Grünpflege

Essener Bürger und Politiker klagen über Wildwuchs

Spaziergänger empfinden inzwischen manche Stellen etwa nahe des Baldeneysees in Heisingen als Dschungel, durch den sie sich schlängeln müssen.

Foto: Sag

Spaziergänger empfinden inzwischen manche Stellen etwa nahe des Baldeneysees in Heisingen als Dschungel, durch den sie sich schlängeln müssen. Foto: Sag

Essen.  Klagen über ungepflegte Wege, Bänke und Parks mehren sich aus den Stadtteilen. Stadt begründet Pflegerückstände mit Witterung und Einsparungen.

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Ob Spazierwege, Bänke oder Parks: „Alles wuchert zu“, klagen derzeit viele Bürger und einige Politiker fragen, warum die Grünpflege offensichtlich stockt. Beschwerden kommen aus zahlreichen Stadtteilen und mehren sich auch bei Grün und Gruga, bestätigt die Stadttochter und begründet die Zustände mit extremer Witterung, wachsenden Aufgaben und knappen Ressourcen.

Zu übersehen ist der Wildwuchs vielerorts nicht mehr: „Der Weg vom Wehr Richtung Werden ist eine Katastrophe“, beschreibt Fritz Junghans, der oft von Kupferdreh um den See radelt. Er spricht von Wurzeln, die Wege demoliert hätten, und vom miserablen Baum- bzw. Strauchschnitt, so dass entgegenkommende Radfahrer ans Geländer ausweichen müssten, damit nicht einer in Brennnesseln und Brombeeren lande. „Hier ist dringender Handlungsbedarf.“

Bürgerschaft kümmert sich selbst um Pflanzenschnitt

In Kupferdreh haben jüngst Freiwillige eines Bürgerschafts-Arbeitskreises selbst Pflanzen beschnitten, „da Grün und Gruga schon Probleme mit dem rechtzeitigen Rasenschnitt im Benderpark hatte“, sagt Arbeitskreis-Leiter Jürgen Gentzmer. Der Kupferdreher FDP-Ratsherr Hans-Peter Schöneweiß wiederum wundert sich über den einseitigen Rückschnitt des Straßenbegleitgrüns an der Bushaltestelle Asbachtal: „Die zugewucherten Bürgersteige ist schon lange ein Ärgernis an vielen Stellen im Stadtteil“, sagt er und fordert entsprechende Nacharbeiten, damit kein Fußgänger künftig mehr auf die Fahrbahn ausweichen müsse.

Über marode Bänke, die mit Brombeeren, Brennnesseln oder Bärenklau zuwuchern, klagen Bürger etwa in Borbeck und Überruhr. Andere ärgern sich über verwilderte Wege, in die dichte Hecken und Äste ragen, wie in Heisingen nahe des Baldeneysees. Im Rüttenscheider Haumannpark wächst zudem Gras schon rund einen halben Meter in den Fußweg hinein.

Witterung ist ein Grund für Pflegerückstand

Für die Pflegerückstände, die laut Grün und Gruga „im Einzelfall“

vorhanden sind, macht die Stadttochter etwa die große Frühjahrs-Hitze verantwortlich, auf die Wärme- und Feuchteperioden folgten. „Die Grünpflege erfolgte zeitverzögert und jetzt wuchert alles sehr schnell“, erklärt Stadtsprecherin Jasmin Trilling. Hinzu kämen wachsende Aufgaben, verursacht durch neue und alte Baumkrankheiten, Müll und Kanadagänse.

„Allgemein wirkt sich auch die knappe Personal- und Finanzausstattung aus“, heißt es. So seien bei den Sparmaßnahmen der Vorjahre betriebliche Abläufe und Strukturen verändert worden. Personal sei abgebaut, und die Pflegestandards an die finanzielle und personelle Ausstattung angepasst worden. Der Schwerpunkt liege nun vor allem in den repräsentativen Grünanlagen, auch Spielplätze und wichtige Verbindungen im grünen Wegenetz zählten hierzu. Bei allen anderen Grünanlagen sowie auf Waldflächen sehe der Standard hingegen vor, die Verkehrssicherheit und Nutzbarkeit zu erhalten.

Bezirksvertreter haben Anfragen an Stadt gestellt

Mit der Grünen Hauptstadt habe der Pflegerückstand indes nichts zu tun, dementiert Grün und Gruga eine Verlagerung der Einsätze und reagiert gleichzeitig mit Verständnis auf die Beschwerden: „Es ist nachvollziehbar, dass der Titel die Erwartungshaltung erzeugt, die Grünflächen 2017 in einem besonders gepflegten Zustand zu präsentieren.“

Möglicherweise wird der Wildwuchs bald auch den Oberbürgermeister beschäftigen, denn Jasmin Trilling bestätigt, dass bei der Stadt inzwischen Anfragen rund um die Grünpflege auch von den Bezirksvertretern eingegangen seien.

Ein Beispiel: Essener beobachtet seltener werdende Pflege im Stadtwald

Dreimal in der Woche ist Manfred Albers (79) auf der Laufstrecke in Stadtwald unterwegs – und inzwischen ziemlich genervt. Der Zustand der Wege sei teils katastrophal, die Brennnesseln wucherten die Wege zu, Grünpflege finde nur äußerst selten statt. Viele Bänke zur Frankenstraße hin seien nicht mehr nutzbar, die Planken der Sitzflächen teils zerstört oder vermoost. Brennnesseln und anderes Unkraut bahnten sich ihren Weg durch die Sitzflächen, das Umfeld der Bänke sei verwildert. Die Zerstörungen haben nach Ansicht Albers’ ihren Ursprung in mangelnder Pflege, nicht in Vandalismus: „Die Bänke sollten sie doch gerade älteren Menschen eine Möglichkeit geben, auszuruhen.“

Der Heisinger läuft seit 50 Jahren im Stadtwald. „Das ist der bekannteste Lauftreff Essens, der von vielen Menschen täglich genutzt wird. So, wie es hier aussieht, ist das kein Aushängeschild für Essen, schon gar nicht im Jahr der Grünen Hauptstadt“, ärgert er sich. Selbst wenn mal eine Pflegekolonne die Wegränder mähe, spare man offenbar das Umfeld der Bänke aus. An anderer Stelle liege der Grünschnitt und verdorre. Albers erinnert sich an Zeiten unter Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger (1999 bis 2009). Damals sei die Strecke erneuert und in einen guten Zustand gebracht worden.

Inzwischen betrage die Durchgangsbreite stellenweise nur noch einen Meter. „Ein bisschen Pflege würde schon helfen. Mir ist bewusst, dass es sich hier um Wald und nicht um einen Park handelt“, sagt der Bürger. Dabei sieht er nicht allein die Stadt beziehungsweise deren Tochter Grün und Gruga in der Pflicht: „Für mich stellt sich natürlich die Frage, warum die zahlreichen Vereine zwar Lauftreffs veranstalten, sich aber nicht um den Zustand der Strecke kümmern“, sagt er und fügt einen weiteren Missstand hinzu: „Einige Schäden im Wald sind noch Folgen des Sturmtiefs Ela. Durch den Abtransport der Bäume mit schwerem Gerät wurden die Haupttrassen massiv beschädigt.“

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