Coronavirus

Corona: Am Baldeneysee muss die Stadt Essen durchgreifen

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Foto: WAZ

Essen.  Wer sich jetzt in der Natur erholen will, muss bereit sein zum Alleinsein. Im Pulk geht das nicht. Herzlos dürfen Behörden aber nicht werden.

Wegen der Eile, mit der die Stadt derzeit Verordnungen erlässt, kann auch mal etwas danebengehen. Die Vorschrift, Ehepartner oder Lebensgefährten nicht zu Beerdigungen zuzulassen, gehörte zweifellos dazu. So richtig es ist, selbst Trauergemeinden klein zu halten, um auch hier die Ansteckungsgefahr zu minimieren: Das ging zu weit. Die Virus-Gefahr ist kein Freibrief für Herzlosigkeit, die Korrektur war richtig.

Noch besser wäre, die Stadt beschränkte sich darauf, die Höchstzahl der Teilnehmer auf 15 zu begrenzen, wie es sonst ja auch geschieht. Wer dann unter dieser Prämisse einer Bestattung beiwohnt, aus welchen Gründen man dem Verstorbenen nahe stand, das geht, mit Verlaub, niemanden etwas an.

Auch der letzte sollte begriffen haben, dass Gruppenbildung jetzt falsch ist

Bei anderen Phänomenen hingegen müssen Stadt und Polizei die ganze Härte zeigen, die ihnen möglich ist. Es ist schwer fassbar, was sich seit Tagen rund um den Baldeneysee abspielt. Klar, wenn nach einer schier endlosen Regenphase endlich der Frühling durchbricht, will jeder an die Sonne. Aber muss Freizeit denn immer bedeuten, in Pulks unterwegs zu sein, obwohl auch der letzte mittlerweile wissen müsste, wie fatal derzeit die Gesellschaft anderer sein kann?

Wer jetzt in der Natur entspannen will, soll das gefälligst alleine oder allenfalls mit seinem Partner machen. Der Polizei wurde es in Fischlaken irgendwann zu bunt und sie sperrte die direkte Zufahrt zu Haus Scheppen für Motorradfahrer, was dringend notwendig war. Auch die Gastronomien dort brauchten offenbar eine Extraeinladung, um den Betrieb endlich einzustellen.

Die Saufgelage am Heisinger Ufer sind schon in normalen Zeiten eine Zumutung

Kein Wort verlieren muss man eigentlich über die jugendlichen Saufgelage in Heisingen, die schon zu normalen Zeiten eine Zumutung sind, wenn sie die schöne Ufer-Promenade vermüllen und verlärmen. Dies noch am Mittwoch Abend zu tun, ist eine Provokation, und die Polizei zu veräppeln und sich nach dem Platzverweis erneut zu versammeln treibt die Dinge auf die Spitze.

Hier wünscht man sich härteres Durchgreifen etwa eine Nacht in der Zelle, was den Reifungsprozess befördern könnte. Wobei die Lust an der Grenzüberschreitung kein Privileg der Jugend ist. Man sieht auch Ältere, ja selbst solche, die erkennbar den Risiko-Jahrgängen angehören, die in Zynismus baden und sich gespielt für unverwundbar erklären.

Unter einer Ausgangssperre würden auch die Vernünftigen leiden

Das Schlimme an derart asozialem Verhalten ist, dass irgendwann die allgemeine Ausgangssperre kommen kann und dann alle darunter zu leiden haben – auch die, die vernünftig sind und nichts weiter tun als einen Spaziergang zu unternehmen und dabei Abstand zu anderen wahren. Bevor das passiert, müssen die Respektlosen zur Räson gebracht werden.

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