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Co-Working krempelt den Büromarkt in Rüttenscheid um

Begegneten sich bei der Wohnungssuche, waren sich sympathisch und gründen wenig später den Co-Working-Anbieter „Collective Ruhr“: Robert Gunz, Alexander Hnatyk und Miriam Engelbert (v.l.).

Begegneten sich bei der Wohnungssuche, waren sich sympathisch und gründen wenig später den Co-Working-Anbieter „Collective Ruhr“: Robert Gunz, Alexander Hnatyk und Miriam Engelbert (v.l.).

Foto: Vladimir Wegener

Essen-Rüttenscheid.   Immer mehr Flächen in Rüttenscheid werden zu Co-Working-Plätzen umgebaut: flexibles Arbeiten mit Freizeitanschluss ist das, was viele suchen.

In Rüttenscheid entstehen immer mehr Co-Working-Arbeitsplätze: an prominenter Stelle wie den ehemaligen Bürogebäuden von Ista und Schenker, aber auch in etwas kleinerer Form, an der Rüttenscheider Straße 120 zum Beispiel: Dort eröffnete vor Kurzem das junge Netzwerk „Collective Ruhr“ seine erste Co-Working-Fläche.

Auf 385 Quadratmetern haben 45 Personen Platz, die Lust auf vernetztes und branchenübergreifendes Arbeiten haben: Ebenso wie die drei jungen Gründer, die weg wollten vom verstaubten Einzelschreibtisch mit Rollcontainer.

Fläche in Rellinghausen geplant

Sie lernten sich vor zwei Jahren kennen, als Alexander Hnatyk und Miriam Engelbert aus einem der von ihnen gegründeten Surf-Camps auf Sri Lanka zurück nach Essen kamen. „Meine Eltern wollten ihr LVM-Versicherungsbüro an der Steeler Straße nach mehr als 30 Jahren abgeben. Deswegen sind wir zurückgekommen. Dabei stand für mich fest, dass das Umfeld eines klassischen Versicherungsbüros nichts für mich ist“, sagt Alexander Hnatyk, der sich mit seinen Surf-Camps mittlerweile ein weiteres Standbein aufgebaut hat. Bei der Wohnungssuche im Südviertel lernten er und Miriam Engelbert dann Robert Gunz von Glückauf-Immobilien kennen.

„Wir hatten das Co-Working-Thema ohnehin auf der Agenda. Da wir drei uns sofort sympathisch waren, haben wir es dann einfach gemeinsam angepackt“, erklärt Robert Gunz. Neben ihren eigenen Unternehmen sind bereits Programmierer, Bauunternehmer und Marketingexperten in die beiden kernsanierten Etagen über dem „Burgerheart“ eingezogen. Demnächst kommt noch die dritte Etage hinzu. Ab 29 Euro pro Tag können sich Freelancer dort ebenso einmieten wie Unternehmen.

Flexible Lösungen sind gefragt

Flexible Lösungen würden immer stärker nachgefragt, weiß Gunz: „Im nächsten Jahr öffnen wir noch eine Co-Working-Fläche an der Frankenstraße in Rellinghausen, in den ehemaligen Räumen von Gardinen Haase.“ Dort stehen neben 450 Quadratmeter Bürofläche im Keller noch 300 Quadratmeter Platz für Kreative zur Verfügung. „Wir könnten uns da zum Beispiel ein Studio für Fotografen oder Filmemacher vorstellen“, sagt Alexander Hnatyk. Er ist selbst der beste Beweis, dass der klassische Büroarbeitsplatz ein Auslaufmodell ist. „Ich will mit Menschen zusammenarbeiten, die ich mag und mit denen ich auch nach Feierabend noch gern zusammen bin.“

Entsprechend wohnlich ist die Co-Working-Fläche eingerichtet: Mit Holzkunst von Heiner Szamida an den nackten Betonwänden, Perserteppichen auf dem Boden, einer Dachterrasse und gemütlichen Lounge-Sofas. Allen Freiheiten auf der hippen Bürofläche zum Trotz, wäre das alleinige Arbeiten nichts für den Surfer, der ab und an etwas Meeresluft an der Nase braucht, wie er gesteht: „Das Wohnmobil ist schon bestellt.“

Zwei Etagen Co-Working im alten Schenker-Haus

Die größte Co-Working-Fläche in Rüttenscheid ist im ehemaligen Schenker-Gebäude an der Alfredstraße 81 entstanden. Wenn in Kürze alle Flächen fertiggestellt sind, hat Anbieter „Workspace A81“ dort insgesamt 5200 Quadratmeter Fläche zu vergeben. Auch dort kommen sowohl Einzelkämpfer als auch Firmen unter, lässt sich ein einzelner Schreibtisch ab 12,50 pro Tag mieten.

„Co-Working ist auch für Konzerne spannend, die kurzfristig Platz für Projektgruppen suchen“, weiß Tobias Altenbeck vom Immobilienbüro Brockhoff & Partner, das die ehemalige Schenker-Zentrale vermarktet hat. Anderthalb Jahre lang stand das gläserne Gebäude an der Kreuzung Martinstraße leer. Das neben Ankermietern wie dem TÜV Rheinland und der Lokführerschule MEV dort gleich zwei Etagen für Co-Working umgebaut wurden, erklärt Altenbeck auch mit dem Zeitgeist: „Immer weniger Firmen lassen sich auf langfristige Mietverträge ein. Stattdessen werden schnelle Lösungen gesucht.“

Für den Vermieter berge Co-Working ein geringes Risiko, da die Mietlast auf vielen Schultern verteilt werde.

Beim Umbau des Schenker-Hauses wurden auch vorhandene Büroflächen genutzt. „Es werden auch klassische Einzel- und Großraumbüros angeboten“, sagt Altenbeck. Hingucker für alle Mieter ist die 15 Meter hohe Pflanzwand im gläsernen Foyer des Gebäudes, die nach eigenen Angaben die größte in Deutschland ist.

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