Fußballgeschichte

Fußballmuseum zeigt historisches Plakat von Rot-Weiss Essen

Im Jahr 1937 stieg RWE in die Gauliga auf. Der Verein feierte damals Jubiläum. Rechts (mit Hut) Georg Melchers.

Im Jahr 1937 stieg RWE in die Gauliga auf. Der Verein feierte damals Jubiläum. Rechts (mit Hut) Georg Melchers.

Foto: Rot-Weiss-Archiv

Essen-Altendorf.  RWE-Fan André Fabritz erwarb das Plakat aus dem Jahr 1937 vor zwei Jahrzehnten. Nun stellt er es dem Deutschen Fußballmuseum zur Verfügung.

André Fabritz ist Rot-Weiss-Fan. Das sind viele, wohl wahr. Der 59-jährige Paketzusteller, seit 1987 RWE-Mitglied, sammelt (fast) alles, was mit Rot-Weiss zu tun hat. Auch das eignet sich nicht zum Alleinstellungsmerkmal. Bei einem Plakat aus seiner Sammlung ist das etwas Anderes. Man kann es in keinem Fan-Shop kaufen. Es wirbt für die Jubiläumssportwoche zum 30-jährigen Bestehen von Rot-Weiss vom 21. Bis 29. August 1937. Bald wird das Plakat im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund zu sehen sein.

„Ich habe es Ende der 1990er-Jahre auf einer Sportmesse ersteigert“, erzählt Fabritz. Das Plakat lag ausgerollt auf einem Messestand und weckte nicht nur bei ihm Begehrlichkeiten. 100 Mark war das Anfangsgebot. Es ging hin und her. Bei 1000 Mark erhielt Fabritz den Zuschlag. „Man muss schon positiv bekloppt sein“, sagt er und lächelt. Zumal es mit dem Kauf nicht getan war. Er ließ das Papier, das nach Jahrzehnten zu brechen drohte, auf Leinen ziehen und rahmen. Dann kam es an die Wand im Hobbykeller zu den anderen Stücken von Rot-Weiss. Dazu gehören zum Beispiel unzählige VHS-Kassetten mit Szenen aus Rot-Weiss-Spielen, die André Fabritz über viele Jahre lang für den Verein filmte – ehrenamtlich.

Zum Tanz in den „Kronzprinzen“

Das Plakat ist trotzdem ein besonderes Dokument der Vereins-, aber auch der Zeitgeschichte. Die Jubiläumssportwoche stand am Anfang der Saison, die mit dem Aufstieg in die Gauliga endete. Während der Jubiläumssportwoche bestritt Rot-Weiss zum Beispiel zwei „Fußball-Gesellschaftsspiele“ gegen die zukünftigen Konkurrenten Westfalia Herne und Hamborn 07. Heute würde man Freundschaftsspiele sagen. Die Geselligkeit kam beim 30-Jährigen nicht zu kurz. Man traf sich zum Abschluss zu Unterhaltung und Tanz im Saal des Hotels „Zum Kronprinzen“. Unter der Woche gab es abends ein Bierchen im Haus Wollbeck oder bei Knümann. Auch das Alte-Herren-Fußballspiel „Mannschaft d. NSDAP, Kreisleitung Essen gegen Rot-Weiss“ wird auf dem Plakat beworben. Im Anschluss war ein Fußballkommers bei Peters an der Hafenstraße vorgesehen. Geschichte.

Bei den VHS-Kassetten hat André Fabritz aus Platzgründen längst ausgemistet. Das Plakat hing auch lange genug an der Wand, entschied er. Fabritz hätte es verkaufen können. Liebhaber hätten sich wohl gefunden, die ihm den Tausender von damals (und vielleicht noch mehr) gezahlt hätten. André Fabritz kam aber nie in Versuchung. Selbst als RWE-Ehrenmitglied Paul Nikelski, der vor neun Jahren starb, es damals kaufen wollte, lehnte Fabritz dankend ab.

Der Altendorfer hätte das etwa 90 mal 120 Zentimeter große Stück auch dem Verein geben können. Ein Gedanke, den er aber verwarf. „Das Museum hat viel bessere Möglichkeiten, es entsprechend zu präsentieren und zudem können es dort mehr Fußballfreunde sehen.“ Bei einem Besuch in Dortmund kam Fabritz Anfang des Jahres mit Museumsdirektor Manuel Neukirchner, Essener und bekennender Rot-Weiss-Fan, ins Gespräch. Die Sprache kam auch auf das Plakat. Es war der Anstoß für die Leihgabe. In der laufenden Woche will André Fabritz das gute Stück nach Dortmund bringen. Zehn Jahre lang soll es, so wurde es vertraglich vereinbart, als Leihgabe im Fußballmuseum zu sehen sein. Ein kleines Schildchen wird auf den Geber verweisen.

Übrigens: Fast hätte André Fabritz damals auf der Messe noch ein zweites Mal zugeschlagen. Er überlegte kurz, ließ es dann aber. „Es gab auch ein Plakat von ETB Schwarz-Weiß. Heute ärgere ich mich, dass ich es nicht gekauft habe.“

>> DER LINKE SCHUH VON HELMUT RAHN

Das Fußballmuseum stellt auch den linken Schuh von Helmut Rahn, der Spielerpass von Otto Rehhagel und ein weiteres Plakat von Rot-Weiss aus.

Das erinnert an den 1. Mai 1953, einen der größten Tage des Vereins. RWE siegte in Düsseldorf mit 2:1 im DFB-Pokalfinale gegen Alemannia Aachen.

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