Einzelhandel

Frischemarkt in Frintrop als Chance nach Flucht aus dem Irak

Aymen Kamal vor seinem Supermarkt Aorana an der Frintroper Straße in Frintrop. Zum 1. Juli möchte er ihn in Frintrop eröffnen.

Aymen Kamal vor seinem Supermarkt Aorana an der Frintroper Straße in Frintrop. Zum 1. Juli möchte er ihn in Frintrop eröffnen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Frintrop.  Er ist mit seiner Familie aus dem Irak geflohen, nun eröffnet Aymen Kamal an der Frintroper Straße in Frintrop einen Frischemarkt.

Frisches Obst, Gemüse, mediterrane Gewürze und Öle, Fleisch und Spezialitäten aus der türkisch-arabischen Küche sollen ab dem 1. Juli das Warenangebot in Frintrop ergänzen. Längere Zeit hatte die Initiative „Wir für Frintrop“ nach einem Nachfolger für das rund 200 Quadratmeter große Geschäft gesucht. Man wollte nach mehreren Wechseln nicht irgendeinen, sondern den passenden Mieter. Der wurde, so hoffen die Frintroper, im April gefunden. „Familie Kamal hat das beste Konzept vorgelegt“, sagt Manfred Funke-Kaiser, Geschäftsmann und Sprecher der Initiative.

„Wir halten zusammen“ lautet das Motto in Essen-Frintrop

Mit dem Einzug von Einzelhändler Aymen Kamal soll die Attraktivität des an Dellwig und Bedingrade grenzenden Stadtteils weiter gefördert werden. „Wir halten zusammen“ lautet in Corona-Zeiten das Motto in Frintrop, wie seit Mitte April das überdimensionale Werbebanner am Höhenweg/Ecke Frintroper Straße für alle sichtlich verdeutlicht. Weil man derzeit wegen des Virus` keine Veranstaltungen anbieten kann, wirbt Funke-Kaiser für den Zusammenhalt. Den scheint es nicht nur auf dem Papier zu geben.

Kamal jedenfalls fühlt sich bereits vor der Eröffnung seines Aorana-Markets sehr gut aufgenommen. Vor sechs Jahren hat er seine Heimat, den Nordirak, mit der Ehefrau und drei Töchtern verlassen, um in Deutschland um Asyl zu bitten. Inzwischen ist in Deutschland auch ein Sohn geboren. „Ich wohne noch in Altendorf. Aber wir möchten gern nach Frintrop ziehen, auch um näher am Geschäft zu sein“, sagt der Inhaber des neuen Frischemarktes. Den Namen trägt das Geschäft zu Ehren seiner jüngsten Tochter Aorana (9). Das A am Anfang wird nicht gesprochen. „Man sagt Orana“, erklärt Kamal.

Spezialitäten aus dem türkischen und arabischen Raum

Noch sind nicht alle Regale gefüllt. Aber die ersten Spezialitäten aus dem türkischen und arabischen Raum wecken Appetit auf mehr. Die Nachfrage sei groß, weiß Kamal, der Wert auf Qualität legt. Täglich will er frische Produkte anbieten und sie ansprechend präsentieren. Und zur Eröffnung dürfen sich die Kunden auf Besonderes freuen. Die Weizenspeise Bulgur, Hauptnahrungsmittel in der Türkei und im Vorderen Orient, hält er gleich in vielen Variationen bereit. Damit lässt sich Leckeres mit Gemüse oder Fleisch zubereiten. Und wer Rezepte sucht, ist im Aorana Frischemarkt richtig. „Wir geben gern Kochtipps“, so der 43-Jährige.

Viele Frintroper erinnern sich an den ehemaligen Frischemarkt der Familie Plassmann. Er wurde 2016 geschlossen und war ein Traditionsgeschäft, gegründet von den Gebrüdern Plassmann vor über 100 Jahren als Futtermittelhandel. „Es lag gegenüber von Herrn Kamals Laden“, erzählt Funke-Kaiser. Was die Kunden dort geschätzt hätten, sei das kleine, aber feine Sortiment gewesen. Hier wolle Kamal anknüpfen. Oliven in Dosen, Nuss-Variationen, Öle und orientalische Gewürze liegen bereit.

Ergänzung zum vorhandenen Discounter-Sortiment

„Viele Passanten fragen, wann wir eröffnen“, berichtet er. Sie freuen sich auf Frischfleisch, Obst und Gemüse und allerlei Spezialitäten - demnächst gleich um die Ecke. Als Ergänzung zum vorhandenen Discounter-Sortiment. „Wir haben vorher eine Bedarfsanalyse erstellt und ein Vermarktungskonzept vorgelegt“, erzählt Funke-Kaiser.

Im April hatte Kamal mit der Renovierung begonnen. Die Vermieter überließen ihm vor dem offiziellen Mietbeginn die Räume. Innen und außen wurde fleißig gewerkelt. „Gerade ist die Fleischtheke gekommen“, freut sich Sufian Juma beim Pressebesuch. Der 40-Jährige stammt ebenfalls aus dem Irak und wird Hähnchen und andere Waren verkaufen.

Das Angebot im Frischemarkt ist „halal“, orientiert sich also an den Koranvorschriften, die unter anderem Schweinefleisch und Alkohol verbieten. „Ein hochwertiges Obst- und Gemüsegeschäft kann an diesem Standort als Frequenzbringer funktionieren“, hofft Manfred Funke-Kaiser, der den neuen Händler im Quartier willkommen heißt und ihm Erfolg wünscht. „Für Kunden aus Unterfrintrop ist das Geschäft über den Höhenweg bestens zu Fuß zu erreichen“, fügt er hinzu. Und ein paar Parkboxen vor dem Laden gibt es aber auch.

Mit Bedauern musste die Initiative die für den 11. September geplante „Shopping-Nacht“ wegen der Corona-Beschränkungen absagen. Es wäre die achte Auflage der nicht nur im Stadtteil beliebten Einkaufsveranstaltung gewesen. Vielleicht winkt im Dezember ein kleiner Ersatz: Geplant wird ein Adventswochenende für alle Bürger, Geschäftsleute und Vereine.

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