Rot-Weiss Essen

Catenaccio 07: André Schubert ist RWE-Blogger – und Optimist

Hätte nichts dagegen, wenn RWE zum Auftakt in Wiedenbrück „dreckig gewinnt“: Blogger André Schubert.

Hätte nichts dagegen, wenn RWE zum Auftakt in Wiedenbrück „dreckig gewinnt“: Blogger André Schubert.

Essen.   Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen startet am Sonntag in die neue Saison. Auch Blogger André Schubert ist dann wieder auf Ballhöhe. Warum er auch diesmal wieder optimistisch ist.

André Schubert ist RWE-Fan und Blogger. Im Internet schreibt er regelmäßig über seinen Verein. „Catenaccio 07“ heißt sein Blog. Unsere Zeitung traf den 44-Jährigen vor dem ersten Spiel der neuen Saison zum Gespräch übers Fan-Sein, über enttäuschte Zuneigung und über unverbesserlichen Optimismus.

Herr Schubert, in Ihrem Blog habe ich gelesen, Sie seien Optimist. Das dürfte Sie von 99 Prozent der RWE-Fans unterscheiden. Als Fan von Rot-Weiss Essen neigt man doch eher zu Pessimismus mit einem Hang zum Fatalismus.

André Schubert: Fatalismus, ja. Das unterschreibe ich blanko. Der RWE-Fan ist vorsichtig geworden, weil er gelernt hat, dass zu großer Optimismus schnell einen Schlag auf die Fresse nach sich ziehen kann. Aber ja, ich bin optimistisch. Das bin ich vor jeder Saison. Ich könnte mir selbst dafür manchmal ins Gesicht schlagen.

Ihr Blogger-Kollege Uwe Strootmann schreibt auf „Im Schatten der Tribüne“: „Nach drei, vier Spieltagen weiß man als RWE-Fan dann: Das wird wieder nichts.“

Schubert: Ja, und wenn die Mannschaft drei Mal hintereinander nicht gewinnt, hängt gleich der Haussegen schief.

Wie sind Sie dazu gekommen, ein Blog über RWE zu schreiben?

Schubert: Ich habe immer schon gerne geschrieben. Vor 20 Jahren waren es Gedichte an Frauen. Was man eben so schreibt als gelangweilter junger Mann. Irgendwann dachte ich mir, ein Verein wie Rot-Weiss Essen, auch wenn er nur in der vierten Liga spielt, sollte mehr haben als nur einen Blog.

Sie sind also die zweite Meinung?

Schubert: Ein Blog ist immer subjektiv. Sonst kann man ja gleich die Zeitung lesen. Ich versuche das Ganze mit Humor zu sehen, mit Ironie, aber auch schon mal mit Sarkasmus.

Das kommt an.

Schubert: Ich dachte anfangs, wenn das 100 Leute lesen, freust du dich. Inzwischen habe ich Follower in 102 Ländern. Letztens war einer aus Dubai darunter. Auf Mauritius hatte ich auch schon einen Leser. Das war bestimmt ein RWE-Fan auf Fernreise.

RWE ist eben eine Marke, würde Vorstand Michael Welling sagen. RWE-Fans sind treu, neigen aber zu Extremen: Woher kommt dieses rasend schnelle „Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt“?

Schubert: Die Leute sind ungeduldig. Sie wollen endlich raus aus dieser Schweineliga, wurden in der jüngeren Vergangenheit aber immer wieder enttäuscht. Das frustriert.

Wann fing für Sie die jüngere Vergangenheit an?

Schubert: 2008 nach dem Spiel gegen Lübeck ...

... als RWE die Zugehörigkeit zur dritten Liga fahrlässig verspielte.

Schubert: Das war der Supergau. Nach dem Spiel habe ich geweint und mich erstmal verabschiedet von RWE. Ich hatte einfach den Kaffee auf. Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis ich wieder ins Stadion gegangen bin.

Was war das dann für ein Gefühl?

Schubert: Ein Gefühl, wie wenn man eine Ex-Freundin auf einen Kaffee trifft. Ich empfand große Zuneigung und ein latentes Gefühl von Abhängigkeit. Dieses Gefühl hält an.

Sportlich betrachtet, wird diese Zuneigung nicht immer erwidert.

Schubert: Das ist leider wahr. Viel wichtiger ist aber, dass der Verein in ruhigem Fahrwasser schwimmt, seit Michael Welling am Ruder steht. Finanziell wird solide gearbeitet, die Außendarstellung ist prima. Das war ja nicht immer so.

Erfährt RWE in der Stadt genügend Unterstützung?

Schubert: Der Zuspruch ist da. Von der Zuschauerzahl träumt mancher Zweitligist. Und sollte RWE nach fünf Spielen 15 Punkte auf dem Konto haben, ist die Zahl auch schnell wieder fünfstellig. Was die Unterstützung aus der Wirtschaft angeht, hat schon Otto Rehhagel richtig gesagt: ,Mit denen in den großen Türmen hat RWE es sich leider verscherzt.’ Aber die Türen sind ja nicht zu. Damit mehr kommt von den großen Konzernen, müssten wir raus aus der Regionalliga.

Jetzt setzt sich RWE hohe Ziele, will in spätestens drei Jahren hoch in Liga drei. Wer hoch hinaus will, kann tief fallen.

Schubert: Das haben wir letzte Saison gesehen. Da wollten wir oben mitspielen und wären fast in der Oberliga gelandet. Nicht auszudenken. Dann wäre einiges zusammengebrochen. RWE geht jetzt in die sechste Regionalliga-Saison. Ich finde gut, dass der Verein klar formuliert: Zack, ich will das, ich will nach oben. Ob’s dann klappt, ist eine andere Frage.

Warum haben Sie Ihren Blog eigentlich „Catenaccio 07“ genannt? Catenaccio steht nicht gerade für schönen Fußball, den die Fans an der Hafenstraße sehen wollen.

Schubert: Auch ich will schönen Fußball sehen. Aber ich bin auch ein Fan des italienischen Fußballs: Ein Tor schießen, hinten dicht machen und kurz vor Schluss einen Konter setzten. Wenn wir Sonntag in Wiedenbrück dreckig gewinnen – warum nicht. Außerdem hört Catenaccio sich gut an. 07 dahinter, das passt.

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