Jugend-Blasorchester

Schönebecker Jugend-Blasorchester feiert 60-Jähriges

1960 im Garten des Vorsitzenden Willi Pohlhaus. Mit dabei Knut Pohlhaus (vordere Reihe 3. von links) und Theo Bergmann (vordere Reihe 4. von links)

1960 im Garten des Vorsitzenden Willi Pohlhaus. Mit dabei Knut Pohlhaus (vordere Reihe 3. von links) und Theo Bergmann (vordere Reihe 4. von links)

Foto: Schönebecker Jugend-Blasorchester

Essen-Schönebeck.   Einst waren es Volksweisen und Märsche. Heute gehört auch Pop-Musik zum Repertoire des Schönebecker Jugend-Blasorchesters, das 60 Jahre alt wird.

Detlef Neumann (66), Theo Bergmann (71) und Knut Pohlhaus (67) sitzen im ersten Stock der „Notenkiste“, des Vereinsheims des Schönebecker Jugend-Blasorchesters (JSB).Sie blättern in einem dicken Aktenordner, den Detlef Neumann mitgebracht hat. Beinah nach jedem Umblättern ist beim Anblick der Schwarz-Weiß-Fotos ein „Weißt du noch . . .“ zu hören. Die drei Herren gehören zu den „Jungs der ersten Stunde“ des Schönebecker Jugend-Blasorchesters, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert.

Ein Herbstabend im Jahre 1959

Die Wurzeln des Orchesters liegen im Allgemeinen Bürger-Schützenverein. Es war an einem Herbstabend des Jahres 1959, als Willi Pohlhaus, Herbert in der Weide und Cornel Hoffmann in der Liesenhofschänke an der Aktienstraße zusammensaßen und Urlaubserinnerungen austauschten. Willi Pohlhaus schwärmte von der Dinkelsbühler Knabenkapelle vor, die er bei einem Urlaub in Franken kennen gelernt hatte. Zu fortgeschrittener Stunde herrschte Einigkeit: „Was Dinkelsbühler Jungen können, können Schönebecker Jungen auch!“ Die Idee eines Orchesters war geboren. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 7. November 1959, der Tag des Hubertusfestes der Schützen. Weihnachten 1959 gaben neun Knirpse das erste Konzert.

Probe im Wohnzimmer des späteren Vorsitzenden

„Geübt wurde in der Anfangszeit unter anderem im Wohnzimmer des späteren Vorsitzenden“, erinnert sich Theo Bergmann, der das Flügelhorn spielte. Der erste Auftritt folgte bei der Nikolausfeier des Schützenvereins in der Gaststätte Gummersbach. Neun Jungen spielten „Stille Nacht, heilige Nacht“. „Die Instrumente waren teilweise ausgediente des Altendorfer Blasorchesters“, erinnert sich Knut Pohlhaus, Trompeter und Sohn des früheren Vorsitzenden. Detlef Neumann, der 1960 zum Orchester stieß, spielte zunächst ein Althorn in S, „später schenkte mir mein Großvater ein Tenorhorn“.

Früher Ännchen von Tharau, heute Bon Jovi

Stücke wie Ännchen von Tharau oder die Ouvertüre aus Rheinfels prägten anfangs das Programm. Und natürlich Märsche. Wie sich das Programm änderte – heutzutage gehört Bon Jovi und Deep Purple zum Repertoire – so änderten sich im Laufe der Jahrzehnte die Bedingungen. Geprobt wurde zunächst in der Eichendorffschule, dann eine Zeit lang im Chemiesaal der Realschule. 1972/73 wurde die ehemalige Schänke an der Schloßstraße 100 mit sehr viel Eigenarbeit zur „Notenkiste“ umgebaut.

Was sich nicht änderte, ist die seit 1964 andauernde Freundschaft zu Sjöbo Ungdomsorkesters. Eine Wand des Raumes im ersten Stock ziert ein überdimensionales Schwarz-Weiß-Foto von der Ankunft der schwedischen Musiker zu ihrem ersten Besuch auf dem Borbecker Marktplatz. Ganz Borbeck schien auf den Beinen zu sein und bereitete den Gästen einen großen Bahnhof. Inklusive Musik, versteht sich.

