Schicht am Schacht

Schicht am Schacht – ein Abschiedsfest für den Bergbau

Christian Schigulski und seine Band „Schigulski“ traten beim Abschiedsfest für den Bergbau im Matthäus-Gemeindesaal in Bochold auf.Foto:Stefan Arend

Christian Schigulski und seine Band „Schigulski“ traten beim Abschiedsfest für den Bergbau im Matthäus-Gemeindesaal in Bochold auf.Foto:Stefan Arend

Essen-Borbeck.   Das Ruhrgebiet nimmt vielfältig Abschied vom Bergbau. Ein Abschiedsfest ohne Grubenlampe und Häckel, dafür mit viel Musik, fand in Bochold statt.

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2018 ist das Jahr des Abschieds im Ruhrgebiet. Ende Dezember schließt mit Prosper Haniel in Bottrop nach einer traditionsreichen Geschichte die letzte Zeche in der Region. Im Gemeindesaal der Matthäuskirche in Bochold haben Siggi Schigulski und ihr Mann Christian gemeinsam mit vielen Jugendlichen aus dem Jugendzentrum „Coffee Corner“ deshalb ein ganz besonderes Abschiedsfest unter dem Motto „Schicht im Schacht“ auf die Beine gestellt.

Nicht traurig, sondern stolz

Am vergangenen Wochenende konnten Gäste bisher Unbekanntes über die Geschichte des Bergbaus hören und in Erinnerungen schwelgen. Einheimische Künstler zeigten ihre Werke: Von modernen Darstellungen katholischer Heiliger über Plakatkunst bis hin zu Reliquien aus dem Bergbau war nahezu alles dabei.

„Wenn der Bergbau nicht gewesen wäre, dann wäre hier in Borbeck heute gar nichts los. Das Ruhrgebiet wären ein paar kleine Dörfer“, stellt Peter Reuter fest. Er ist normalerweise Gästeführer auf Zeche Zollverein, ließ es sich aber nicht nehmen, zum „Kohleabschiedsfest“ natürlich etwas zur Geschichte des Steinkohlenbergbaus zu erzählen.

Zeche Wolfsbank förderte schon in den 1850er-Jahren

Reuter berichtete von der Zeche Wolfsbank in Essen-Bochold, die schon in den 1850er-Jahren mit der Steinkohlenförderung begann und den Startschuss für eine ganz besondere Industriekultur mit vielen Geschichten und Traditionen gab. Er appellierte zudem an die Gäste, „nicht traurig zu sein, dass diese Zeit nun vorbei ist“, sondern vielmehr stolz zu sein auf die Region. „Schließlich gibt es hier in Essen keinen Stadtteil ohne vielfache Industriegeschichte, das ist doch beeindruckend.“

Christian Schigulski hatte seine Erinnerungen in der Musik verarbeitet. „Jeder Vater, jeder Opa ist doch damals auf Zeche eingefahren. Die Geschichten haben mich als Kind schon sehr fasziniert. In Gedenken an meinen verstorbenen Vater habe ich sie dann aufgeschrieben. Das ging ganz schnell von der Hand, weil es so viele Erinnerungen sind“, erzählt er.

Seine Lieder handeln vom Bergmannsleben und von städtischer Ruhrpott-Romantik.

>>> „Die Kameradschaft war einzigartig“

Auch André Hübner, ein ehemaliger Bergmann, war gekommen, um von seinen Erlebnissen unter Tage zu berichten. Dabei hob er eines immer wieder ganz besonders hervor: „Diese Kameradschaft unter Tage, die war wirklich einzigartig, als Einzelkämpfer hätte man keine Chance gehabt. Wenn man weiß, dass diese Zeit jetzt zu Ende geht, wird man natürlich schon etwas sentimental.“

Doch bei aller Bedrücktheit über das Ende war man sich letztendlich einig: Die Tradition soll weiterleben, aber eine neue Zeit kann kommen.

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