Chormusik

Der Chor „Nadeshda“ bringt die Wolga-Romantik ins Revier

Seit 20 Jahren gut bei Stimme: der deutsch-russische Chor „Nadeshda“, hier bei einer Aufnahme vom Januar dieses Jahres.

Seit 20 Jahren gut bei Stimme: der deutsch-russische Chor „Nadeshda“, hier bei einer Aufnahme vom Januar dieses Jahres.

Foto: Chor

Essen-Bochold.   Der deutsch-russische Chor Nadeshda feiert sein 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläumskonzert erklingt in der Dreifaltigkeitskirche in Bochold.

Sie singen von Sehnsucht und Liebe, sorgen für Wolga-Romantik im Revier. Vor 20 Jahren gründete sich der deutsch-russische Chor „Nadeshda“ spontan nach einer Bus-Tour für Spätaussiedler.

„Nadeshda“ bedeutet „Hoffnung“ auf Russisch. Im Jahr 1999, als der Chor in Essen entstand, zählte er ungefähr 30 Mitglieder. Wie heute. „Über all die Jahre gab es wenig Fluktuation“, sagt Wolfgang Hirtz (73). Er gehört seit 2005 dazu und ist einer von zwei Deutschen unter Sangesbrüdern und -schwestern. Sie sind aus Gebieten der ehemaligen Sowjetunion, der Ukraine, Kasachstan, Weißrussland und Moldawien nach Essen gekommen.

Im „Kreuzer“ die musikalische Heimat gefunden

Im „Kreuzer“ in Bergeborbeck haben sie eine musikalische Seelenheimat gefunden. Einmal pro Woche wird an der Friedrich-Lange-Straße geübt. Seit 2009 leitet Chorleiterin Natalia Keller (54), die in Kiew aufwuchs, die Geschicke. Seit 15 Jahren lebt sie mit Mann und Sohn in Steele. „Die Proben sind für uns Anlaufpunkt, tägliche Sorgen für ein paar Stunden zu vergessen.“

Das osteuropäische Riesenreich hat es Hirtz schon zu Kindesbeinen angetan. Da lag es noch hinter dem Eisernen Vorhang. Der Don-Kosaken-Chor sowie der 2008 verstorbene Schlagersänger Iwan Rebroff – der ein Deutscher war und Hans Rolf Rippert hieß – machten russische Volksweisen populär. Zweimal reiste Hirtz aus Rüttenscheid ins Land von Balalaika, Wodka und Wolga: 1985 nach Moskau, 1988 nach Usbekistan. Er hat russische Freunde und schätzt ihre Kameradschaft.

Deutsche und russische Volkslieder im Wechsel

Kulturaustausch gehört dazu: „Wir singen oft auch deutsche Volkslieder“, so der Rentner. Ferner sei Kirchliches im Repertoire, etwa das „Ave Maria“. Es ist einer von rund 20 Beiträgen der rund zweistündigen Jubiläums-Gala in der Borbecker Dreifaltigkeitskirche. „Kalinka, Kalinka …“ gibt es als Zugabe obendrauf. Der über 150 Jahre alte Ohrwurm ist einem Strauch gewidmet, nicht etwa einer Frau. Der Name ist die Verkleinerung von „Kalina“, was im Deutschen die Beere heißt.

Wunderschön traurig öffnen russische Volksweisen die Herzen der Zuhörer. Doch nicht nur Melancholie, auch Heiterkeit schwingt mit. Hirtz berichtet von fröhlichen Feiern bei den Sängern. Piroggen-Teigtaschen, Salzgurken, Tee und natürlich der ein oder andere Wodka kommen auf den Tisch, wenn die Mitglieder die deutsch-russische Freundschaft besiegeln. Auch dann wird gesungen. Doch wie kann man als Deutscher ohne Sprachkenntnisse russische Lieder schmettern? „Ich schreibe mir die Texte in Lautschrift unter die Noten.“ Mit Erfolg: Russen sagen, er habe keinen Akzent. Und auch das rollende „rrr“ bereite ihm keine Probleme.

„Hokus Pokus“ heißt der eigene Chor-Nachwuchs

„Hokus Pokus“ heißt der Nachwuchs. Aus eigenen Reihen. Die rund 20 Mädchen und Jungen stehen ebenfalls zum 20-Jährigen auf der Bühne. „Die kleinen Sänger versetzen uns und das Publikum immer wieder in Erstaunen und Begeisterung.“ Auch sie werden von Natalia Keller ausgebildet. Apropos: Hirtz hat 1989 professionelle Gesangsstunden absolviert. Mit dem Sinatra-Klassiker „My Way“ legt er beim Konzert ein Solo hin – am Akkordeon begleitet von Valentina Petruschewskaja, Konzertmeisterin aus Moldawien.

Drei- bis viermal pro Jahr steht der Chor vor großem Publikum. Am 25. Mai singt er im Paulushof in Heisingen. Man kann „Nadeshda“ zu verschiedenen Anlässen buchen. Programme werden individuell abgesprochen und gestaltet.

>>NEUE MITSÄNGER SIND IMMER WILLKOMMEN

  • Das Jubiläumskonzert am Samstag, 4. Mai, findet von 16 bis 18 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche, Stolbergstraße 54, statt.
  • Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
  • Wer mitsingen will, kann sich an Wolfgang Hirtz wenden, Tel.: 77 66 87.

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