Kirchenmusik

Baustellenkonzert mit Bischof: Bistum schafft Raum für Chöre

Ein ungewöhnlicher Auftrittsort für die Essener Domsingknaben: Auf dem Baugerüst unterm ausgebauten Dach empfingen die jungen Sänger und Chorleiter Harald Martini die die Ehrengäste.

Ein ungewöhnlicher Auftrittsort für die Essener Domsingknaben: Auf dem Baugerüst unterm ausgebauten Dach empfingen die jungen Sänger und Chorleiter Harald Martini die die Ehrengäste.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Bischofsbesuch mit Bauhelm: Essens Haus der Kirchenmusik ist derzeit Baustelle. 2021 sollen Chöre mehr Raum finden. Kirchenmusik erlebt Zulauf.

Dass die Essener Kirchenmusik derzeit ungewöhnliche Zeiten erlebt, das wurde beim Besuch von Oberbürgermeister Thomas Kufen und Bischof Franz-Josef Overbeck auf der Baustelle des Hauses der Kirchenmusik gleich in mehrfacher Hinsicht deutlich. Selten genug, dass man nur sieben von sonst 144 Essener Domsingknaben beim Auftritt erlebt. Und das auch noch an einem ausgefallenen Ort: Auf einem Baugerüst zwischen Zementsäcken und Trockenbauplatten begrüßten die jungen Sänger die mit Bauhelm ausgerüsteten Ehrengäste mit einem zauberzarten „Der Mond ist aufgegangen“.

Nicht nur die Corona-Pandemie verlangt von den jungen Musikern des Bistums Essen derzeit viel Flexibilität. Auch der Umbau der Kirchenmusik-Immobilie stellt die jungen Sängerinnen und Sänger schon seit einigen Monaten auf die Probe. Denn nicht nur die Pandemie, auch einige beim Bauen im Bestand nicht unübliche Verzögerungen haben den Umzug ins alte, aber runderneuerte Gebäude an der Ribbeckstraße nach hinten verschoben.

Das umgebaute Haus soll für städtebauliche Aufwertung sorgen

Dafür soll die Kirchenmusik in Essen ab dem Sommer 2021 nicht nur mehr Raum und bessere Akustik vorfinden. Auch die bislang recht unscheinbare 60er-Jahre-Immobilie vis-à-vis des Rathauses soll dann mit neuen großen Fenstern, der hellen Fassade und einem offenen Foyer für eine städtebauliche Aufwertung sorgen, verspricht Architekt Christian Wiechers.

„Der Bau wird der Qualität der Chöre entsprechen“, lobt Oberbürgermeister Thomas Kufen, man sei „sehr stolz auf die Kirchenmusik in dieser Stadt“. Neben den Domsingknaben, dem Domchor und dem Mädchenchor am Essener Dom ist dort auch die Kirchenmusikschule untergebracht, die jene für das musikalische Gemeindeleben im Ruhrbistum so wichtigen Musiker ausbildet, die Gottesdienste mit Orgelspiel und Gesang begleiten. Wobei Corona die Chormusik derzeit praktisch unmöglich mache, bedauert der Ruhrbischof.

Weil Musik aber mit Gemeinschaft zu tun hat, wie Overbeck betont, ist das Haus der Kirchenmusik weit mehr als Unterrichtsraum, sondern für viele der Jugendlichen auch ein wichtiger Aufenthaltsort. „Die Jungen kommen mindestens zwei Mal die Woche zum Unterricht“, erklärt Harald Martini, Chorleiter der Domsingknaben. Manche seien aber auch täglich im Haus, nutzen das Angebot der Stimmbildung oder des Instrumentalunterrichts. Um das „jungendpastorale Angebot“ künftig noch weiter ausbauen zu können, mit Raum zum Hausaufgaben machen, aber auch zum Spielen und Freizeitverbringen, wurde das Haus der Kirchenmusik nun buchstäblich aufgestockt.

„Unterm Dach haben wir den zweiten Probensaal gefunden“, sagt Architekt Wiechers. So hat nun endlich auch der Mädchenchor einen eigenen Probenort, endet die Zeit der Provisorien. Mit den zusätzlich geschaffenen 220 Quadratmetern begegne man auch der steigenden Qualität und Nachfrage der Essener Domsingknaben, sagt Architekt Wiechers. So konnte Chorleiter Martini die Zahl der jungen Sänger in den vergangen Jahren mehr als verdoppeln.

Die Essener Domsingknaben erleben einen regen Zulauf

Der Zulauf ist groß, auch wenn das gemeinsame Singen in Corona-Zeiten zur logistischen Herausforderung geworden ist. Derzeit seien die Chormitglieder auf 22 Kleingruppen aufgeteilt, um jedem Jungen zumindest eine wöchentliche Unterrichtseinheit zu ermöglichen, geprobt werde praktisch Tag und Nacht, berichtet Martini. Ein Chor aber lebe nun mal von der Vielstimmigkeit, sagt der Musiker. Und so hoffen sie alle, dass der „Ort der Bildung, Begegnung und Kultur“, wie Dompropst Thomas Zander die Kirchenmusikschule beschreibt, ab Sommer 2021 auch wieder gefüllt ist mit Stimmen, Musik und Gemeinschaft.

4,3 Millionen Euro hat das Bistum Essen dafür veranschlagt, plus Nebenkosten beispielsweise für die Einrichtung. Und so war statt der Baustellenbegehung eigentlich auch ein Fundraising-Abend mit feierlichem Musikprogramm und vielen Gästen im Essener Dom eingeplant. Corona kam dazwischen. Es sind ungewöhnliche Zeiten für die Essener Kirchenmusik.

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