Arabische Familienclans

Bedrohter Autor sicher: Appell des Essener OB schockte Clans

Mit groß angelegten Razzien versucht die Polizei immer wieder, gegen Clan-Kriminalität in Essen vorzugehen. Für den Buchautor Ralph Ghadban sind die Familienverbände dennoch eine „unterschätzte Gefahr“. Jetzt wird er massiv bedroht – und erhält Rückendeckung von Essens OB Thomas Kufen.

Mit groß angelegten Razzien versucht die Polizei immer wieder, gegen Clan-Kriminalität in Essen vorzugehen. Für den Buchautor Ralph Ghadban sind die Familienverbände dennoch eine „unterschätzte Gefahr“. Jetzt wird er massiv bedroht – und erhält Rückendeckung von Essens OB Thomas Kufen.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Nach Drohungen gegen einen Buchautor nahm sich der OB die Familien-Union vor. Das war hilfreich, sagt der Bedrohte – aber wohl nicht genug.

Dass Essens Oberbürgermeister sich schützend vor einen Buchautor stellt, wenn dieser unverhohlen bedroht wird; dass er zudem eine klare Absage an Gewalt einfordert, wenn derlei Einschüchterungen durch Mitglieder des in Essen beheimateten Vereins Familien-Union „offensichtlich befördert wird“, wie er sagt – eine Selbstverständlichkeit, so könnte man meinen, ein eingeübter politischer Reflex. Doch in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeichnet der betroffene Migrationsforscher Ralph Ghadban jetzt ein anderes Bild.

Wie OB Thomas Kufen die Drohungen anprangerte und sich die Familien-Union vorknöpfte, „war überaus wichtig“, betont Ghadban dort: „Die Clans

waren richtig geschockt.“ Die Familien-Verbände der sogenannten Mhallamiye-Kurden, die der Autor in seinem Buch über „Arabische Clans“ als „unterschätzte Gefahr“ bezeichnet, wähnten sich bis dato „gut vernetzt“ mit Essens OB, den sie bei der Oberbürgermeister-Wahl unterstützt hatten.

Ein zweiter Appell an die Mhallamiye weltweit

Nach Kufens Appell habe der Gründer der Familien-Union nun einen zweiten Appell an die Mhallamiye weltweit abgesetzt: „Jetzt verlangte er von ihnen, sich zu beherrschen. Wenn sie sich von mir beleidigt fühlten, müssten sie sich an die Justiz wenden“, sagt Ghadban im Gespräch mit der FAZ.

Der Berliner Autor, der bereits seine Wohnung in der Hauptstadt wechseln musste und unter Polizeischutz steht, sieht darin gleichwohl keine Entwarnung für sich: „Der Zorn ist sehr groß gegen mich. Der Umstand, dass die Clans ihre eigene Parallelgesellschaft haben, macht sie auch in dieser Situation umso gefährlicher.“

„Pauschal kriminalisiert, diskriminiert und kategorisiert“

Die 2008 gegründete Familien-Union will davon nichts wissen: In einem im Internet-Netzwerk Facebook veröffentlichten offenen Brief an Kufen reklamiert sie dieser Tage für sich, „den sozialen Frieden zwischen Deutschen und Libanesen zu pflegen“. Buchautor Ghadban sei von Mitgliedern der Familien-Union weder bedroht worden, noch habe man Mitglieder dazu angestachelt – obwohl sich viele durch sein Buch über Familienverbände „pauschal kriminalisiert, diskriminiert und kategorisiert“ sähen. Man wolle nicht zusehen, wie Ghadban provoziere.

Der wiederum hat nach eigenem Bekunden drei Strafanzeigen erstattet – gegen jene, die ihn am massivsten bedrohen.

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