„Bürgergarten inklusive“

Verein eröffnet Garten für Behinderte und Nicht-Behinderte

Sie stellten den „Bürgergarten inklusive“ vor, v.l. Thomas Hanster, Jürgen Serek, Schirmherr Benjamin Thomas und Marita Ingenfeld.

Sie stellten den „Bürgergarten inklusive“ vor, v.l. Thomas Hanster, Jürgen Serek, Schirmherr Benjamin Thomas und Marita Ingenfeld.

Foto: André Hirtz

Essen-Frohnhausen.   Behinderte stellt Gärtnern vor unüberwindbare Hindernisse. Nicht so im „Bürgergarten inklusive“. Hier können sie mit Nicht-Behinderten gärtnern.

Das Hochbeet im Garten des Lüttring-Hauses an der Gervinusstraße 6 erscheint schon auf den ersten Blick nicht so zu sein, wie man sie sonst kennt. Es ist ein Hochbeet, das auf einem Podest steht. Die kleinen Schaufeln und Harken mit den grün-gelben Griffen sind ebenfalls ungewöhnlich. Thomas Hanster, ehemaliger Chef des Grugaparks, nimmt eine Schaufel in die Hand und schiebt sie in den Mutterboden. „Menschen, die im Rollstuhl sitzen, können das nicht aus dem Handgelenk machen, sondern aus dem Arm heraus. Deshalb ist die Schaufel so geformt.“

Thomas Hanster gehört wie Jürgen Serek und Marita Ingenfeld und gut 20 weitere Mitstreiter zum Verein „Emma + Wir“ (Emma steht für eigenständig, mobil, miteinander, aktiv), der sich für das Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen einsetzt. Benjamin Thomas ist am Freitagmorgen auch zur Vorstellung des „Bürgergartens inklusive“ gekommen.

Rollstuhlfahrer Benjamin Thomas ist Schirmherr

Der Essener sitzt im Rollstuhl und ist unter anderem Landesvorsitzender des Netzwerks für Menschen mit Behinderung und sachkundiger Bürger für die CDU im Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Integration der Stadt Essen. „Die Wohngemeinschaft im obersten Stock des Lüttring-Hauses ist schon etwas Besonderes, einen Garten dieser Art habe ich aber auch noch nicht gesehen. Ich war sofort begeistert und habe die Schirmherrschaft übernommen“, sagt der 31-Jährige.

„Es gibt in den Städten viele richtig gute Gedanken und projekthafte Ansätze. Was fehlt, ist die flächendeckende Umsetzung“, sagt Marita Ingenfeld. Die Idee des „Bürgergartens inklusive“ will Benjamin Thomas daher in seinen Netzwerken verbreiten.

Spezialgeräte gibt es nicht im Baumarkt um die Ecke

Solche Ideen kosten Geld. Die Spezialgeräte findet man nicht mal eben im Baumarkt um die Ecke. Zu den Schaufeln und Harken kommt noch ein vierrädriges Gefährt mit Sitz, mit dem Nicht-Rollstuhlfahrer auch in den gewöhnlichen Beeten des Gartens werkeln können. Erst durch Unterstützung durch die bundesweite Lotterie „Aktion Mensch“ sowie der GSE (Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen mbH) ließ sich das Projekt „Bürgergarten inklusive“ überhaupt verwirklichen.

Im Garten hinter dem Haus Gervinusstraße 6 soll gepflanzt, gesät, gejätet und auch geerntet werden. Doch nicht nur. „Es soll in erster Linie ein Ort der Zusammenkunft sein, an dem auch gemeinsam gegärtnert werden kann“, sagt Jürgen Serek. Halt ein Bürgergarten inklusive.

OFFIZIELLE ERÖFFNUNG AM 5. MAI

  • Offiziell wird der Bürgergarten während des Straßenfestes am 5. Mai eröffnet. Im Sommer soll samstags regelmäßig ein Bürgercafé stattfinden.
  • Im Juni erklärt Gartenexpertin Barbara Heiermann-Becker, wie Hochbeete funktionieren. Weitere Kurse sollen folgen.
  • Kontakt: „Emma + Wir“,
    juergen.serek@web.de; www.luettringhausallinclusive.de/

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