Realschule Essen-West

Realschüler blicken auf Entlassung vor 60 Jahren zurück

13 frühere Schüler der Realschule Essen-West

13 frühere Schüler der Realschule Essen-West

Foto: Christof Köpsel

Essen-Frohnhausen.   Die Klassenfahrt zur Eröffnung des Atomiums: Daran erinnerten sich unter anderen 13 Schüler der Realschule West 60 Jahre nach ihrer Entlassung.

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Die Schule ist aus. Für Dieter Leich und seine Mitschüler gilt dies schon recht lange. Vor 60 Jahren begann für die Realschüler von der Wickenburg der Ernst des Berufslebens. Grund genug, sich mal wieder zu treffen. Immerhin 13 von seinerzeit knapp über 30 fanden sich – nach zehnjähriger Pause – in Rüttenscheid zusammen. Etwa zwei Drittel wohnt heute noch oder wieder in Essen. Die weiteste Anfahrt hatte ein Mitschüler aus Varel in Niedersachsen. Der Großteil waren Angestellte und Beamte, nur wenige Selbstständige waren darunter.

„Acht haben auf die Einladung gar nicht reagiert, zwei waren nicht reisefähig, zwei zeigten kein Interesse, zwei waren nicht auffindbar und sechs sind mittlerweile verstorben“, sagt Dieter Leich. „Na ja, wir sind ja mittlerweile alle im Schnitt Mitte 70“, sagt der gelernte Versicherungskaufmann.

Klassenlehrer Günter Schroer lebt im Altenheim

Einen, den die Ex-Realschüler nur zu gern in ihrer Runde gehabt hätten, ist Günter Schroer, ihr damaliger Klassenlehrer. Der 93-Jährige, der Mathematik, Englisch und Sport unterrichtete, lebt aber mittlerweile in einem Altenheim auf der Margarethenhöhe. „Einige von uns besuchen ihn dort öfter. Im Geiste war er aber bei unserem Treffen“, sagt Dieter Leich. Dass ein Pauker auch nach 60 Jahren ein Thema ist, kommt auch nicht alle Tage vor. „Er war konsequent und streng. Alle hatten Achtung vor ihm, haben ihn aber auch geschätzt“, erinnert sich Dieter Leich. Dass es in den 1950er-Jahren auch mal eine Ohrfeige setzte, ist der Zeit geschuldet. Es sei ohnehin ja keine einfache Zeit gewesen. „Jeder fraß den Kitt aus den Fenstern“, drückt es Dieter Leich drastisch aus. Und doch habe die Zeit auch ihr Gutes gehabt. „Wir waren sehr nahe zusammen, jeder half dem anderen.“

Klassenfahrt zur Weltausstellung 1958 in Brüssel

Ein Jahr, bevor für sie der Ernst des Lebens begann, ging es auf eine nicht alltägliche Klassenfahrt. Ziel war 1958 die Weltausstellung in Brüssel, wo die Essener auch das Atomium bestaunten. Dieter Leich erinnert sich daran, dass er schon damals einen Geschäftssinn entwickelte. „Ich habe eine Kokosnuss gekauft, sie geteilt und die Stücke als Erfrischung auf der Fahrt für kleines Geld an die Klassenkameraden verkauft.“

Das ist 61 Jahre her. Die Ehemaligen der Realschule waren sich am Ende des Treffens einig, dass zehn Jahre ein zu großer Abstand bis zum nächsten Treffen ist. „In Zukunft wollen wir uns jährlich treffen“, erklärt Dieter Leich.

DIE ERSTE KLASSE HATTE 46 SCHÜLER

  • Am 16. April 1918 eröffnete auf Beschluss des Kuratoriums „Mittelschulen“ und der Stadtverordnetenversammlung die Knabenmittelschule Essen-West – so ist es auf der Hompage der Schule zu lesen. Die erste Klasse, die im Hintergebäude der katholischen Volksschule an der Altendorfer Straße untergebracht war, hatte 46 Schüler.
  • Seit 1922 hieß sie Mittelschule Essen-West, da von diesem Jahr an auch Mädchen die Schule besuchten. 1925 wurden Jungen und Mädchen wieder getrennt, die Mädchen blieben im Gebäude an der Altendorfer Straße, die Jungen zogen um in ein Gebäude an der Frohnhauser Straße.
  • Nach einem zwischenzeitlichen Umzug der Jungen in das Gebäude des heutigen Alfried-Krupp-Gymnasiums (1939) wurde nach Kriegsende Jungen und Mädchen von der Stadtverwaltung das Volksschulgebäude an der Mülheimer Straße zugewiesen, in dem sich die Realschule Essen-West heute noch befindet.

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