dass Pflegekräfte, Ärzte, Personal in Risikobereichen keinen Impfstoff bekommen?", fragt Holzner. Gerade sie dürften doch in der aktuellen Situation nicht ausfallen: "Wir halten hier den Laden am Laufen." Ihren Brief will die Ärztin als „Appell und Hilferuf“ verstanden wissen. Eine schnelle Impfung, so Holzner, wäre für sie ein Zeichen: „Wir sind mehr wert als Geklatsche, Schokolade und Streichwurst.“

Von Seiten Laschets und Laumanns hat die Rettungsärztin, bislang keine direkte Reaktion erhalten. Am Mittwoch aber hat sie möglicherweise Gelegenheit, mit dem Gesundheitsminister direkt zu sprechen: Beide sind eingeladen in die Sendung „Markus Lanz“ (ZDF)."

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130 Covid-19-Patienten liegen im Uniklinikum Essen

In der Essener Notaufnahme sieht Carola Holzner übrigens „trotz Lockdowns keine Entlastung“. Auch Klinikchef Professor Jochen Werner betont, dass die aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) durch die Feiertage verzerrt seien. Im Uniklinikum Essen würden weiterhin mehr als 130 Covid-19-Patienten versorgt, aktuell liegen 44 von ihnen auf der Intensivstation.

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