Essen packt an

Bürgerinitiative „Essen packt an“ steckt in Existenzkrise

Ein Bild aus guten Tagen: Im Oktober 2015, wenige Monate nach der Gründung von „Essen packt an“, nimmt Markus Pajonk von Oberbürgermeister Thomas Kufen den „Essener Solidaritäts

Ein Bild aus guten Tagen: Im Oktober 2015, wenige Monate nach der Gründung von „Essen packt an“, nimmt Markus Pajonk von Oberbürgermeister Thomas Kufen den „Essener Solidaritäts

Foto: Stefan Arend

Essen.   Markus Pajonk, Sprecher des Freiwilligen-Verbands „Essen packt an“, zieht sich zurück und spricht von „Verwerfungen und Machtkämpfen“.

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Die Freiwilligen-Initiative „Essen packt an!“ (EPA) steckt wegen schwerer interner Auseinandersetzungen in einer existentiellen Krise. Markus Pajonk, der langjährige Sprecher und Motor der Gruppe, zieht sich von wichtigen Führungsaufgaben zurück. „Es gibt Verwerfungen und Machtkämpfe“, begründet er seinen Rückzug.

Vor gut vier Jahren – nach dem verheerenden Pfingststurm „Ela“ – sorgte EPA in Essen für Furore. Vier junge Leute um EPA-Gründer Tobias Becker hatten im sozialen Netzwerk spontan eine Plattform geschaffen, über die in allen Stadtvierteln wertvolle Nachbarschaftshilfe vermittelt und gebündelt wurde. Die Facebook-Plattform mobilisierte zeitweilig mehr als 1000 Menschen, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich und kostenlos mit anpackten und – sogar mit Kettensägen ausgerüstet – schwere Orkanschäden rasch beseitigten. Markus Pajonk hat im Frühsommer 2015 sehr früh Organisations- und Sprecheraufgaben in der Initiative übernommen.

Später konzentrierte „Essen packt an!“ sein Engagement auf die Hilfe obdachloser Menschen in Essen. In der kalten Jahreszeit zogen freiwillige Helfer mit Suppen, warmen Getränken, Lebensmitteln und Kosmetika durch die Innenstadt, um bedürftige Menschen zu versorgen. „Bei der Obdachlosenhilfe hakt es jetzt erheblich“, sagt Markus Pajonk. Im Moment sei ungeklärt, wie sich „Essen packt an“ in Zukunft aufstellen will.

Diskussionsabend am 12. Oktober im Ruhrtropolis

Zuletzt seien die internen Streitigkeiten hauptsächlich über soziale Netzwerke und Facebook-Foren ausgetragen worden. Am 12. Oktober wird es im Lokal „Ruhrtropolis“ einen Diskussionsabend geben, an dem die schwelenden Konflikte offen ausgetragen werden sollen. „Der erste und wichtigste Tagesordnungspunkt lautet: Umgang miteinander“, sagt Markus Pajonk.

Obwohl Markus Pajonk lange Jahre eine Art Vorsitzender und Schatzmeister war, sei die Freiwilligen-Initiative auf dem Papier stets ein loser Verband geblieben. So ist EPA beispielsweise nie als „e. V.“ ins Vereinsregister eingetragen worden. Auch dieses ungeklärte Statut sorgt für Konflikte.

Der harte Kern von EPA bestehe zurzeit aus 20 Personen. Pajonk räumt ein, dass die Initiative Helfer verloren habe. Trotzdem hat man immer wieder versucht, den Geist der stürmischen Gründertage wiederzubeleben. Im Sommer während der großen Dürre haben rund 20 Helfer in Absprache mit Grün & Gruga Bäume gewässert, zum Beispiel im Krupp-Park und in der Grünen Mitte. „Auch beim Christopher-Street-Day waren wir im Einsatz“, so Pajonk. Um das Spektakel zu schützen habe man ähnlich wie bei den Terrorsperren für den Weihnachtsmarkt Seile gespannt und Straßen abgesperrt.

„Die Drecks-Arbeit bleibt auf wenigen liegen“

Auf der Facebook-Seite von „Essen packt an!“ gibt es Kommentare von auswärtigen Gruppen, die den Niedergang von „Essen packt an“ mit Entsetzen verfolgen.. „Liebes EPA-Team, bin schockiert. Was passiert gerade bei Euch?“ schreibt etwa der Koordinator der „Helferfreunde Frankfurt“. Und fügt hinzu: „Ich habe Euch als Vorbild!!! Bitte reißt Euch zusammen und leistest wieder tolle Hilfe.“

Darauf antwortet Markus Pajonk: „Die „Drecks“-Arbeit bleibt auf wenigen liegen. EPA soll massiv verändert werden. Weg von Spontaneität, Impulsivität und Dynamik. Leider zu meinem Bedauern.“

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