Wohnungsbau

Vonovia modernisiert eine Siedlung in Dellwig ohne Proteste

Michael Klöpsch, Regionalbereichsleiter bei Vonovia, hört es natürlich gerne, dass sich Brigitte Bungard in der Siedlung recht wohl fühlt. Sie wohnt bereits seit fast 50 Jahren am Emscherblick.

Michael Klöpsch, Regionalbereichsleiter bei Vonovia, hört es natürlich gerne, dass sich Brigitte Bungard in der Siedlung recht wohl fühlt. Sie wohnt bereits seit fast 50 Jahren am Emscherblick.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Dellwig.  Seit 2016 modernisiert die Wohnungsgesellschaft Vonovia die Siedlung in Essen-Dellwig. Jetzt stehen die Arbeiten vor dem Abschluss.

Mit Baustellen ist Dellwig reichlich versorgt. Der Umbau des Barchembachs durch die Emschergenossenschaft und die Stadtwerke Essen belastet den Stadtteil seit Anfang 2018 bis an den Rand des Erträglichen. Dass die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia seit 2016 ebenfalls ein großes Modernisierungsprogramm durchgezogen hat, geriet dabei fast aus dem Blick.

Über sieben Millionen Euro hat das Bochumer Unternehmen seitdem in insgesamt 37 Gebäude mit 225 Wohnungen rund um die Ripshorster Straße und den Emscherblick investiert. Und das ohne öffentlich gewordene Beschwerden oder Klagen der Mieter.

Bereits 50 Jahre in der Siedlung in Essen-Dellwig

Seit 50 Jahren wohnt Brigitte Bungard am Escherblick, Ecke Ripshorster Straße. „Früher war das hier eine Vorzeigesiedlung“, erinnert sie sich. Obwohl die VEBA-Mieter damals noch mit Kohle- und Koksöfen heizten und die heiße Asche dann in die Eisentonne warfen. , doch samstags hätten sich die Männer getroffen und „malocht“, um die Siedlung sauber zu halten. Danach trafen sie sich unter der Kastanie auf ein Bier, erzählt Brigitte Bungard.

Mit den Zeiten hat sich auch das Bild der typischen Siedlungshäuser aus den 60er Jahren geändert. Waren sie früher grau und dunkel, so sind die Farben heute warm und hell, prangen die Hausnummern von den Fassaden, leuchten die weißen Balkone, die aber nicht alle neu sind. Die Gebäude wurden teilweise gedämmt, Heizungen erneuert und Fenster ausgetauscht. Die Hauseingänge wurden erneuert und die Treppenhäuser umgestaltet.

Mietergärten sind vom Balkon aus zu erreichen

Ungewöhnlich sind die Gärten, die sich einige Mieter von Erdgeschosswohnungen vor ihrem Balkon anlegen durften. Ein Blick durch die als Sichtblende dienende Hecke zeigt, wie gemütlich sie es sich dort machen können.

Was für Brigitte Bungard allerdings nichts wäre. „Ich möchte keinen Affenkäfig haben und nicht eingesperrt sein“, sagt sie resolut. Auf dem Rollrasen dürfte man ja noch nicht mal etwas pflanzen. Ihr ganzer Stolz sei dagegen die Blütenpracht auf ihrem Balkon, die sie in diesen Tagen vorbereitet.

„Wegen uns soll niemand wegziehen“

So wohl sie sich in ihren vier Wänden fühlt, sieht sie die Entwicklung der Siedlung mit gemischten Gefühlen. Denn es zögen zu viele Menschen dazu, „die keine Ordnung kennen“. Mit ihnen sei das Zusammenleben mitunter schwierig. Ein Zusammenhalt wie damals, als die Männer noch gemeinsam bei der Eisenbahn arbeiteten, gebe es heute nicht mehr.

Eine völlig andere Sicht auf die Siedlung hat weiter oben auf dem Emscherblick eine jüngere Nachbarin, die ihren Namen nicht nennen möchte: „Ich bin absichtlich wegen der Modernisierung hier hin gezogen, weil die Miete dadurch gestiegen ist. Ich hoffe nämlich, dass jetzt einige Leute wegziehen.“

Ein Gedanke, der Michael Klöpsch zusammenzucken lässt. „Wegen uns soll hier kein Mieter ausziehen“, versichert der 50-jährige Regionalbereichsleiter der Vonovia, der 85 Mitarbeiter in seiner Abteilung hat. „Denn jeder Mieterwechsel kostet Geld.“

Deshalb gehe Vonovia inzwischen auf die Bewohner zu, wenn Modernisierungen anstehen. „Denn wenn ich was mache, was den Mietern nicht passt, dann ziehen sie aus“, weiß er nach 21 Jahren im Unternehmen. In diesem Punkt werde bei Vonovia inzwischen neu gedacht. „Es hat einen Anstoß gebraucht, das will ich gerne zugeben“, sagt Michael Klöpsch.

Durchschnittsmiete stieg um 1 Euro pro Quadratmeter

In Dellwig liegt die durchschnittliche Miete heute bei 6,72 Euro pro Quadratmeter, teilt Vonovia mit. Für die in den letzten beiden Jahren modernisierten Wohnungen habe sie zuvor 5,73 Euro/m2 betragen. „Wir wollen, dass sich unsere Mieterinnen und Mieter keine Existenzsorgen wegen steigender Mieten machen müssen. Erst recht wollen wir nicht, dass sie ihr Zuhause bei uns verlieren“, versichert Michael Klöpsch. Vier Mieter hätten sich gemeldet, die als Härtefall eingestuft werden wollten. Daraufhin sei bei einem Kunden, so meldet Vonovia, auf die Mieterhöhung komplett verzichtet worden, bei einem anderen habe es eine Reduzierung von 57 auf 20 Euro gegeben. Ein dritter Kunde habe keine Unterlagen eingereicht, und ein vierter habe ein zu hohes Einkommen gehabt

In etwa zwei Monaten will Vonovia die Modernisierungen beendet haben. Derzeit wird noch an der Blitzstraße/Im Dreieck sowie im Hof an der Ripshorster Straße gearbeitet. Und wenn dort dann die Fahrbahn nach dem Kanalbau endlich neu asphaltiert ist, dann hat Dellwig – endlich – eine Großbaustelle weniger.

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