Konzert

Beifallsstürme: Kammerchor brilliert mit Johannespassion

Der Kammerchor Kettwig vor seinem Auftritt in der Marktkirche. Foto: Reiner Worm

Der Kammerchor Kettwig vor seinem Auftritt in der Marktkirche. Foto: Reiner Worm

Kettwig.   Ein hervorragendes Orchester, starke Solisten und ein konzentrierter Kammerchor Kettwig unter Leitung von Daniel Posdziech - kurz: ein Ereignis.

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Möglicherweise hat sich der ein oder andere gefragt, warum man sich an einem frühlingshaften Aprilsonntag bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad um 17 Uhr Bachs Johannespassion anhören sollte. Doch spätestens, als am Sonntag „le nuove musiche“ aus Ostwestfalen unheilvoll pulsierend die ersten Töne des Eingangschors in die vollbesetzte evangelische Kirche am Markt fluten lassen und der Kammerchor Kettwig mit seinem flehentlichen „Herr, Herr, Herr, unser Herrscher“ einsetzt, ist diese Frage ein für allemal vergessen, und der sich ankündigende Leidensweg Christi wird spürbar.

Nachdem Jesus festgenommen und gefesselt zu Kaiphas gebracht wurde, verleiht Altistin Christine Hoffmann mit der Arie „Von den Stricken meiner Sünden“ der Hoffnung, dass der Mensch dadurch von seiner eigenen Sünde entbunden werde, auf emotionale, jedoch immer klare und niemals übertriebene Weise Ausdruck. Dasselbe gilt auch für Sopranistin Lena-Maria Kramer mit der anschließenden Arie „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“.

Vor Pilatus geführt, entwickelt sich der Dialog zwischen Jesus und dem römischen Statthalter. Auf der einen Seite Marek Reichert als Pilatus, der es gekonnt versteht, sowohl den mächtigen („weißest du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen?“) als auch den nachdenklichen („was ist Wahrheit?“) Mann zu geben; auf der anderen Seite Ralf Rhiel, dem es gelingt, Jesu Standhaftigkeit, aber auch dessen Angst eindringlich zu vermitteln. Je mehr die Dramaturgie auf die Eskalation zusteuert, umso mehr läuft der Chor als aufgebrachte Volksmenge mit seinen Stücken zu Höchstform auf: „Wäre dieser nicht ein Übeltäter“, „nicht diesen, sondern Barrabam!“, „weg, weg mit dem, kreuzige ihn!“

Atemlose Stille: "Es ist vollbracht!"

Als Jesus schließlich gekreuzigt ist und Christine Hoffmann den letzten Ton der Alt-Arie „Es ist vollbracht“ verklingen lässt, herrscht sekundenlang atemlose Stille in der Kirche. Am Ende bleibt der Zuhörer mit der Hoffnung zurück, dass „der Held aus Juda mit Macht siegt“, wir „vom Sterben frei gemacht sind“ und selbst eines Tages vom Tode erweckt werden.

Eine wechselvolle, emotionale Geschichte, die jedes Mal neu berührt, beeindruckend erzählt von Tenor und Evangelist Florian Feth. Mit einem Kammerchor Kettwig, der konzentriert und mit Freude am Singen das Konzept seines Dirigenten Daniel Posdziech, das Musizierte nachzuvollziehen und mitzuerleben, hervorragend umsetzt und so auch das Publikum mit ins Geschehen nimmt. Die Choräle waren durchweg präzise und ausdrucksstark gestaltet und die Texte, auch von den Solisten, waren durchweg gut verständlich. Im Zusammenspiel mit den Instrumentalisten ergab sich ein ausgewogener Gesamt-Klang.

Belohnt wurde diese tolle Leistung durch den minutenlangen donnernden Applaus des begeisterten Publikums, so dass nach und nach die Anspannung von den Gesichtern der gut 40 Sängerinnen und Sängern wich und einem erleichterten Lächeln Platz machte. Gratulation!

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