Mädchen sind in Schönebeck seit Ende der 70er dabei

„Das war wirklich ein Erlebnis“, erinnern sich Detlef Neumann, Theo Bergmann und Knut Pohlhaus, als sei es gestern gewesen. Im Wechsel besuchen sich die Orchester in jedem Jahr. Kontakte nach Schweden sind bis heute geblieben. „Wer nicht in Sjöbo war, ist kein Schönebecker“, lautet ein geflügeltes Wort in Schönebeck. „Wir telefonieren regelmäßig, und einmal im Jahr sehen wir uns“, sagt Detlef Neumann. Dabei musste 1964 das Eis erst einmal gebrochen werden. „Am Anfang war schon ein wenig Distanz da“, sagt Theo Bergmann. Beim gemeinsamen Abendessen in der Wilhelmshöhe lockerte die Atmosphäre auf. Zur anfänglichen Schüchternheit trug wohl auch bei, dass das schwedische Orchester ein gemischtes ist. In Schönebeck spielen Mädchen erst seit Ende der 1970er-Jahre. Das erste Mädchen ist heute selbst Querflötenlehrerin beim SJB.

„Das Orchester ist wie eine große Familie“

Schweden – das war für Neumann, Bergmann und Pohlhaus eine Weltreise. Mit 25 Jahren, so will es die Satzung, scheidet man aus dem Schönebecker Jugend-Blasorchester aus. Die drei älteren Herren sind dem SJB trotzdem treu geblieben. „Das Orchester ist wie eine große Familie“, sagt Marcus Freitag, Vorsitzender des Fördervereins. Dass Ehemalige in der Regel dabei bleiben, hat aber auch einen praktischen Vorteil. Die Orchester finanzieren sich mit ihren Beiträgen – und Spenden. Früher lief das anders. „Unsere Väter wurden im Kegelverein kurzerhand zur Unterstützung verpflichtet“, schmunzelt Detlef Neumann.

Theo Bergmann und Knut Pohlhaus haben Flügelhorn und Trompete mittlerweile aus den Händen gelegt. Dem Orchester halten sie aber die Treue. Detlef Neumann bläst weiterhin kräftig ins Horn. Beim zweiten Teil des großen Jubiläumskonzerts (3. Oktober), wenn Ehemalige mitspielen werden, wird neben Marcus Freitag (Saxophon) auch er auf der Bühne der Philharmonie Essen stehen.

JUBILÄUMSKONZERT IN DER PHILHARMONIE

  • Die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen beginnen am 26. Juni, 18 Uhr, mit einem Konzert von SJB, den Gästen aus Schweden, der Reinholds Brass Band und der Big Band des Ausbildungskorps der Bundeswehr auf dem Festplatz an der Frintroper Straße 100. Am Freitag, 28. Juni, gibt es um 18 Uhr eine Messe in St. Antonius Abbas, um 19 Uhr den Großen Zapfenstreich und um 20 Uhr den Abschiedsball.
  • Der Große Festumzug startet am Samstag, 29. Juni, um 16.30 Uhr. Um 18 Uhr folgt der Festakt „60 Jahre SJB“ und um 19 Uhr die Geburtstagsparty. Am Sonntag, 30. Juni, beginnt um 11 Uhr das Vogelschießen des Bürger-Schützen-Vereins. Ab 14.30 Uhr spielt das SJB-Nachwuchsorchester und um 20 Uhr folgt der Krönungsball.
  • Am Donnerstag, 3. Oktober, findet um 11 Uhr das große Jubiläumskonzert in der Philharmonie statt. Die Schönebecker spielen mit der Knabenmusik Meersburg, der Reinholds Brass Band und Ehemaligen. Eintrittskarten gibt es an den gewohnten Vorverkaufsstellen.

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