Corona

Corona in Essen: Kostenlose Tests für alle Urlaubswilligen

Eine Arzthelferin entnimmt bei einem Patienten einen Abstrich. Die künftigen Schnelltests sollen einfacher zu handhaben sein.

Eine Arzthelferin entnimmt bei einem Patienten einen Abstrich. Die künftigen Schnelltests sollen einfacher zu handhaben sein.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Essen.  Bund und Land wollen zudem alle Altenheim-Bewohner und Pfleger auf Corona testen lassen. Und: Kommt nun doch bald die Gastro-Sperrstunde?

Mehr als 22.000 Bürger in Essen sollen mit einem Corona-Schnelltest untersucht werden. Betroffen sind sämtliche Bewohner von stationären und ambulanten Senioren- und Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet sowie alle Männer und Frauen, die in altenpflegerischen Berufen tätig sind. Wann die Tests kommen, ist noch unklar, eine so genannte Allgemeinverfügung hat die Stadt am Montag aber bereits erlassen.

Angesichts der sich dynamisch verändernden Infektionslage und der Herbstferien in NRW regelt die Allgemeinverfügung der Stadt Essen auch die Testung von Urlaubern. Wer in den Herbstferien einen innerdeutschen Urlaub gebucht hat und aufgrund von Bestimmungen am Urlaubsort einen negativen Test vorweisen muss, wird laut Stadt ebenfalls auf das Coronavirus getestet. Die Kosten trage das Land NRW.

Noch fehlen Infos, wie das Testen der Urlaubswilligen konkret ablaufen soll

Auch hier fehlen noch Informationen, wie und in welchem Zeitraum das genau geschehen soll. Vertragsärzte, das Gesundheitsamt „oder beauftragte Dritte wie Krankenhäuser oder Altenheime“ sóllen mit der Ausführung betraut werden.

Der Plan, der bereits Anfang Oktober vom Bundesgesundheitsministerium auf den Weg gebracht und von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag erneut angekündigt wurde, sieht diese Massentests vor in Städten, die den kritischen Inzidenzwert von 35 überschritten haben. Das war in Essen bereits am Sonntag, 4. Oktober, der Fall. Mittlerweile liegt der Inzidenzwert dauerhaft über 50; Essen ist somit „Hotspot“ oder „Risikogebiet“.

12.500 Senioren leben in Heimen oder werden von ambulanten Diensten versorgt

Nach Angaben von Essens Gesundheitsdezernent Peter Renzel leben 7000 Senioren in Essen in vollstationären Einrichtungen; weitere 5500 werden durch ambulante Pflegedienste versorgt. Darüber hinaus arbeiten rund 10.000 Männer und Frauen in Pflegeeinrichtungen oder ambulanten Diensten. Für diese genannten Gruppen soll es künftig die Schnelltests geben, die mit einer einfachen Speichel-Entnahme funktionieren sollen.

Renzel räumt allerdings ein: „Meines Wissens sind diese Tests noch gar nicht auf dem Markt, und wir warten derzeit die weiteren Absprachen zwischen Bund und Ländern ab, wann die Schnelltests durchgeführt werden sollen.“Die Kosten für die Massentests soll nach Medienberichten die Bundesregierung übernehmen.

Wie die Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu bewerten ist – zu dieser Frage gibt es in Essen derzeit eine auffällige Zurückhaltung: „Wenn wir mit solchen Tests wichtige und besonders verletzliche Gruppen schützen können, ist das sicher im Sinne der Sache“, berichtet Caritas-Direktor Björn Enno Hermans. Er könne derzeit abschließend die angekündigte Maßnahme jedoch nur schlecht beurteilen – „auch wenn Schnelltests erst mal die Hoffnung auf Sicherheit geben und somit soziale Kontakte für Heimbewohner gewährleisten.“

Bei der Ablehnung von Sperrstunden muss sich die Stadt offenbar beugen

Gesundheitsdezernent Renzel hatte sich stets gegen Massentests ausgesprochen, weil sie seiner Ansicht nach nur eine Momentaufnahme ablieferten und keine langfristige Sicherheit böten. Gegen Schnelltests hingegen sei nichts zu sagen. „Alles, was schützt, ist sinnvoll“, so Renzel. Neuinfektionen aus den Essener Pflegeheimen wurden vor allem zu Beginn des Ausbruchs der Pandemie gemeldet; seit Wochen gibt es aus den Seniorenzentren im Stadtgebiet keine Meldung mehr über eine bestätigte Corona-Infektion.

Auch in einem anderen Punkt muss die Stadt womöglich zurückrudern: Während NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag ankündigte, dass gastronomische Betriebe in Risikogebieten mit Sperrstunden rechnen müssten, hat die Stadt Essen in ihrer Allgemeinverfügung, die seit Montag gilt, keine Sperrstunden verordnet.

Oberbürgermeister Thomas Kufen hatte sich sogar dezidiert gegen Sperrstunden und Alkoholverbote in der Öffentlichkeit ausgesprochen. Die Stadt kann allerdings nur so lange ohne diesesm Instrument verweigern, wie die neue NRW-Rechtsverordnung noch nicht in Kraft ist. Sie soll spätestens 1. November gelten. Dann müssten sich auch in Essen die Kneipen an neue Richtlinien halten, die Sperrstunden vorsehen.

Zahlen der Stadt und des RKI liegen auseinander – die Gründe

Unterdessen sind am Montag die aktuellen Corona-Werte, die das Robert-Koch-Institut (RKI) auch für Essen angibt, sowie die täglich veröffentlichten Zahlen der Stadtverwaltung weiter auseinandergegangen. Die unterschiedlichen Werte hatten bereits in der Vergangenheit viele Bürger irritiert. Seit Montag, null Uhr, hatte das RKI jetzt einen aktuellen Inzidenzwert für Essen von 61,8 veröffentlicht; die Stadt Essen spricht am Montagvormittag dagegen von 52,9.

Für die unterschiedlichen Zahlen gibt es zwei Gründe: Bis zum vergangenen Wochenende hatte das Essener Gesundheitsamt die Samstags- und Sonntagswerte nicht ans RKI übermittelt – die Folge: Das RKI missinterpretierte die Zahlen, die montags einliefen, als den Wert eines einzelnen Tages, nicht als den Wert dreier Tage. „Dieses Problem“, kündigt Sozialdezernent Peter Renzel an, „sollte jetzt behoben sein, denn künftig wird auch das Essener Gesundheitsamt die Werte von Samstagen und Sonntagen aktuell übermitteln.“

Der zweite Grund: Während das RKI die Zahlen stets um Mitternacht aktualisiert, veröffentlicht die Stadtverwaltung die Werte erst im Laufe eines Vormittags. In diesen neun bis zehn Stunden habe sich das Infektionsgeschehen noch verändert – vor allem in Zeiten stark dynamischer Entwicklungen wie derzeit.

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