Stadtteilplanung

Bürger planen für schöne, sichere und lebenswerte Stadtteile

Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung in Kupferdreh: v. li. Dominik, Jakob, Jörg Friemel, Maurizio, Klaudia Theisz und Mats planen für ihren Stadtteil in der Aula der Hinsbeckschule.

Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligung in Kupferdreh: v. li. Dominik, Jakob, Jörg Friemel, Maurizio, Klaudia Theisz und Mats planen für ihren Stadtteil in der Aula der Hinsbeckschule.

Foto: Socrates Tassos

Essen.  Kinder, Erwachsene, Laien und Profis: Beim Projekt Stadtteilhabe geht es um Kupferdreh und Bergeborbeck. Bürger werden zu Quartiers-Planern.

Neue Wege gehen derzeit Stadt und Planer: Beim Projekt „Stadtteilhabe“ auf Initiative der Ingenieurkammer-Bau NRW dürfen sich die Menschen in Kupferdreh und Bergeborbeck aktiv in die Gestaltung ihres Stadtteils einbringen. Rund 120 Kinder und Erwachsene sind dem Aufruf gefolgt. Zum Auftakt des Planungs-Experiments trafen sich alle in der Hinsbeckschule in Kupferdreh, um die Welt ein klein wenig schöner, sicherer und lebenswerter zu machen.

Projektleiter Georg Wiemann ist aus Münster angereist und erklärt: „Es geht hier nicht darum, einfach Planungsideen zu produzieren, sondern um den gezielten Austausch unseres Fachwissens und dem Nutzerwissen der Menschen vor Ort.“ Am Ende sollen die Bürger selbst den Planungsentwurf erarbeiten.

Es gibt etliche Regeln und Richtlinien zu beachten

Deshalb lernen die Laien-Planer, wie Planung funktioniert. „Ein Planer macht sich zuerst ein Bild vom Plangebiet und den Problemen vor Ort“, liefert Wiemann die Kurzfassung. Später geben die Fachleute ihren Schülern die Hilfsmittel an die Hand, die auch ein Profiplaner braucht, um seine Ideen umzusetzen, denn es gibt etliche Regeln und Richtlinien zu beachten.

Thomas Lubos, dessen Enkel Tom (10) für die Hinsbeckschule plant, ist selbst vom Fach: „Ich habe 30 Jahre lang Ampelschaltungen entworfen.“ Die Vorträge findet er ziemlich anstrengend, aber das Gesamtkonzept („Man ist sehr nah dran“) überzeugt. Auch, weil die Inhalte unterhaltsam an zwei Beispielen direkt vor der eigenen Haustür verdeutlicht werden.

„Hilfe, ich brauche viel Platz“

„Wir haben in Absprache mit der Stadt, der Kupferdreher Bürgerschaft und der Initiative Bigwam aus Bergeborbeck zwei Gebiete ausgewählt, bei denen auch Planungsbedarf besteht“, sagt Wiemann. „Von daher ist die Chance da, dass die Planungen später auch realisiert werden.“ In Rellinghausen wurde bereits bei der Aktion „Kinderwege in der Stadt“, damals unter Schirmherrschaft des NRW-Bauministeriums, ähnlich verfahren. Dort planten Schüler erfolgreich den Umbau eines Teils der Frankenstraße.

In Kupferdreh stürmt Maurizio aus dem Vortragssaal. Der Neunjährige besucht die dritte Klasse der Josefschule, ist einer von zehn Kindern, die sich ab sofort „Jole-Planer“ nennen dürfen. „Die Nachfrage war deutlich größer“, sagt Schulleiterin Klaudia Theisz. Mit seiner gelben Warnweste sieht Maurizio wie ein echter Profi aus, zeigt aufgeregt seine Notizen: „Hilfe, ich brauche viel Platz“, steht da unter anderem. Daneben hat er einen Baum gemalt. Auch Jakob (10) hat bereits klare Vorstellungen, was sich in Kupferdreh an der Kreuzung Byfanger- und Schwermannstraße ändern muss: „Es gibt zu wenige Radwege. Das ist hier nicht sicher genug.“ Im Benderpark, der zum Plangebiet gehört, wünscht er sich einen Fahrradständer. „Wir wollen uns ab jetzt einmal pro Woche treffen, um zu planen“, verspricht Klaudia Theisz.

Erfahrungspark mit insgesamt 17 Stationen

Der Theorie folgt der Erfahrungspark mit 17 Stationen in der Schulaula und im benachbarten Gemeindehaus. Die Neuplaner erhalten einen Laufzettel mit Pflichtstationen wie „Ampelschaltung simulieren“, „Wege einzeichnen“ und „Pläne malen“. Auch eine Fitness-Station und ein „Blinden-Leitsystem“ zum Ausprobieren gibt es. Nico wagt eine Fahrt im Rollstuhl über eine steile Rampe. Der 16-Jährige gehört zu einer von zwei Gruppen des Don-Bosco-Gymnasiums und wird sich mit dem zweiten Plangebiet an der Germania- und Haus-Berge-Straße beschäftigen. Eine lange Straße, vierspurig, mit Straßenbahn in der Mitte. „Die Straße müssen viele Leute überqueren, auch Behinderte. Da kann ich diese Erfahrung gut gebrauchen.“

Im nahen Benderpark schwirren Drohnen durch die Luft. „Sie werden

immer häufiger zur Luftbildvermessung benutzt“, erklärt Ingo Hemkensamtenschnieder. Ähnlich spektakulär wie sein Name ist sein Arbeitstempo: „Wo früher drei Vermesser drei Wochen unterwegs waren, brauchen wir heute als Duo drei Tage.“

>>SO GEHT ES IM PROJEKT STADTTEILHABE WEITER

Nach dem Auftakttag in Kupferdreh arbeiten die 14 Gruppen selbstständig an ihren Ideen und Entwürfen. Am 12. Mai besuchen die Ingenieure nochmals die Teams in den Stadtteilen (über Ort und Zeit wird terminnah informiert), um Fragen zu beantworten und Tipps zu geben.

Am 13. und 14. September dürfen alle Teams ihre Planungsentwürfe auf der Fachtagung „Stadtteilhabe“ im Ruhrturm, Huttropstraße 60, ausstellen. Einige Tage zuvor können die Gruppen ihre Arbeiten im Internet (www.stadtteilhabe.de) publik machen. Eine Fachjury wird dazu ihr Urteil abgeben. Die Sieger und Platzierten beider Plangebiete in Kupferdreh und Bergeborbeck erhalten je 500, 400 und 300 Euro. Die Gelder dürfen frei verwendet werden.

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