Kirche

Hermann Schuster, Pastor und Bergsteiger aus Leidenschaft

Hermann Schuster einst Pastor und noch immer Bergbsteiger aus Essen DellwigNorbert Ahmann

Hermann Schuster einst Pastor und noch immer Bergbsteiger aus Essen DellwigNorbert Ahmann

Essen-Dellwig.   Hermann Schuster aus Essen-Dellwig, Mann Gottes und Bergsteiger in einer Person. Es ist die Demut, die dem 76-Jährigen manchen schweren Weg wies.

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Es ist wohl diese gewisse Demut, die ihn stets und ständig begleitete, ihm so manchen wohl auch schwierigen Weg wies und das bis heute noch tut. Seit 60 Jahren ist Hermann Schuster Bergsteiger aus Leidenschaft, mehr als ein halbes Jahrhundert lang war er zudem Pastor und Pfarrer, 35 Jahre davon in der St. Paulus-Gemeinde in Gerschede und Dellwig. Die Kirche verabschiedete ihn am 31. Januar 2017 in den Ruhestand, just an seinem 75. Geburtstag. Bergsteiger ist Hermann Schuster nach wie vor, und ein Mann Gottes bleibt er ja sowieso ein Leben lang. Und irgendwie auch darüber hinaus.

Der 76-Jährige hat viel erlebt, und genau davon erzählt er immer mal wieder bei seinen, wie man hört, so launigen Vorträgen. Donnerstag ist Schuster im Rahmen der Ausstellung „Waschbrett und Muckefuck“ in Borbeck, und mit ihm sicher mehr als nur eine seiner Anekdoten. Soviel verriet er bereits augenzwinkernd im Vorfeld: „Die lange Unterhose, die dort zu sehen ist, hat meine volle Sympathie . . .“

1982 Pfarrer in der St. Paulus-Gemeinde

Dass seine Vorliebe für ausgedehnte Wanderungen und Spaziergänge auf die Redensart „auf Schusters Rappen“ zurückzuführen ist, ist äußerst unwahrscheinlich, fest aber steht: Schon als Junge lief Hermann Schuster von Kray, wo er aufwuchs, bis zur Realschule nach Steele. Stets zu Fuß, und das sommers wie winters.

Mit meist schlecht bezahlten Gelegenheitsarbeiten verdiente sich der junge Mann die Zeit auf dem Abendgymnasium in Neuss, wo er sein Abitur machte, um dann in Bonn und Münster Theologie zu studieren. Als junger Kaplan verbrachte er seine Zeit in Bochum, von dort ging’s in die Gemeinde Herz-Jesu nach Frintrop, dann noch einmal nach Bochum, bevor ihn Ruhrbischof Franz Hengsbach 1982 schließlich als Pfarrer in die St. Paulus-Gemeinde nach Gerschede beorderte. „Er rief damals meine Mutter an, weil ich zu der Zeit auf dem Matterhorn und damit einfach nicht erreichbar war“, schmunzelt Schuster noch heute.

Wie beim Bergsteigen war auch seine Kirchen-Laufbahn von viel Auf und Ab gekennzeichnet. Etwa bei der Umstrukturierung im Bistum Essen mit der Zusammenlegung der Gemeinden Hermann-Josef Dellwig und Paulus Gerschede und der folgenden Eingliederung in die neue Großpfarrei St. Josef. Die Profanierung 2010 und der Abriss der Kirche St. Hermann-Josef im Dachsfeld 2013 („wo ich heute wohne, stand einst der Altar“) taten auch Schuster weh, aber er nahm’s wie beim Bergsteigen eher demütig und pragmatisch – und blieb auch in den folgenden vier Jahren ein echter Pfarrer fürs Volk.

Der Mann, der schon seinen Messdienern die „Wunderwelt“ der Berge zeigte, der gerne mal alleine im Freien auf einem Gipfel in 3000 Metern Höhe übernachtet, eine Freundschaft zur Familie der 1953 tödlich verunglückten Bergsteiger-Legende Hermann Buhl pflegt, mit dem Mont Blanc mehrfach den höchsten Berg der Alpen und auch einige andere Viertausender bestieg, ist sich stets treu geblieben.

Liebe zum VfL Bochum

Was auch für eine weitere Leidenschaft gilt: den VfL Bochum. Heute geht er nur noch selten hin, früher war das anders. Unvergessen etwa der 3. März ‘79, als er sogar Ruhrbischof Hengsbach einmal zu einem Besuch überreden konnte. Zusammen sahen sie, wie der VfL den späteren Deutschen Meister Hamburger SV durch Tore von Jochen Abel und Paul Holz mit 2:1 in die Schranken wies. Ganze Kerle wie Lameck, Tenhagen, Oswald oder Eggeling hatten das Starensemble um Kargus und Kaltz, Magath und vor allem Kevin Keegan alt aussehen lassen. Die VfL-Fans drehten fast am Rad, Hermann Schuster aber blieb demütig. Typisch.

>>VORTRAG IN DER ALTEN CUESTEREY

„Erlebte Bergwelt der Dolomiten“: Der Vortrag, den Hermann Schuster am Donnerstag, 15. März, um 18.30 Uhr in der Alten Cuesterey (Weidkamp 10) in Borbeck hält, ist der vorletzte Veranstaltungsteil der Ausstellung „Waschbrett und Muckefuck“ des Kulturhistorischen Vereins Borbeck. Zum Abschluss tritt dort am Sonntag, 18. März, um 15 Uhr der Kinderchor Gerschede auf.

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