Bergbau-Ausstellung

Bergbau präsentiert sich im Speisesaal eines Pflegeheims

Udo Schwamborn vor dem Stollen, den er nachgebaut und im Pflegeheim aufgestellt hat.

Udo Schwamborn vor dem Stollen, den er nachgebaut und im Pflegeheim aufgestellt hat.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Schonnebeck.   Es gibt viele Orte für Bergbau-Ausstellungen. Ein Pflegeheim wie das Hospital Zum Heiligen Geist ist trotzdem ein nicht alltäglicher Ort dafür.

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Im Hospital zum Heiligen Geist, dem Pflegeheim der Gesellschaft für soziale Dienstleistungen (GSE), geht es zurzeit zu wie in anderen Pflegeheimen. Das Haus wird auf den Advent vorbereitet. Der Speisesaal wird mit Tannengrün geschmückt. Die Kauenhaken, von denen Socken, hellgraue Arbeitshosen und blaue Hemden mit dünnen weißen Streifen von der Decke baumeln, wollen auf den ersten Blick so gar nicht ins Bild passen. Sie sind Teil der Ausstellung „Wenn die Augen eines Bergmanns leuchten“.

„Hier schließt sich der Kreis. Hier hatte ich 2000 die erste Ausstellung“, sagt Udo Schwamborn, der die Zusammenarbeit mit der GSE und besonders mit dem Team von Heilig Geist lobt. Der 62-Jährige frühere Grubenwehrmann, der mit 20 auf Zollverein begann, sammelt seit 40 Jahren nahezu alles, was mit Bergbau zu tun hat. Mit der Zeit sind tausende Stücke zusammengekommen. Gefunden hat er sie über Anzeigen, Mundpropaganda oder per Zufall auf dem Flohmarkt. Einen Teil davon hat er mit anderen Bergbaufreunden nach Schonnebeck geschafft. Mittlerweile sind sie 15. Meist ehemalige Grubenwehrmänner. Heute packen aber auch ein Autoschlosser und ein Dachdecker mit an. Den Kontakt untereinander halten sie bei aller Liebe zur Tradition über soziale Medien. „Wenn ich schreibe, Kumpels, wir bauen ‘ne Ausstellung auf, sind sie sofort zur Stelle“, erzählt Udo Schwamborn.

Lebensgroße Puppen stellen Rettungsszene nach

Und so füllen sich allmählich Flure und Räume des Pflegeheims mit Zeitzeugen der Bergbaugeschichte. Da steht trotzig die fast eine Tonne schwere Anschlagtafel. Ein Stück weiter wird mit lebensgroßen Puppen eine Rettungsszene der Grubenwehr realistisch nachgestellt. An den Wänden hängen Bergbaumotive der malenden Nonne Tisa von der Schulenburg. In einem Raum ist ein Grubenwehrhelm von 1909 zu bestaunen. In einer Vitrine warten eine verbeulte Trinkflasche und Schnupftabaksdose auf den Besucher. Und im Speisesaal gibt es bald Christstollen und Bergwerksstollen. Letzteren hat Udo Schwamborn nachgebaut und an der Stirnseite des Raumes aufgestellt.

Nur noch drei Dahlbusch-Bomben

Das höchste Ausstellungsstück muss sich übrigens im Speisesaal des Pflegeheims dem geschätzt vier Meter hohen Tannenbaum dann doch demütig beugen. Es ist ein Exemplar der Dahlbusch-Bombe. Äußerlich ähnelt das metallene Gehäuse sehr einem Torpedo. Dabei diente die Dahlbusch-Bombe bei Bergbau-Unglücken als Transportkapsel, um eingeschlossene Kumpel wieder ans Tageslicht zu holen. Beim so genannten „Wunder von Lengede“ wurde sie selbst zur Legende.

„Davon gibt es nur noch drei Exemplare“, sagt Udo Schwamborn stolz. Eines in Bochum und eines in München. Jeweils im Museum. Und eines im Hospital zum Heiligen Geist. Udo Schwamborn macht es Spaß, den Menschen das Leben der Kumpel näher zu bringen. „Aber ich bin 62. Die Schlepperei fällt immer schwerer.“

Entweder ganz oder gar nicht

Und was soll mit der Sammlung passieren? „Wenn ich alles bei Ebay verkaufen würde, könnte ich eine Weltreise machen“, sagt der Mann, dem „Glück auf!“ so viel lockerer über die Lippen kommt als „Guten Tag!“. An Interessenten – private und öffentliche – hat es nicht gemangelt. „Die wollten aber immer nur einen Teil.“

Nicht mit Udo Schwamborn. Entweder ganz oder gar nicht. „Die Sammlung soll einen Platz auf der Zeche Zollverein finden“, erzählt er. Das sei mit Hans-Peter Noll (Stiftung Zollverein) und Theo Grütter (Ruhrmuseum) vereinbart worden. Dann kann er seine Bergbauschätze sehen, so oft er will. „Vielleicht kann ich ja auch mal Führungen machen“, fragt er.

Und seine Augen leuchten.

>>> Die Ausstellung läuft bis März 2019

Die Ausstellung wird am Dienstag, 4. Dezember, im Hospital zum Heiligen Geist, Drostenbusch 61, mit geladenen Gästen eröffnet.

Tags darauf ist sie für jedermann zugänglich. Zu sehen ist „Wenn die Augen eines Bergmanns leuchten“ bis März 2019 täglich, 10 bis 18 Uhr.

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