Ruhrbahn

Nur an Markttagen ist Linie 103 wirklich seniorenfreundlich

Der Ein- und Ausstieg, wie hier an der Donnerstraße in Essen-Dellwig, ist bei den Niederflurbahnen bequem. Selbst eine Mutter mit drei Kindern, von denen eines im Rollstuhl sitzt, kann ziemlich problemlos mitfahren. Aber wehe, es kommt eine „alte Kutsche“ . . .

Der Ein- und Ausstieg, wie hier an der Donnerstraße in Essen-Dellwig, ist bei den Niederflurbahnen bequem. Selbst eine Mutter mit drei Kindern, von denen eines im Rollstuhl sitzt, kann ziemlich problemlos mitfahren. Aber wehe, es kommt eine „alte Kutsche“ . . .

Foto: Rüdiger Hagenbucher

Dellwig.  Die neuen Niederflurbahnen haben einen technischen Defekt. Deshalb setzt die Ruhrbahn Essen auf der Tram-Linie 103 häufig die alten Bahnen ein.

Dienstags und freitags kann Ulrich Schulte-Wieschen aus Dellwig nicht mit Verständnis rechnen. Denn dann geht die Beschwerde des SPD-Sprechers in der Bezirksvertretung IV über unbequeme Straßenbahnen der Linie 103 ins Leere. Wer an diesen beiden Tagen etwa am Reuenberg oder an der Donnerstraße in Dellwig in die gelben Wagen steigt, hat es bequem, die einzige Stufe ist niedrig.

An den übrigen Wochentagen ist das allerdings völlig anders. Dass die Ruhrbahn nur ausnahmsweise alte Hochflurbahnen mit drei Stufen auf die Strecke von Dellwig nach Steele schickt, sei nämlich keine Ausnahme, beklagt Ulrich Schulte-Wieschen. Doch das habe die Ruhrbahn noch im vergangenen Jahr auf Anfrage der CDU in der Bezirksvertretung IV behauptet.

Der Frust der Fahrgäste

Dass es Frust unter den Fahrgästen gibt, erlebt eine Ruhrbahn-Fahrerin aus Dellwig häufig. Die Mittvierzigerin fährt selbst mit der Linie 103 zum Dienst und bestätigt, bevor sie einsteigt: „Für den Ärger der Fahrgäste habe ich vollstes Verständnis, wenn sie mit Rollator oder Einkaufswagen nicht in die Bahn kommen – besonders dienstags und freitags, wenn Markt ist.“ Eine Seniorin, die gerade aus den nahen Discounter auf der anderen Straßenseite kommt, bestätigt das: „Besonders an Markttagen mit den alten Kutschen zu fahren, ist nicht so angenehm.“ Sie hat für sich eine Erklärung für das Dilemma: „Vielleicht haben sie bei der Ruhrbahn Angst, dass die Sitze der neuen Bahnen beschädigt werden.“

Thema auch im Beschwerdeausschuss des Rates

Die Ruhrbahn-Fahrerin ist da besser informiert. Sie weiß, dass ihre Arbeitgeberin unter Druck steht. „Je nach Wartungsintervall fahren mal mehr und mal weniger Niederflurbahnen“, sagt sie. „Es gab aber auch schon Monate, da fuhren nur Niederflurbahnen.“

Im Beschwerdeausschuss des Rates wurde dieses Thema am Dienstag auch diskutiert. Hier wurde die Stellungnahme der Ruhrbahn verlesen. Demnach haben die neuen Niederflurwagen einen „erhöhten Instandsetzungsaufwand“, anders ausgedrückt: Sie müssen häufiger in die Werkstatt. Deshalb versucht das Unternehmen, auf der Linie 103 möglichst abwechselnd eine Hoch- und eine Niederflurbahn fahren zu lassen. Die Ausnahme wären die Markttage Dienstag und Freitag. Dann führen ausschließlich die modernen Bahnen mit dem niedrigen Einstieg.

Die Hälfte der neuen Bahnen hat einen technischen Defekt

Aus erster Hand, nämlich von einem Aufsichtsrat der Ruhrbahn, haben zwei Ausschussmitglieder über die technischen Schwierigkeiten mit den Niederflurbahnen gehört. So hätte etwa die Hälfte der angeschafften Wagen einen Defekt, der in der Werkstatt behoben werden müsste. Für die Zeit der Reparatur müssten eben noch einmal die alten Kutschen auf die Gleise gestellt werden.

Diese Nachricht, die jetzt im Beschwerde-Ausschuss des Rates bekannt wurde, hätte Ulrich Schulte-Wieschen gerne schon vor Monaten erhalten. Doch seine in der Bezirksvertretung erhobenen Klagen über die Zustände auf der Linie 103 blieben bisher noch Antwort durch die Ruhrbahn.

Verspätungen sind ein weiteres Ärgernis

Ein weiteres Ärgernis seien die Verspätungen. „Wenn ich ins Rathaus fahren möchte, kommen ab und zu drei Bahnen direkt hintereinander, ohne dass ein Auto dazwischen wäre“, hat Ulrich Schulte-Wieschen beobachtet. Er führt das auf die lange Strecke von Dellwig nach Steele zurück, auf der die Straßenbahn den Verkehrsraum mit Autos teilen müsste. „Vielleicht sollte man die mittlere Bahn schon vorzeitig auf die Rückstrecke schicken“, hat sich der SPD-Politiker überlegt. „Früher haben sie am Philippusstift in Borbeck schon mal gewendet.“

Umstieg auf die S-Bahn-Linie 9 wird schwieriger

Die Ruhrbahn-Fahrerin aus Dellwig ärgert sich genau so über die Verspätungen. Doch dafür sei ihre Arbeitgeberin nicht verantwortlich. „Die Verspätungen kommen durch die Baustelle auf der Steeler Straße. Aber da ist die Stadt zum Teil selbst schuld.“

Ulrich Schulte-Wieschen ist die Ursache fast egal. Er hat für sich die Konsequenz gezogen – und fährt von Dellwig aus mit der S-Bahn-Linie 9 in die Innenstadt. Allerdings muss er hier mittelfristig ebenfalls mit einer Verschlechterung rechnen. Ab Dezember wird der Takt der S 9 ausgedünnt, statt drei Mal pro Stunde fährt sie dann nur noch zwei Mal. Dagegen verdoppelt die Nordwestbahn ihren Takt. Sie pendelt dann zwei Mal pro Stunde zwischen Bottrop/Haltern und Essen, hält allerdings nur in Borbeck, nicht in Dellwig oder Gerschede.

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