Theater

Beatrice und Judith Richter lieben es mal laut, mal leise

Mutter und Tochter als Kolleginnen: Die Schauspielerinnen Judith (li.) und Beatrice Richter stehen zum ersten Mal im Rathaus-Theater auf der Bühne. Foto:

Foto: Socrates Tassos

Mutter und Tochter als Kolleginnen: Die Schauspielerinnen Judith (li.) und Beatrice Richter stehen zum ersten Mal im Rathaus-Theater auf der Bühne. Foto: Foto: Socrates Tassos

Essen.   Beatrice und Judith Richter sind Mutter und Tochter und erstmals Gäste im Rathaus-Theater. Ein Gespräch über Gegensätze und Vertrautheit.

Im wahren Leben Mutter und Tochter, spielen Beatrice und Judith Richter im Rathaus-Theater derzeit zwei Frauen, die sich zunächst als Käuferin und Verkäuferin einer Immobilie begegnen. Doch die „100 Quadratmeter“ bringen die ungleichen Frauen bald nah zusammen. Die Komödie ist das erste große Familien-Projekt der beiden Schauspielerinnen. Als eingeschworene „Drama Queens“ sprachen sie mit Martina Schürmann über Temperamentsausbrüche und Disziplin.

Sie spielen zwei Frauen mit ganz unterschiedlichem Temperament. Ist das im wahren Leben auch so?

Judith Richter: Auf jeden Fall, Mama ist die Extrovertierte, ich bin eher introvertiert.

Beatrice Richter: Bei mir kommt der Temperamentausbruch ganz schnell. Ich kann mich sehr spontan aufregen. Judith ist da eher ein stilles Wasser, aber wenn es brodelt, dann gewaltig. Bei mir sitzt man immer auf einer Bombe. Und das ist auch gut so.

Nicht leicht, sich da zu behaupten.

JR: Das war schon eine Herausforderung. Deshalb wollte ich mit dem Schauspiel-Beruf anfangs auch wenig zu tun haben. Kindergärtnerin oder Eiskunstläuferin: Alles außer Schauspiel, habe ich als Kind gedacht. Eine Weile wollte ich sogar Leistungssportlerin werden, ich war verdammt schnell. Aber dann ging es mit dem Schultheater los und die Sache war klar.

Wie hat Ihre Mutter reagiert?

JR: Sie ist nicht gleich vor Begeisterung in die Luft gesprungen. Aber sie hat meinen Entschluss natürlich unterstützt und mich auch angetrieben: „Dann musst du den Beruf auch von der Pike auf lernen und richtig studieren.“

BR: Das ist ja ein ganz unsicherer Beruf, in dem man langsam reinwachsen muss. Ich bin noch vier Jahre an die Otto-Falckenberg-Schule gegangen. Dann kam das erste Engagement, dann das zweite. Als ich zum Fernsehen ging, war ich schon Anfang 30. Eigentlich hat die Geburt von Judith meine Fernsehkarriere ausgelöst. Wenn man alleinerziehend ist, macht man sich schließlich schon Gedanken, wie man Kind und Schauspielberuf unter einen Hut bringen soll. Aber kaum war Judith geboren, ging der Hype richtig los. Aber das ist nicht immer so geblieben.

Wer in die Fußstapfen einer so berühmten Mutter tritt, der ist natürlich erst mal die „Tochter von“.

JR: Da wird immer ganz genau hingeguckt. Man muss sich doppelt beweisen. Aber auf der Bühne kann mir nichts besseres passieren, als mit meiner Mutter zu spielen. In „100 Quadratmeter“ gibt es einige Textzeilen, die so gut auf uns passen, dass schon Leute fragen: Wurde das Stück für euch geschrieben?

Was haben Sie beruflich von Ihrer Mutter gelernt?

JR. Disziplin. Und dass man für den Beruf ein dickes Fell braucht.

Nehmen Sie auch etwas von Ihrer Tochter mit ?

BR: So langsam lerne ich immer mehr. Geduldiger zu sein, nicht so aufbrausend. Die Judith ist mein Schlichter. Das entspannt mich auch auf der Bühne. Es ist einfach schön, mit jemanden zu spielen, den ich sehr lange kenne. Ich kann mich hundertprozentig verlassen.

Aber wird das Zusammensein auf einer Tournee nicht auch mal eng?

BR: Wir versuchen schon, uns tagsüber aus dem Weg zu gehen.

JR: Weil wir auch ziemlich unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Zum Beispiel?

BR: Ich finde meine Ruhe in ganz viel Krach. Für mich kann es draußen einen Kindergarten und sieben Schulen haben, dann entspanne ich mich. Stille halte ich nicht aus.

JR: Bei mir ist es genau das Gegenteil. Ich mag ganz viel Ruhe. Und gehe lieber zum Sport.

Sie arbeiten zusammen, leben in Berlin. Vorstellbar, irgendwann gemeinsam eine Immobilie . . . ?

BR: Den Satz brauchen Sie gar nicht zu Ende zu bringen.

JR: Auf gar keinen Fall!

BR: Zusammen wohnen, das kann ich gar nicht. Ich bin ein geborener Eremit. Ich mag Geräusche, aber bitte nicht von einem einzelnen.

Die Komödie„100 Quadratmeter“ ist noch bis zum 12. November im Rathaus-Theater zu sehen. Karten: 0201-24 555 55.

www.theater-im-rathaus.de

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