Altendorf und Krupp

Altendorf erinnert an Kruppsche Kolonie „Kronenberg“

Reinhard Matten (l.) und Reinhard Mielke vom Altendorfer Bürgerverein an der Gedenktafel, die unter anderen einen Lageplan sowie ein Bild von den typischen Siedlungshäusern zeigt. Zudem gibt es Informationen zu „Kronenberg“.

Reinhard Matten (l.) und Reinhard Mielke vom Altendorfer Bürgerverein an der Gedenktafel, die unter anderen einen Lageplan sowie ein Bild von den typischen Siedlungshäusern zeigt. Zudem gibt es Informationen zu „Kronenberg“.

Foto: Vladimir Wegener

Essen-Altendorf.   „Kronenberg“ bedeutet für viele Altendorfer „Einkaufszentrum“. Daran, dass so eine Krupp-Kolonie im Stadtteil hieß, erinnert der Bürgerverein.

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Links sieht man das neue Krupp-Gebäude. Rechts wartet ein Getränkemarkt auf die durstige Kundschaft. Dazwischen erstreckt sich das Kronenberg-Center. Davon, dass hier einst die Krupp-Kolonie „Kronenberg“ stand, in der 8000 Menschen ein Zuhause hatten, ist nichts mehr zu sehen. Davon wissen nur noch die Älteren. Der Altendorfer Bürgerverein will verhindern, dass dieses Kapitel der Stadt(teil)geschichte gänzlich in Vergessenheit gerät. Vorsitzender Reinhard Matten und Schriftführer Reinhard Mielke stellten an der Ecke Haedenkamp-/Sälzerstraße eine Gedenktafel auf.

Anstoß gab ein Vortrag des Architekten Wolfgang Zimmer

Den Anstoß gab ein Vortrag des Essener Architekten Wolfgang Zimmer zur Siedlung „Kronenberg“, die in den Jahren 1872 bis 1874 gebaut wurde, gut 1500 Wohnungen hatte und mit 19 Hektar die größte Kruppsche Kolonie war. Sie war modern, bot nicht nur Platz zum Wohnen, sondern beherbergte auch Freizeiteinrichtungen.


Unter den aufmerksamen Zuhörern in der Bierhalle, dem einzigen Gebäude, das von der Kolonie übrig geblieben ist, saß Reinhard Mielke. „Das Thema hat mich seitdem nicht mehr losgelassen“, erzählt der 76-Jährige gebürtige Hamburger und seit ein paar Jahren Altendorfer. Beim Bürgerverein stieß der Ingenieur mit seiner Idee, die Erinnerung wachzuhalten, auf offene Ohren.

Teilabriss wegen Ausbau der Produktionsstätten

1938/39 wurde ein Teil der Kronenberg-Siedlung abgerissen. Krupp brauchte mehr Produktionshallen. „Der Rest der Siedlung wurde dann bei Bombenangriffen zerstört“, erzählt Reinhard Mielke. Lange Zeit lag das Gelände danach brach, bis 2011 das Kronenberg Center entstand.

„Wenn Krupp nicht gewesen wäre, wären wir vermutlich noch heute das, was im Namen Altendorf steckt: ein Dorf“, beschreibt Reinhard Matten die Bedeutung des Unternehmens für den Stadtteil.

Bürger können weitere Standorte für Info-Tafeln vorschlagen

Neben „Kronenberg“ gebe es sicherlich weitere Orte in Altendorf, an die es sich zu erinnern lohne. Ideen wollen Reinhard Matten und Reinhard Mielke (noch) nicht nennen. Vielmehr wollen sie die Bürger ins Boot holen. „Wer mögliche Standorte für Gedenktafeln kennt, kann sie uns gerne vorschlagen“, sagt Matten.


Der Traum wäre, jedes Jahr ein Schild in Altendorf zu installieren. Der 65-Jährige verschweigt allerdings nicht, dass eine solche Erinnerungskultur auch Geld kostet, das der Verein nicht hat. Einen vierstelligen Betrag habe zum Beispiel die Kronenberg-Tafel gekostet, „wobei wir den Betrag durch Sponsoren noch nicht komplett gedeckt haben“.

Ein Anfang sei auf jeden Fall gemacht, so Reinhard Matten. Die Erinnerung an die Geschichte ist für den Bürgerverein aber nur eine Seite der Medaille. „Wir denken auch an die Zukunft, denn durch solche Aktionen soll nicht zuletzt das Image des Stadtteils aufgebessert werden“, sagt Reinhard Matten.

>>> Siedlung hatte einen Ortskern mit Marktplatz

Die Kronenberg-Kolonie hatte einen Ortskern mit Marktplatz, einer Parkanlage mit Konzertbühne sowie Gemeinschaftseinrichtungen.

Auf die gesamte Siedlung verteilt gab es Ausgabestellen der Konsumanstalt, eine Apotheke sowie Spielplätze. Im Südosten, außerhalb der Kolonie, gab es drei Schulgebäude.

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