Musiktheater

Bettina Ranch als „Sesto“: Die Hosenrolle als Herzenssache

Mit Charme und strahlendem Lachen: Bettina Ranch ohne Maske.

Foto: Ulrich von Born

Mit Charme und strahlendem Lachen: Bettina Ranch ohne Maske. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Bettina Ranch wird in der Mozart-Oper „Titus“ als Verräter mit Gemüt gefeiert. Männer-Partien haben der Berlinerin schon große Erfolge beschert.

Schicksalsmomente kündigen sich meist beiläufig an. Da wird aus einer Ersatzbesetzung plötzlich ein künstlerischer Durchbruch, gefeiert vom Aalto-Publikum, das diese Herzensdame in Hosen spontan mit Jubel überschüttet. Bettina Ranch hat der „Titus“-Premiere im Aalto-Theater einen Auftritt beschert, der nicht nur die Kritiker zu Lobeshymnen hinriss. So seelentief, so biegsam in jeder Windung ihres Schmerzes wurde ihre Arie „Parto, parto, ma tu ben mio“ zu einem der großen Glücksmomente in der noch jungen Karriere der Mezzosopranistin, die am Aalto gerade ihre erste Spielzeit beendet.

Im luftigen Sommerkleid und mit offenem Haar hat die gebürtige Berlinerin dabei so gar nichts von diesem Unglücksraben und Missetäter Sesto, der aus Liebesblindheit zum Verräter an seinem eigenen Freund wird. Und doch haben die Hosenrollen Bettina Ranch bislang Glück gebracht. „Meine ersten Opernerfahrungen waren Männerrollen“, sagt die Sängerin.

Für Händels „Ariodante“ und den „Julius Caesar“ steigt sie zum ersten Mal in die Beinkleider. Und nun der „Sesto“, den sie kurzfristig als Schwangerschaftsvertretung übernahm. „Eine Traumpartie, seit ich ans Singen denke“, sagt Bettina Ranch. Und ans Singen denkt sie früh, schon mit drei Jahren will sie eigentlich nichts anderes. Kein Wunder, gehört die Musik in der Familie doch von kleinauf dazu. Der Vater Konzertmeister, die Mutter ausgebildet in Gesang und Orgelmusik – wenn Bettina Ranch aus ihrer Kindheit plaudert, dann sind das keine Geschichten vom Jugendtreff oder aus der Diskothek, sondern aus der Komischen Oper, wo sie ihre halbe Jugend mit Verdi und Puccini verbracht hat. Trotzdem hat sie zunächst Violine studiert und sich dann „privat auf den Gesang gestürzt“. Statt eines Gesangsstudiums wählt sie die Schule des Chorsingens. Wird von Meistern wie Helmuth Rilling schnell als besonderes Talent entdeckt und von der Gächinger Kantorei bald an die großen Häuser in Hamburg und Berlin vermittelt.

Diesen „Vertrauensvorschub“ hat sie in ihrer noch jungen Karriere schon mehrfach erlebt und ihn am Ende mit Glanzleistung zurückgegeben. Beim ersten festen Engagement in Essen will sie die neuen Herausforderungen mit ebensolchem Ehrgeiz meistern: mit der Herodias in „Salome“, der Fricka in der „Walküre“ und in Smetanas „Verkauften Braut“. Ein Werk, bei dem sie jede Partie übernehmen könnte, „die Inszenierung in der Komischen Oper habe ich damals bestimmt 40 Mal gesehen“.

Berlin ist immer noch ihre große Leidenschaft. Für die große Liebe ist sie 2014 nach Düsseldorf gezogen. Das Aalto-Theater ist damit ein Ort, der vieles vereint, musikalische und private Glücksmomente. Gut möglich, dass man Bettina Ranch irgendwann aber auch im Süden Europas mit Topf und Schürze trifft. Neben dem Singen nämlich ist das Kochen ihre zweite Lust. Und im Grunde seien beide Professionen doch artverwandt: „Leute glücklich zu machen, das ist ja heute schon mein Beruf.“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik