Stadtteilprojekt

Gemeinsam und selbstbestimmt wohnen trotz Handicaps

Emma (rechts) und Philip sind die ersten Bewohner der Wohngemeinschaft, die Maria Lüttringhaus (Mitte) in ihrem Haus am Gervinusplatz einrichten möchte. Ina Schürmann (li.) von der Firma Inclusio und  Andrea Waizenegger aus München betreuen die beiden nur körperlich eingeschränkten jungen Leute.

Emma (rechts) und Philip sind die ersten Bewohner der Wohngemeinschaft, die Maria Lüttringhaus (Mitte) in ihrem Haus am Gervinusplatz einrichten möchte. Ina Schürmann (li.) von der Firma Inclusio und Andrea Waizenegger aus München betreuen die beiden nur körperlich eingeschränkten jungen Leute.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Frohnhausen.   In Frohnhausen ist eine Wohngemeinschaft für junge Menschen mit einem körperlichen Handicap geplant. Ein altes Haus steht dafür zur Verfügung.

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Die Augen der jungen Frau strahlen, als die Besucher das Haus an der Gervinusstraße 6 in Frohnhausen betreten. Sie begrüßen die Gäste mit einem fröhlichen „Guten Tag“. So wirkt es jedenfalls, denn Emma, so heißt die 18-Jährige, bleibt stumm. Denn Emma kann kaum noch sprechen, seit sie vor sechs Jahren an Parkinson erkrankt ist. Nun stellt sich für sie und ihre Familie die Frage, wo ein Mädchen in ihrem Alter wohnen soll?

Ihre Mutter Maria Lüttringhaus plant für ihre Tochter ein neues, vielleicht einzigartiges Projekt: eine Wohngemeinschaft für junge Menschen mit Behinderung und hohem Bedarf an Betreuung, vergleichbar mit einer Studenten-WG. Allerdings ausdrücklich ohne die Eltern, sondern betreut von Profis.

Und das mitten in Frohnhausen, direkt am Gervinusplatz. Dort besitzt Maria Lüttringhaus sei langem ein altes Drei-Familien-Haus, genannt das „Lüttring Haus“, in dem sie bisher Seminare veranstaltet und auch selbst gewohnt hat.

Nun zieht sie aus, um für ihre Tochter, aber auch für weitere junge Menschen mit einem körperlichen Handicap Platz zu schaffen. „Fünf bis sieben Bewohner soll die Wohngemeinschaft haben“, hat sie sich vorgenommen. Ein erstes WG-Mitglied hat sie in München gefunden. Dort wohnte Emma bisher in einem Internat und lernte dort Philip kennen. Der 25-Jährige leidet unter einem Schlaganfall, der rechte Arm ist gelähmt, das Gedächtnis macht ebenfalls zu schaffen.

Fröhlich und unternehmungslustig

Doch eines haben Philip und Emma gemeinsam: Sie können klar denken, sind fröhlich, unternehmungslustig und neugierig. Maria Lüttringhaus: „Sie wissen, was sie wollen. Sie möchten Freiheiten haben, die Gleichaltrige auch haben.“ Was dagegen überhaupt nicht gewünscht ist: „Ein Leben in einer klassischen Betreuungseinrichtung.“

So nennt Maria Lüttringhaus herkömmliche Einrichtungen. Alternativen hat sie schon immer gesucht, einst auch als Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat und Mitbegründerin eines Stadtteilprojekts im Südost-Viertel.

Kochkurse und Gartenfeste mit den Bewohnern

Die WG für Emma, Philip und Co. soll daher auch in den Stadtteil eingebunden sein. Das Haus am Gervinusplatz soll für Kurse, Frühstückstreff, Garten-Café und viele andere Dinge fit gemacht werden. „Wir wollen es dem Stadtteil zur Verfügung stellen, ob für Gartenfeste oder Kochkurse“, sagt Emmas Mutter. Einzige Bedingung für die Mieter: Die WG-Bewohner müssen kostenlos mitmachen dürfen, wenn sie es denn möchten.

Um dem Ganzen eine rechtliche Basis zu geben, ist der Verein „Emma und Wir“ in Gründung. Emma steht für „Eigenständig, Mobil, Miteinander, Aktiv“. Er muss nun ein weiteres großes Problem lösen: Die Finanzierung der Stadtteilgruppe.

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Unterstützt wird das Projekt von Oberbürgermeister Thomas Kufen.

Ungelöst ist noch die Finanzierung des Hausumbaus.

Informationen unter www.luettringhausallinclusiv.com.


Die Betreuung sichert die Firma inclusio, per E-Mail erreichbar unter info@inclusio.org.

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