Kultur- und Bürgerzentrum

Corona: Kulturbetrieb im Alten Bahnhof Kettwig geht weiter

Carolin Becher und Wolfgang Lettow von der IG Bahnhof Kettwig sind guten Mutes, dass alle Veranstaltungen stattfinden können.

Carolin Becher und Wolfgang Lettow von der IG Bahnhof Kettwig sind guten Mutes, dass alle Veranstaltungen stattfinden können.

Foto: Svenja Hanusch

Essen-Kettwig.  Bislang gibt es keine Absagen von Veranstaltungen aus Vorsicht vor einer Verbreitung des Coronavirus. Ein Gespräch mit der IG Bahnhof Kettwig.

Bei der Interessengemeinschaft (IG) Bahnhof Kettwig steht das Telefon selten still in diesen Tagen. Findet der Kurs statt? Ist die Theateraufführung abgesagt? Was ist mit dem gebuchten Seminar? Das Thema Corona lässt Mitarbeiterin Carolin Becher momentan hin und her pendeln zwischen ihren Kursen und dem Büro. „Der Betrieb im Alten Bahnhof läuft wie immer“, betont sie. Die von der IG organisierten Veranstaltungen finden – soweit keine andere behördliche Anordnung dem entgegensteht – statt.

150 Plätze im großen Veranstaltungssaal

Abgesagt werden musste bislang lediglich der Auftritt des Duos Groovespecials im Rahmen der Reihe „Jazz and more“ im Gewölbekeller des Hauses. Und da habe das Künstlerpaar von sich aus abgesagt, erläutert Lutz Erbslöh, zweiter stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft und Mitglied im Kulturausschuss des Vereins. „Der Coronafall aus Kettwig war für die Künstler wohl ausschlaggebend. Wir von uns aus hätten die Veranstaltung nicht abgesagt“, sagt Erbslöh ganz klar.

Auch der um einen Tag verschobene Auftritt von Komikerin Lisa Feller am Sonntag, 22. März, sei nicht in Gefahr, berichtet Vereinsvorsitzender Wolfgang Lettow.

Ebensowenig müssten Karteninhaber um die Aufführung der Essener Volksbühne am Samstag, 14. März, bangen. Das Agatha-Christie-Stück „Und dann gab’s keines mehr“ werde in dem 150 Plätze fassenden großen Veranstaltungssaal ab 19.30 Uhr über die Bühne gehen, sagt Lettow.

„Wir versuchen, nicht in Panik zu verfallen“

„Wir versuchen, hier nicht in Panik zu verfallen. Wer meint, sich mit dem Besuch unserer Einrichtung einem unnötigen Risiko auszusetzen, kann fernbleiben“, fährt er fort. Bislang habe es keine Veranlassung gegeben, Konzerte oder Seminare abzusagen. „Wir sind eine kleine Kultureinrichtung mit einer begrenzten Teilnehmerzahl. Die Leute müssen selbst entscheiden, ob sie kommen wollen.“

Anders als beim Jugend- und Bürgerzentrum Werden (JuBB), wo Veranstaltungen mit über 25 Teilnehmern untersagt sind (es handelt sich um eine Einrichtung des städtischen Jugendamtes), ist der Kulturbetrieb im Alten Bahnhof Kettwig privatwirtschaftlich organisiert.

Forderung nach Notfallfonds für Künstler

„Wir gehören der freien Szene an. Fallen Veranstaltungen aus, tragen wir den Schaden“, erläutert Wolfgang Lettow den Unterschied. Auch professionelle Künstler, ergänzt Erbslöh, hätten ihre bald Probleme, wenn immer mehr Auftritte abgesagt werden müssten.

Lettow: „Wir unterstützen deshalb die Initiative des Deutsche Kulturrats. Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände fordert einen Notfallfonds für Künstler.“ Auch die IG Bahnhof Kettwig falle als Kulturstandort darunter – falls es zu coronabedingten Ausfällen käme.

Kursteilnehmer gehören zur Risikogruppe

Noch allerdings halten auch die Teilnehmer von Sport- und Sprachkursen dem Kettwiger Bürger- und Kulturzentrum die Treue. „Selbstverständlich gelten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen“, erklärt Carolin Becher. Wer Reha-Sport betreibe, habe kein Problem mit dem Zwei-Meter-Abstand. „Unsere Säle sind groß genug.“ Geturnt werde ohne Geräte. „Und Desinfektionsmittel sind hier natürlich auch reichlich vorhanden.“

Bislang habe keiner den Besuch der Sportgruppen abgelehnt, „und die Teilnehmer gehören aufgrund ihres Alters beziehungsweise ihrer Vorerkrankungen eben sehr wohl zu den Risikogruppen“, sagt Carolin Becher. Sie freue sich über den Zuspruch, „denn durch die Bewegung wird das Immunsystem ja gerade gestärkt.“

Die IG Bahnhof Kettwig vermietet ihre Räume auch an Veranstalter von Kursen und Seminaren. Wenn diese wiederum aus Vorsicht vor einer möglichen Ansteckungsgefahr ihre Veranstaltungen absagten, sei das natürlich bedauerlich, aber eben nicht von der IG veranlasst. Carolin Becher: „Das ist leider beim Stoffrestemarkt der Fall gewesen. Einige Interessenten standen vor der Tür.“

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