Prozess

Betrügerischer Anwalt muss viereinhalb Jahre in Haft

Ein Anwalt aus Essen-Steele hat von 2008 an mehr als 2000 Firmen betrogen. Für seine Machenschaften muss Frank L. nun für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Ein Anwalt aus Essen-Steele hat von 2008 an mehr als 2000 Firmen betrogen. Für seine Machenschaften muss Frank L. nun für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Foto: WAZ FotoPool

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Essen.Ein bürgerliches Leben, ein angesehener Beruf. Vorbei. Am Montag verurteilte das Landgericht Essen den ehemaligen Rechtsanwalt Frank L. aus Essen-Steele wegen Betruges in rund 2000 Fällen zu viereinhalb Jahren Haft. Außerdem ordnete es ein dreijähriges Berufsverbot an.

Die 2000 Fälle sollen nur die Spitze des Eisberges sein. Frank L., vor dem im Internet als „Adressbuchbetrüger“ gewarnt wird, schickte Firmen unaufgefordert Angebote für den Eintrag in eine Internet-Datenbank zu, die wie eine offizielle Rechnung aussahen. Weil diese Firmen kurz zuvor Änderungen im offiziellen Handelsregister eingetragen hatten, dachten sie an echte Rechnungen von Behörden und bezahlten die geforderten 697,34 Euro. Rund 1,5 Millionen Euro nahm die Organisation um Frank L. zwischen 2008 und 2012 mit dieser Masche ein. Der Schaden liegt vermutlich weit höher als die 2000 jetzt abgeurteilten Fälle. Richter Jörg Schmitt, Vorsitzender der XV. Strafkammer: „Hunderttausende Schreiben wurden verschickt.“

Geständiger Komplize zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt

Frank L. war von seinem Mitangeklagten Ron T. (50) belastet worden. Den Komplizen hatte das Gericht schon vor einigen Tagen zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Richter Schmitt hob hervor, dass dieser früh gestanden und bereits 1,6 Millionen Euro Wiedergutmachung geleistet hatte.

Frank L. hatte dagegen erst zum Schluss gestanden. Schmitt bezeichnete es als „grenzwertig“, was der Angeklagte zuvor geboten habe: „Sie sind in der Lage, viel zu reden, ohne etwas zu sagen.“ Die Taten seien schäbig gewesen. Die Folge: Das Lebenswerk des Anwaltes, der aus bürgerlichen Verhältnissen stammt, sei wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen.

Anwalt kann gegen Kaution früher aus der Haft

Er habe auch seine Stellung als Rechtsanwalt missbraucht, als er Rückforderungen der Geschädigten mit anwaltlichen Schreiben zurückwies. Frank L., der sich zur Schadenswiedergutmachung verpflichtete und etwa auf seine Harley Davidson verzichtete, kommt gegen 30 000 Euro Kaution nach neun Monaten U-Haft wieder auf freien Fuß.

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