KSV Borbeck 1920

Borbecker Kraftsportler bangen um lieb gewonnenes Zuhause

Gemeinsam stark: Mit voller Energie setzen sich die KSV-Mitglieder für eine sportliche Zukunft ein. 2020 wird der Borbecker Verein 100 Jahre alt.Fotos:Carsten Klein

Gemeinsam stark: Mit voller Energie setzen sich die KSV-Mitglieder für eine sportliche Zukunft ein. 2020 wird der Borbecker Verein 100 Jahre alt.Fotos:Carsten Klein

Essen-Bochold.   Seit 70 Jahren ist die Sporthalle an der Germaniastraße das Zuhause des KSV Borbeck 1920. Der Abriss droht. Die Kraftsportler möchten bleiben.

Als Gewichtheber, Bankdrücker und ehemalige Ringer sind es die Mitglieder des KSV 1920 Borbeck durchaus gewohnt, auch schwere Brocken zu stemmen oder aus dem Weg zu räumen. An einem Problem jedoch könnten sich die zähen Kraftsportler in Zukunft die Zähne ausbeißen. Denn da die altehrwürdige Sporthalle an der Germaniastraße in Bochold, in der der KSV seit über 70 Jahren zu Hause ist, vor dem Abriss steht und irgendwann in den kommenden zwei, drei Jahren einem Hallenbad weichen muss, weiß man bis heute nicht, wohin danach die Reise geht. Oder ob’s überhaupt weitergeht.

Die urige Sporthalle haben sie lieb gewonnen

Dass man eines Tages wird umziehen müssen, ist bei den rund 40 Vereinsmitgliedern gar nicht mal das größte Problem. Obschon sie die weit über 100 Jahre alte und äußerst urige Sporthalle durchaus irgendwie lieb gewonnen und sich vor allem mit ihren teils tonnenschweren, nicht verrückbaren Übungsgeräten dort auch pragmatisch eingerichtet haben, schätzen sie ein neues Hallenbad durchaus. Eine klare Aufwertung für die Gegend, da sind sich alle einig.

Die entscheidenden Fragen jedoch, die sich nicht nur der Vorsitzende Hermann Wibbe vor allem stellt: „Wann geht’s wohin?“ Und für den KSV Borbeck noch weit wichtiger: „Gibt’s dort dann auch geeigneten Platz für unser durchaus spezielles Equipment?“

Aktuell ist der Abriss der Halle für März 2021 geplant, ließ Bernd Hoffacker erst vor wenigen Wochen bei einer Info-Veranstaltung wissen, einer der Sachgebietsleiter bei den Sport- und Bäderbetrieben, die diese Halle „unter ihren Fittichen“ haben. Könnte aber auch schneller gehen. Oder aber noch länger dauern, denn die Neubaupläne für das Stadtbad hängen von der Entwicklung des noch lange nicht genehmigten Bebauungsplans Germania-/Jahnstraße ab.

Tonnenschwere Übungsgeräte

Das alles hilft dem KSV aktuell aber nicht wirklich weiter. Sich etwa dem KSV Essen 1888 anzuschließen oder dort nach einem „Unterschlupf“zu fragen, ist kaum realistisch. „Das ist in Stoppenberg und für viele von uns einfach unpraktisch und zu weit weg“, schätzt etwa Sebastian Dietz, Wibbes Stellvertreter und mit 31 Jahren einer der Jüngsten im Club, obwohl auch er schon ewig und drei Tage dabei ist. „Wir hoffen einfach, dass zu dem neuen Hallenbad dann auch eine kleine Sporthalle gebaut wird, die sich auch für uns eignet.“

Selbstgebaute Kraftmaschine

Heißt im Klartext: Der KSV braucht erst einmal einen Platz für die Zeit, in der die alte Halle abgerissen wird, die möglicherweise neue aber noch nicht fertig ist. Und er braucht einen gewissen Platz im dann irgendwann neuen Zuhause, wo etwa der über eine Tonne schwere Wettkampfboden verlegt werden kann, auf dem man die Gewichte ablegt. Oder wo die einst selbstgebaute Kraftmaschine fest verschraubt werden kann.


Die Trainingsgeräte sind ziemlich schwer

Fußbälle oder Tischtennisplatten, die langjährige Vereinsmitglieder wie Winfried Kalkhoff oder Udo Wegner natürlich auch hier und da mal nutzen, sind beweglich. Aber die Drückerbänke? Die Beinpresse? Das Wandgestell für die Wettkampfstangen oder der Schrank für die Kurzhanteln? Mächtig schwer, das alles, vor allem aber schwer unterzubringen.

Und so können Hermann Wibbe (74), seit 55 Jahren im Verein und seit 1983 Vorsitzender, und seine Kollegen nur hoffen, dass sich das Blatt auch zu ihren Gunsten wendet.

2020 wollen sie doch schließlich ihr Hundertjähriges feiern.

>>> Ein paar Eimer Wasser statt Duschen

Die Idee, den KSV Borbeck zu gründen, wurde im Dezember 1919 in der Gaststätte „Lindenhof“ geboren. Anfangs gehörten nur Ringer zum Verein, der ab 1920 in der Gaststätte „Kislat“ trainierte, im großen Tanzsaal, wie das früher üblich war, weil es kaum geeignete Turnhallen gab. Fehlende Duschmöglichkeiten wurden kurzerhand durch einige Eimer Wasser ersetzt . . . 1930 gewannen Fritz und Karl Bille, Fritz Stickdorn, Fritz Kucklack, Anton Genter, Heinrich Barcak, Leo Grahli und Theo Kossner die Westdeutsche Meisterschaft.

1933 folgte ein kurzzeitiger Zusammenschluss mit dem KSV Essen 1888, dann wurde der ASV Borbeck gegründet, der noch vor dem Zweiten Weltkrieg mit der Turngemeinde Borbeck zu einem von der Regierung geforderten Großvereine fusionierte. Kurz nach Kriegsende lebte der alte Kraftsportverein wieder auf, und eingangs der 1950er Jahre fand auch das Gewichtheben mehr und mehr seinen Platz im Verein.

Eines der größten Talente seitdem neben Klaus Zimmermann und Wilfried Matzat ist Robert Kopocz, 1974 Mitglied im C-Kader der deutschen Jugendheber. 1980, mit 22 Jahren, erzielte er mit 247,5 Kilogramm im Zweikampf (Reißen: 110kg; Stoßen: 137,5kg) sein bestes Ergebnis.

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