Baugebiet Kesselstraße

SPD für Baupläne: Gärtnerei hätte längst bebaut sein können

Der Bebauungsplan Kesselstraße wurde in einer öffentlichen Diskussion im Schloss Borbeck erläutert.

Der Bebauungsplan Kesselstraße wurde in einer öffentlichen Diskussion im Schloss Borbeck erläutert.

Foto: Christof Köpsel

Essen-Borbeck.   Bezirksvertreter Ulrich Schulte-Wieschen, Sprecher der SPD-Fraktion, begrüßt geplante Bebauung der Freifläche in Bochold mit 100 Wohnungen.

Die geplante Bebauung der öffentlichen Grünfläche zwischen Kessel- und Bocholder Straße verärgert zahlreiche Anwohner. 900 Protestunterschriften wurden bereits gesammelt. Auf einer Informationsveranstaltung am Mittwoch im Schloss Borbeck wurde die Kritik wiederholt. Dagegen begrüßen die Bezirkspolitiker das Bauvorhaben, zum Beispiel Ulrich Schulte-Wieschen (SPD).

Herr Schulte-Wieschen, warum begrüßen Sie die Bebauung sehr?

Ulrich Schulte-Wieschen: Wir haben in der Bezirksvertretung eine Anhörung gehabt, wir haben – anders als Herr Klix (SPD-Ratsmitglied, die Red.) es sagt – gar nichts beschlossen. Wir haben in Essen das Problem, dass wir zu wenig Wohnraum haben. Es ist ein Innenbereich, der seit Ende der 90er-Jahre zur Debatte steht, seit die Gärtnerei Brinkmann zugemacht hat.

Anwohner befürchten den Verlust eines wichtigen Grünbereichs und einer Frischluftschneise.

Das ist eine Brachfläche, die von Grün überwuchert ist. Das ist richtig. Ich rede nicht von den Grünflächen, die der Stadt Essen gehören. Wo eine Frischluftschneise sein soll, weiß ich nicht. Die ganze Fläche ist bis auf die Angrenzung an die Grünfläche zugebaut. Man könnte davon reden, dass eine Frischluftschneise aus Richtung Schölerpad kommen könnte. Aber da bin ich kein Fachmann und muss mich auf Dinge beziehen, die mir Fachleute sagen.

Die ehemalige Gärtnerei ist also nur eine Brachfläche?

Ja klar, sie hätte schon längst bebaut sein können, wenn das Problem der Zufahrt nicht gewesen wäre, da gebe ich Herrn Klix recht, der sich noch 2000 heftig gegen die Bebauung des Gärtnereigeländes gewehrt hat, weil die Zufahrt über die Kesselstraße geführt worden wäre. Das wäre sehr zum Nachteil gewesen. Das Haus an der Bocholder Straße ist gerade erst abgerissen worden, weil der Investor es gekauft hat. Jetzt ist die Zufahrt über die Bocholder Straße möglich. Der zweite Punkt ist die Entwässerung über Bocholder- oder Kesselstraße. Sie wären nicht mehr in der Lage gewesen, mehr Wasser aufzunehmen. Jetzt gibt es die Lösung mit dem Regenrückhaltebecken, das übrigens der Investor bezahlt. Die Stadtwerke haben sich damals zurückgezogen. Der Investor macht es im Trennsystem, was ich für gut halte, das die Abwässer trennt und Regenwasser in den Bach einspeist. Der Investor muss die Sachen bezahlen, genau wie den Umbau des Kreuzungsbereichs an der Bocholder Straße.

Sind Sie für den Schulneubau an dieser Stelle?

Wir haben immer gesagt, dass wir im Borbecker Bereich zwei neue Grundschulen brauchen. Und wir versuchen händeringend in diesem Bereich eine Grundschule zu kriegen, weil die Schulen voll sind. Die Bischof-von-Ketteler-Schule hat den dritten Zug über Pavillons bekommen, insofern ist eine Schule wichtig. Ob dieses Gelände geeignet ist, müssen Fachleute prüfen. Ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1967 beinhaltet schon eine Schulfläche.

Wohngebiet plus Schule bedeuten aber den Abschied von der gesamten Grünzone.

Von einem nicht geringen Teil, das ist richtig.

Die Nähe der neuen Bebauung zu den anderen Grundstücken wird kritisiert. Ist das ein Argument, das Sie beeindruckt?

Die Verwaltung hat gesagt, es wären acht Meter Abstandsfläche. Wenn ich mir ansehe, wo ich bisher gewohnt habe, da sind die Abstände auch nicht größer gewesen. Ich habe Verständnis dafür, wenn alle sagen, meine Grünfläche wird mir weggenommen. Ich kann auch die Leute verstehen, die fragen, wo sie mit ihrem Hund spazieren gehen sollen.

Und was sagen Sie ihnen?

Im Moment sieht es so aus, dass der Bereich mit den Wegen noch erhalten bleibt. Ich weiß auch nicht, ob die Leute mit ihren Hunden in der Brachfläche spazieren gegangen sind. Die ist ja kaum zugänglich.

900 Protestunterschriften wurden gesammelt. Das sind Unterschriften gegen die Bebauung, aber auch gegen Ihre Auffassung. Haben Sie Sorgen vor der nächsten Wahl?

Natürlich macht man sich Sorgen vor der nächsten Wahl. Darüber braucht man gar nicht zu reden. Wir versuchen deutlich zu machen, die Geschichte so vernünftig wie möglich hinzukriegen. Wir haben das Problem, dass öffentlich genutzter Wohnraum da, wo der Bergbau war, nicht über die NRW-Bank finanziert wird. Wenn jetzt noch ein zweiter Bau dahin kommt, der nicht diesem Problem unterliegt, dann könnte man da diese Wohnungen machen. Das haben wir immer gefordert. Klar, 900 Unterschriften sind 900 Unterschriften. Ich weiß aber nicht, wieviel Leute überhaupt in dem Umfeld wohnen und unterschrieben haben.

Sind Sie einverstanden mit der Bebauung der städtischen Flächen?

Darüber haben wir lange gerungen. Aber genau auf diese Fläche kommen die Mehrfamilienhäuser. Wir brauchen Wohnungen für solche Familien. Mir wäre auch lieber, wenn die Grünfläche erhalten bliebe, aber Sie wissen, dass man immer wieder an einer Stelle Kompromisse machen muss.

Und das Verhältnis zu Herrn Klix? Er ist wohl als einziger gegen die Bebauung.

Das sieht wohl so aus.

Was bedeutet das innerparteilich? Wird er noch einmal für den Rat aufgestellt?

Das kann ich nicht sagen, ich bin nicht im Ortsverein Bochold. Das macht die Partei vor Ort, die dafür zuständig ist.

100 WOHNUNGEN AUF ALTER GÄRTNEREI GEPLANT

  • Das Plangebiet besteht aus einer alten Gärtnerei sowie einer städtischen, 4700 Quadratmeter großen Grünanlage.
  • Ein Investor aus Oberhausen möchte 100 Wohneinheiten als Doppel- und Reihen- sowie Mehrfamilienhäuser errichten.
  • Bisher sind alle Baupläne auch an der schwierigen Entwässerung des Senkengebiets gescheitert.

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