Kirche

Gedenktafel erinnert an St. Bernhard im Brauk

Das Jahr, als der Bagger kam: 2001 wurde die Kirche von St. Bernhard niedergelegt.

Das Jahr, als der Bagger kam: 2001 wurde die Kirche von St. Bernhard niedergelegt.

Foto: Kultur-Historischer Verein Borbeck

Essen-Bergeborbeck.   Kirche und Gemeinde St. Bernhard im Brauk bestanden nur knapp über 40 Jahre. Für Franz Josef Gründges kein Grund, nicht an sie zu erinnern.

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Wer auf der Kreuzung Alte Bottroper Straße/Weidkamp einmal auf der Stelle langsam um 360 Grad dreht, sieht unter anderen ein Autohaus und einen Reifendiscounter. Nichts Ungewöhnliches für ein Gewerbegebiet. Seit Dienstag stoppt der Rundblick an einer silbernen Tafel. Sie soll an die Kirche St. Bernhard im Brauk erinnern, die hier einst stand. Es war die erste Kirche, die das Ruhrbistum eröffnete (4. Mai 1958) – und die erste, die profaniert (entweiht) wurde (Januar 2000).

Für jeden Rosenkranz nach St. Michael in Dellwig

„Die Wohnsiedlung Brauk war damals wie eine Insel in der Industrielandschaft“, erinnert sich Franz Josef Gründges. Der 74-Jährige wohnte einst mit seiner Familie in Sichtweite des Gotteshauses. Bevor St. Bernhard gebaut wurde, mussten die Gläubigen in die Kirche St. Michael nach Dellwig. „Für jeden Rosenkranz mussten die Gläubigen bei Wind und Wetter den beschwerlichen, zwei Kilometer langen Fußweg auf sich nehmen“, erzählt Gründges.

Mit St. Bernhard verbindet Franz Josef Gründges, der mittlerweile seinen Hauptwohnsitz ins hessische Hanau verlegt hat, sehr viel. Nicht nur, dass seine vier Geschwister in dieser Kirchen getraut wurden, er selbst war Messdiener, Obermessdiener und Pfarrgemeinderatsleiter. „Den Koks für die Kirchenheizung habe ich auch geschaufelt oder den Rasen rundherum gemäht“, erzählt Gründges.Da wundert es nicht, dass dem früheren Gymnasiallehrer am Herzen liegt, dass St. Bernhard im Brauk nicht in Vergessenheit gerät. Als Vorstandsmitglied holte er den Borbecker Bürger- und Verkehrsverein mit ins Boot. In der Firma Trimet fand er ein Unternehmen als Geldgeber für die Tafel.

Abstandserlass des Landes Nordrhein-Westfalen

Der Brauk war früher dicht mit Wohnhäusern bebaut. Die Gemeinde hatte geschätzt 1000 Mitglieder. Dass St. Bernhard niedergelegt wurde – so nennt man in Kirchenkreisen den Abriss –, hat nichts mit dem heutzutage diskutierten Pfarreientwicklungskonzept zu tun. Das Wort gab es damals noch nicht. Ein Grund war der Abstandserlass des Landes NRW von 1972, der eine räumlichen Abstand von zwei Kilometern von Wohnsiedlungen und Gewerbeflächen vorschrieb.

Letzter Gottesdienst am 21. Februar 1999

Das Aus für St. Bernhard kam aber nicht von heute auf morgen. Franz Josef Gründges zitiert den damaligen Ruhrbischof Franz Hengsbach aus dem Jahre 1975: „Solange hier Katholiken wohnen, haben sie Anspruch auf Seelsorge und Kirche.“ Der demografische Wandel sowie zunehmend rückläufige Zahlen bei Kirchenmitgliedern und Gottesdienstbesuchern wirkten sich in den folgenden Jahren aus. Wirtschaftliche Gründe zwangen auch das Ruhrbistum, sich von Liegenschaften zu trennen. Der letzte Gottesdienst in der Kirche St. Bernhard, die nach einem Entwurf des Architekten Eberhard Michael Kleffner erbaut wurde, fand am 21. Februar 1999 statt.

Die Aufstellung der Tafel hat Franz Josef Gründges nach eigenem Bekunden tief berührt. „Damit ist ein persönlicher Wunsch und der Wunsch des Historikers und Zeitgenossen Gründges endlich in Erfüllung gegangen. Susanne Asche hat entscheidenden Anteil daran“, dankte der 74-Jährige der Vorsitzenden des Borbecker Bürger- und Verkehrsvereins.

>>> Die Seelsorger von St. Bernhard im Brauk

Die Seelsorger: Die Salesianerpatres Anton Tietz (1946-50) und Hugo Ophey (1950-55), Pater Beda Hernegger OFM (1955-57), Karl Speen (1957-71), Günter Nowottnik (1971-78), Theodor Mure (1978-98).

Die Tafel soll auch an die Menschen im Brauk erinnern, „die nach der Sanierung in den 1970er-Jahren und der Umwandlung des Brauk in ein Gewerbegebiet ihre Häuser und Wohnungen verlassen mussten.

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