Bundestverdienstkreuz

Bundesverdienstkreuz für ehrenamtliche Ballettlehrerin

Sie hat zahllosen Kindern das Tanzen beigebracht – ehrenamtlich: Edeltrud Weiß beim Unterricht mit einer ihrer vier Ballettgruppen, die regelmäßig im Bodelschwingh-Haus der evangelischen Kirchengemeinde Freisenbruch-Horst-Eiberg üben.

Sie hat zahllosen Kindern das Tanzen beigebracht – ehrenamtlich: Edeltrud Weiß beim Unterricht mit einer ihrer vier Ballettgruppen, die regelmäßig im Bodelschwingh-Haus der evangelischen Kirchengemeinde Freisenbruch-Horst-Eiberg üben.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Freisenbruch.   Edeltrud Weiß (84) gibt Kindern seit vier Jahrzehnten ehrenamtlich Tanzunterricht. Für den Einsatz erhielt die Freisenbrucherin den Orden.

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„Ich doch nicht“, rief Edeltrud Weiß in den Telefonhörer, als ihr am Ende der Leitung eine freundliche Stimme erklärte, dass sie das Bundesverdienstkreuz erhalte. „Ein Scherzanruf, dachte ich zunächst“, erinnert sich die 84-Jährige. Inzwischen hält sie die Auszeichnung in Händen: für ihr jahrzehntelanges Engagement im sozialen und kulturellen Bereich. Denn die Freisenbrucherin gibt seit 1976 Kindern ehrenamtlich Ballettunterricht.

Angefangen hat ihr Einsatz im Bürgerhaus Oststadt, das damals gerade fertiggestellt wurde. Edeltrud Weiß war mit ihren kleinen Tänzern eine der ersten, die die Räume am Schultenweg nutzte. Sie gründete auch das Steeler Kinder- und Jugendballett. Nach etwa zwei Jahren wechselte sie ins Bodelschwingh-Haus der evangelischen Gemeinde, wo sie bis heute in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist.

Auftritte in Seniorenheimen

Vier Gruppen unterrichtet sie, die jüngsten Kinder sind vier Jahre alt. Unter den älteren ist so manche Mutter, die als Kind Unterricht bei Edeltrud Weiß nahm und nun mit dem eigenen Nachwuchs kommt. Die 84-Jährige bringt ihren Schülern Schritte und Choreografien bei, mit denen sie etwa in Seniorenheimen auftreten. Sie organisiert aber auch Weihnachtsfeste, Osterfeiern und den jährlichen Ausflug.

Einst stand Edeltrud Weiß selbst auf der Bühne, studierte die gelernte Erzieherin doch Musik und Tanz, auch an der Folkwang Universität, und gehörte zum Ensemble am Gelsenkirchener Theater. Eine schwere Krebserkrankung war es dann, die den Lebensweg der Freisenbrucherin schlagartig veränderte. „Es war ein halbes Jahr nach meiner Hochzeit“, erinnert sie sich an den Schicksalsschlag, der eigene Kinder für das Paar und für die Tänzerin die Rückkehr auf die Bühne ausschloss.

Als Ballettlehrerin fand sie aber eine Aufgabe, mit der sie ihre Leidenschaft an die Kinder weitergeben kann. Genau das tut sie nun seit vier Jahrzehnten unermüdlich, unterrichtet, übt Tanzschritte, motiviert und nimmt einfach in den Arm, wenn es mal mit der Sprache nicht so gut klappt. Denn die Tänzer kommen nicht nur aus verschiedenen Stadtteilen, sondern auch aus Familien ganz unterschiedlicher Nationalitäten. „Zuletzt meldeten Eltern ihre Töchter an, die gerade vor 14 Tagen aus Syrien nach Essen gekommen sind“, berichtet Edeltrud Weiß, die mit ihrem Ehemann Horst viele Länder und auch Regionen in Deutschland bereist hat. In Essen hat ihr Mann vor allem oftmals die Kinder zu Auftritten gefahren.

Die Kostüme dafür näht die 84-Jährige. „Außer die Tutus mit dem vielen Tüll“, sagt sie lächelnd. Für ihren unglaublichen Einsatz rund um das Kinderballett ist Edeltrud Weiß 2007 als „Heldin des Alltags“ ausgezeichnet worden. Sie ist vor allem dankbar dafür, eine Aufgabe gefunden zu haben, die sie erfüllt. „Die Kinder sollen keine Balletttänzer werden, sondern Spaß an der Bewegung haben“, sagt sie.

Für die Freisenbrucherin zählen zu den schönen Augenblicken die Auftritten in den Seniorenheimen, wenn plötzlich ganz stille Bewohner lächeln und im Takt mitklatschen. Eine Begeisterung, die Edeltrud Weiß sehr gut nachempfinden kann. Sie selbst halte es kaum aus, wenn es mal eine Pause beim Ballettunterricht gebe, gesteht sie schmunzelnd. Fragt man sie nach ihrem Wunsch, sagt sie bescheiden: „So wie es ist, darf es gern ein bisschen weitergehen.“

>>EHEMALIGEN-TREFFEN AM 21. APRIL

Bei einem Empfang hoch oben im Rathaus überreichte Oberbürgermeister Thomas Kufen stellvertretend für den Bundespräsidenten die Auszeichnung an Edeltrud Weiß.

Am Samstag, 21. April, gibt es ein Treffen aller ehemaligen Teilnehmer an den Ballettkursen von Edeltrud Weiß, die sich sehr freut, ihre Schützlinge wiederzusehen: ab 15 Uhr im Bodelschwingh-Haus, Jaspersweg 14, in Freisenbruch.

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