WAZ-Mobil

Bürger fordern mehr Offenheit und Infos bei Baumfällungen

Bürger und Umweltschützer diskutierten am WAZ-Mobil in Holsterhausen mit Vertretern von Grün & Gruga über das Thema Baumfällungen.

Foto: Kerstin Kokoska

Bürger und Umweltschützer diskutierten am WAZ-Mobil in Holsterhausen mit Vertretern von Grün & Gruga über das Thema Baumfällungen. Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Holsterhausen.   Mehr Mitsprache und bessere Vorab-Informationen rund um das sensible Thema Bäume waren zentrale Punkte an unserem WAZ-Mobil in Holsterhausen.

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Das Thema Baumfällungen sensibilisiert die Essener schon lange: Im Jahr der Grünen Hauptstadt sorgen Nachrichten von Fällungen aber umso mehr für Zündstoff. Mit unserem WAZ-Mobil haben wir am Donnerstag Station in Holsterhausen gemacht.

Hans-Joachim Augustin, Chef von Grün & Gruga, und der Baumsachverständige Arne Thun standen Rede und Antwort. Dabei liegen Bürgern und Vertretern von Umweltverbänden einige Punkte besonders am Herzen.

Mangelnde Kommunikation

Vor allem die mangelnde Kommunikation wurde kritisiert. Matthias Görgen vom Waldschutz Essen: „Auch heute kreisen an der Margarethenhöhe die Kettensägen und niemand weiß, was da passiert.“ Hans-Joachim Augustin versprach, nachzubessern: „Ein Beispiel für ungünstige Kommunikation ist der Schlosspark Borbeck: Die Information gab es bereits im November, die Fällung erfolgte aber erst im März. Hier werden wir bald vorab nochmal informieren.“ Außerdem wolle er sich für ein System einsetzen, das darüber aufklärt, wo, wann und warum gefällt wird.

Naturdenkmal Rellinghausen

Dass die Diskussion um die beschädigte Linde am alten Rathaus Rellinghausen noch nicht ausgestanden ist, wurde schnell deutlich. So verwies Arne Thun zwar erneut auf die von ihm attestierte Wurzelschädigung des Naturdenkmals. Herbert Rothe vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aber erwiderte, dass der Schaden sich nicht nachweisen lasse. Rolf Fliß nannte das Debakel „eine Verkettung unglücklicher Umstände durch Unterlassen und Nichtlesen“. Zurzeit prüfe das städtische Rechtsamt den Fall.

Hufelandstraße

Peter Kayser – Mitglied des Verkehrsclubs Deutschland und engagierter Baumschützer – forderte eine Erklärung für die jüngsten Fällungen an der Hufelandstraße: „Warum wurden alle Bäume gefällt? Ging es um mehr Parkplätze?“ Zwar waren trotz Anfrage keine Gesprächspartner vom zuständigen Amt für Straßen und Verkehr am WAZ-Mobil. Hans-Joachim Augustin aber beteuerte, dass die Bäume gefällt wurden, um die Straße sicherer zu machen. Welche und wie viele Bäume als Ersatz kommen, sei noch nicht abschließend geklärt.

Ersatzpflanzungen

Grünen-Ratsherr Rolf Fliß stellte fest, dass die Stadt bei den Ersatzpflanzungen kaum hinterher komme: „1000 Bäume müssen nachgepflanzt werden, aber bei Grün und Gruga ist das eine Aufgabe für drei Leute. Da haben wir uns kaputtgespart.“ Eine neue Baumschutzsatzung würde den Umgang mit Bäumen verbessern, glaubt Fliß: „Nur fehlten dafür zuletzt die politischen Mehrheiten.“

Auch die Frage, welche Arten von Bäumen nachgepflanzt werden, beschäftigte die Zuhörer: So kritisierte Sabine Rothe vom BUND, dass in der Kevelohstraße Kirschen mit kleiner Baumkrone die gefällten Linden ersetzen sollen. Hans-Joachim Augustin konterte mit dem Straßenkonzept: „In einer kleinen Anliegerstraße können wir keine großen Bäume nachpflanzen.“

Mehr Platz für Bäume

Cornelia Fitger vom BUND bedauert, dass Essen zu wenig Flächen für Bäume habe – und viele Bürger diese nicht wertschätzten: „Auf Baumbeeten liegt Sperrmüll. Außerdem sind literweise Hunde-Urin und im Winter Streusalz eine ungeheure Belastung, die die Bäume aushalten müssen.“ Der Sachverständige Arne Thun stimmte ihr zu: „Stadtbäume sind ungeheurem Stress ausgesetzt. Wenn sie laufen könnten, wären sie alle weg.“

Baumkrankheiten

Zuhörerin Elisabeth Klawitter war ihre große Trauer über den Verlust einiger alter Ahornbäume am Haumannplatz anzumerken: „Die waren so dick, die konnten zwei Männer nicht umfassen. Die haben Krieg und Stürme überstanden. Jetzt steht nur noch eine. Wie kann das sein?“, fragte sie entsetzt. Sachverständiger Arne Thun lieferte die Erklärung. So seien die Bäume krank und es schwinde ihr Holzkörper. Aus Sicherheitsgründen hätten sie gefällt werden müssen. Generell begünstige der Klimawandel den Befall mit Parasiten – vom Eschensterben bis hin zur Massaria trieben viele Krankheiten die Forstwirtschaft um.

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