Byfanger Straße

Byfanger Straße: OB sieht keine Chance für Tempo 30

Sie sind enttäuscht und wütend: Diese Anwohner der Byfanger Straße haben, wie insgesamt fast 650 Bürger, eine Petition für mehr Sicherheit auf der Byfanger Straße unterschrieben – ändern soll sich vorerst aber kaum etwas.

Sie sind enttäuscht und wütend: Diese Anwohner der Byfanger Straße haben, wie insgesamt fast 650 Bürger, eine Petition für mehr Sicherheit auf der Byfanger Straße unterschrieben – ändern soll sich vorerst aber kaum etwas.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Kupferdreh.   Mehr Sicherheit auf der Byfanger Straße: Die Petition unterschrieben 650 Bürger nach einem schweren Unfall. Nun antwortet der Oberbürgermeister.

Zu der Sorge wegen der gefährlichen Situationen auf der Byfanger Straße, mischen sich jetzt Enttäuschung und Wut bei den Anwohnern. Sie kämpfen seit langem für mehr Sicherheit auf dem Abschnitt zwischen Hinsbecker Berg und Engelssiepen, haben nach einem schweren Unfall im Vorjahr Unterschriften gesammelt und an den Oberbürgermeister übergeben. Dieser sieht nach einer erneuten Überprüfung der Lage jedoch keine Chance für das geforderte Tempo 30.

„Herr Kufen stellt sich in vollem Umfang hinter die Verwaltung, keine der Maßnahmen wird auch nur im Ansatz erwogen. Die Argumente sind die alt bekannten und oft genug widerlegten. Ich bin maßlos enttäuscht“, lautet etwa die Reaktion von Michael Meyer, der als Anwohner rund 650 Unterschriften übergeben hatte. Zudem wissen die Kupferdreher die Bezirksvertreter hinter sich, die das Thema seit Jahren immer wieder angehen – bislang ebenfalls erfolglos.

Statistik weist keine Unfallhäufung auf

Auch im aktuellen Schreiben aus dem Rathaus heißt es ein weiteres Mal, es fehle eine Rechtsgrundlage, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Die Byfanger Straße sei eine Hauptverkehrsstraße, auf diesen sei die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h festgelegt. Um das zu ändern, bedürfe es einer überdurchschnittlichen Unfallhäufung, die sich aus der Statistik von 2014 bis 2019 nicht ergebe. Zudem sei die Straße normal ausgebaut, habe Gehwege und keine schützenswerten Einrichtungen wie Schulen, Kitas oder Altenheime.

Eine wiederholte Ablehnung gibt es für einen Zebrastreifen und die Rechts-Vor-Links- Regel, die es durchaus bereits gab. Der OB weist erneut auf die Bedenken der Ruhrbahn hin, die um die Einhaltung ihres Fahrplanes sowie um die Sicherheit der Fahrgäste fürchtet, wenn der Bus wegen der Vorfahrtsregel abbremsen müsse. Eine Temporeduzierung könne sich ab Juni erfahrungsgemäß ergeben, wenn der Bus häufiger fahren und eine weitere Haltestelle eingerichtet werde, macht Thomas Kufen dann doch ein wenig Hoffnung.Versprochen hatte er ohnehin nichts.

Oberbürgermeister dankt für das Engagement

Den Dank des Oberbürgermeisters für das Engagement empfindet mancher an der Byfanger Straße jedoch als Hohn („Das bringt uns gar nichts“). Das Schreiben lässt sie daher fassungslos zurück, auch wenn einige diese Antwort befürchtet hatten. „Auf der Dilldorfer Straße gilt doch auch Tempo 30“, sagt etwa Dieter Eisenack (70) kopfschüttelnd. Ihm fallen weitere Beispiele von Hauptstraßen in Mülheim oder in Hattingen ein: „Diese Logik passt einfach nicht.“ Ohnehin würden zahlreiche Autos schneller als 50 fahren, und die vom OB beschriebenen Verkehrskontrollen beträfen nicht den benannten Abschnitt, sagen die Anwohner.

In Kupferdreh hätten ihnen inzwischen einige Politiker signalisiert, dass man die genannten Rechtsvorschriften durchaus anders auslegen könne, ergänzt Michael Meyer. „Denn die Umgebung hier hat sich immer mehr zu einem kinderreichen Viertel entwickelt, so dass die Byfanger Straße inzwischen zum Schulweg vieler Mädchen und Jungen zählt“, erklärte er auch dem Oberbürgermeister. Die Situation spitze sich oft zu, da zu der recht hohen Geschwindigkeit der Fahrzeuge die unübersichtliche Lage durch geparkte Autos und den Alleecharakter der Straße kämen. Das Queren sei für Kinder und für Senioren oftmals gefährlich.

Durchgangsverkehr und überhöhte Geschwindigkeit

„Zwischen 7 und 9 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr ist hier Rush-Hour“, beschreibt Anwohner Thomas Hüser, da es regen Durchgangsverkehr aus Richtung Hattingen gebe. Der Familienvater hat seinen Nachwuchs in jüngeren Jahren zum Bus gebracht und wieder abgeholt. Jetzt hat er ein Bobbycar an einem Baum aufgehängt – als Hinweis auf die vielen Kinder, aber auch ein wenig aus Verzweiflung: „Die Stadt will doch Lärm und Gefahren senken, ich verstehe überhaupt nicht, warum niemand reagiert. Sollen wir hier auf den nächsten Unfall warten“, fragt er.

Am 19. Oktober 2018 war es die Freundin von Elke Wickert (61), die etwas

aus ihrem Auto hat holen wollen. Beim Queren der Straße wurde sie von einem Fahrzeug erfasst und lebensgefährlich verletzt. „Es geht ihr immer noch sehr schlecht, und die Aussichten sind nicht gut“, erzählt Elke Wickert von ihren regelmäßigen Besuchen. Vier Jahre zuvor sei eine Schülerin angefahren worden. „Sie hatte mehr Glück und wurde leicht verletzt“, sagt Michael Meyer. Er hat mit seinen Nachbarn nun wieder Kontakt zur Politik aufgenommen. Denn ans Aufgeben denkt an der Byfanger Straße ohnehin niemand: „Dafür ist unser Anliegen viel zu wichtig.“

>>ZWEI ANTRÄGE AUS DER POLITIK ZUR BYFANGER STRASSE

  • Zuletzt beschäftigte sich die Bezirksvertretung zum Thema Byfanger Straße mit zwei Anträgen der SPD: Die Politiker forderten die Stadt auf zu prüfen, ob Busfahrer verpflichtet werden könnten, an der Haltestelle Marienbergstraße (hier geschah der schwere Unfall) die Warnblinkanlage einzuschalten, damit vorbeifahrende Fahrzeuge im Schritttempo passieren müssten.
  • Diese Option werde von der Ruhrbahn befürwortet – allerdings an der neuen Haltestelle Grotestraße, heißt es nun im Schreiben des Oberbürgermeisters.
  • Ein weiterer Vorschlag der Bezirksvertreter ist eine Baustellenampel, wenn im kommenden Frühjahr mit zusätzlichem Verkehr zu rechnen sein wird, da die Stadtwerke auf der Kupferdreher Straße eine Großbaustelle einrichten. Diese Ampel soll das Queren der Byfanger Straße erleichtern. Das Ergebnis des Antrags steht noch aus.
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