Urban Gardening

Gerschede: Warum Anwohner einen Gemeinschaftsgarten ablehnen

„Hier kann dein Gemeinschaftsgarten entstehen“, steht auf dem Schild. Anwohner meinen: „Muss aber nicht.“

„Hier kann dein Gemeinschaftsgarten entstehen“, steht auf dem Schild. Anwohner meinen: „Muss aber nicht.“

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Gerschede.   Der 14. Essener Gemeinschaftsgarten wird derzeit angelegt. Gegen den 15. wehren sich jedoch die Anwohner. Sie befürchten negative Auswirkungen.

Wenn man die Anwohner der Nordlandaue als „etwas aufmüpfig“ charakterisiert, dann nicken sie. Ja, die Gerscheder haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon des Öfteren gewehrt, sei es gegen eine Müllverbrennungsanlage in der Nachbarschaft oder gegen die Lastwagen, die plötzlich am Düppenberg abgestellt wurden. Jetzt haben sie erneut Anlass, wider den Stachel zu löcken: Denn auf „Beckermanns Wiese“, direkt gegenüber ihren Wohnhäusern, soll ein Gemeinschaftsgarten errichtet werden.

Standpunkt in Briefen an Verwaltung und Politik dargelegt

„Den brauchen wir hier wirklich nicht, denn unsere Gemeinschaft ist gut, und wir haben alle große Gärten hinter unseren Häusern“, sagt Rainer Breitfeld. Der 75-Jährige hat in Briefen an Verwaltung und Politik ihren Standpunkt deutlich gemacht. Zudem hat SPD-Ortspolitiker Hans-Werner Nitz das Thema bereits in der Bezirksvertretung angesprochen.

Die Wiese an der Ecke Nordlandaue/Düppenberg war einst der Garten von Beckermanns Hof. Er und die nachfolgende Gaststätte sind bereits Geschichte, und aus dem Garten wurde eine Wiese. Und zwar eine sehr schöne, wie Rainer Breitfeld findet: „Hier wächst zum Beispiel das schöne Wiesenschaumkraut.“ Zum Glück mähe Grün und Gruga es nicht weg, sondern lasse es lange stehen.

Natur birgt noch manche Überraschung in Gerschede

Überhaupt berge die Natur in Gerschede noch manche Überraschung. „Meine Enkel haben sich gerade über Zitronenfalter, Tagpfauenauge, C-Falter und den Admiral gefreut“, strahlt er.

Dagegen befürchten die Anwohner, die hier gerne ihre Hunde ausführen, dass der Parkdruck durch die neuen Hobbygärtner zunimmt, dass die Wiese vermüllt wird und die Gärten nach der ersten Euphorie später vor sich hin gammeln. Rainer Breitfeld: „Wenn etwas für die Gemeinschaft getan werden soll, könnte man Kirschbäume pflanzen, wo die Leute im Herbst ernten könnten.“ Außerdem wäre es besser, den Gemeinschaftsgarten an Voßgätters Mühle am Möllhoven anzulegen.

Ersten Gesprächen mit Aktivisten folgen weitere mit den Anwohnern

Das Grüne-Hauptstadtbüro ist von den Einwänden überrascht. „Noch ist der Garten nicht beschlossen“, versichert Projektleiter Ralph Kindel. „Am Freitag haben wir den ersten Termin mit den vier Aktivisten, die den Garten haben möchten. Und wir sprechen mit allen Beteiligten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben