Wohnbörse für Behinderte

Auf der Wohnbörse können Behinderte ein neues Zuhause finden

Eigentlich wollten Matthias Müller (l.) und Jan Krüger zusammenziehen. Doch dazu sind sie zu unterschiedlich, stellten sie rechtzeitig fest. Sie wollen auf der Wohnungsbörse für Behinderte nach Alternativen suchen. Sozialpädagogin Petra Pajonk von der Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstelle, kurz Kokobe, berät die Männer.

Eigentlich wollten Matthias Müller (l.) und Jan Krüger zusammenziehen. Doch dazu sind sie zu unterschiedlich, stellten sie rechtzeitig fest. Sie wollen auf der Wohnungsbörse für Behinderte nach Alternativen suchen. Sozialpädagogin Petra Pajonk von der Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstelle, kurz Kokobe, berät die Männer.

Foto: Christof Köpsel

Essen.   Wohnungen für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung sind schwer zu finden. In der Weststadthalle geht es am 10. April um Kontakte.

In Zeiten, in denen preiswerter Wohnraum sowieso Mangelware ist, haben es Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung schwer, für sie geeignete Wohnmöglichkeiten zu finden. Deshalb lädt die Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung (Kokobe) für Mittwoch, 10. April, zu einer speziellen Wohnbörse ein.

Die alle zwei Jahre stattfindende Börse findet zum sechsten Mal statt. Die Gründe, warum Behinderte eine neue Wohnung suchten, seien vielfältig, erläutert Sozialpädagogin Petra Pajonk von der Beratungsstelle, die dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) angegliedert ist. „Oft haben die Eltern ihre behinderten, inzwischen erwachsenen Kinder lange betreut. Irgendwann können sie das aus Altersgründen nicht mehr und müssen eine andere Lösung finden“, erklärt Petra Pajonk.

Zwischenmenschliche Aspekte sind wichtig

Manchmal fühlten sich behinderte Menschen in ihrer aktuellen Wohnsituation auch einfach nicht mehr wohl, wollten aus einem Heim lieber in eine Wohngruppe umziehen oder die Gruppe wechseln. „Oft suchen sie einfach Mitbewohner, die geistig mit ihnen auf einer Ebene sind und mit denen sie sich auf Augenhöhe austauschen können“, erläutert die Sozialpädagogin.

Sie unterstützt Familien wie die Eltern (beide 71) einer 46-jährigen Tochter, die unter einer Spastik leidet. Sie habe in einer Werkstatt gearbeitet, sei aber jetzt arbeitslos. „In ihrer sehr großen Wohngemeinschaft kommt sie aufgrund einer Depression und ihrem manchmal aggressiven Verhalten nicht mehr gut klar. Wir suchen deshalb eine kleinere Wohngemeinschaft für unsere Tochter, in der man auf ihre psychischen Probleme besser eingehen kann“, sagt der Vater, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte.

„Menschen mit und ohne Behinderung brauchen im Leben gelegentlich eine Veränderung, auch in Bezug auf die Wohnsituation“, weiß Petra Pajonk. Auf dem Wohnungsmarkt seien Räume für Behinderten-Wohngemeinschaften nur schwer zu finden. Sie müssten – gerade für Rollstuhlfahrer – eine gewisse Größe und eine eigene Nasszelle haben und natürlich barrierefrei sein. Für WGs sei ein Gemeinschaftsraum wichtig. „Leider sind solche Wohnungen Mangelware, sie müssen eigentlich bei Neubauten gleich mitgeplant werden. Die Bereitschaft dafür ist aber auch bei Wohnungsgesellschaften nicht sehr groß“, weiß Petra Pajonk aus Erfahrung.

Bei unterschiedlichen Gewohnheiten drohen Konflikte

Manchmal scheitern Wohnprojekte aber auch an persönlichen Dingen. Die beiden Rollstuhlfahrer Matthias Müller und Jan Krüger waren eigentlich schon soweit, dass sie zusammenziehen wollten. Doch die Wohnung, die sie hätten mieten können, hatte zwei ganz unterschiedlich große Räume, nur einer hatte Zugang zum Balkon. „Das wäre nicht gerecht zu lösen gewesen“, so die Sozialpädagogin. Auch wenn einer Raucher sei und der andere nicht, seien Probleme vorprogrammiert.

Die Wohnbörse soll vor allem die Kontaktaufnahme zu den Trägern der Behindertenhilfe in Essen erleichtern. Die Betroffenen und ihre Angehörigen können sich in der Weststadthalle über die Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Insgesamt seien 15 Anbieter des Ambulanten Betreuten Wohnens und ihre angegliederten Pflegedienste sowie erstmals auch fünf Familienunterstützende Dienste bei dem Aktionstag vertreten. Informationen gibt es auch zur Finanzierung von Wohnprojekten.

>>>WOHNBÖRSE FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

  • Die sechste Wohnbörse für Menschen mit Behinderung in Essen findet am Mittwoch, 10. April, 10 bis 15 Uhr, in der Weststadthalle, Thea-Leymann-Straße 23, statt.
  • Der Eintritt ist frei. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich. Die Schirmherrschaft übernimmt Sozialdezernent Peter Renzel. Infos bei Petra Pajonk unter Telefon 860 72 77 oder Petra.pajonk@kokobe-essen.de

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