Industriearchitektur

Bauprojekte sorgen für neuen Schub am Welterbe Zollverein

Spektakulärer Raum: Die alte Salzfabrik mit ihren vier Etagen und den meterhohen Decken, soll zum Schaudepot für das Ruhr Museum umgebaut werden. 2020,  zum zehnjährigen Bestehen des Ruhr Museums, soll die Eröffnung sein.

Foto: Stefan Arend

Spektakulärer Raum: Die alte Salzfabrik mit ihren vier Etagen und den meterhohen Decken, soll zum Schaudepot für das Ruhr Museum umgebaut werden. 2020, zum zehnjährigen Bestehen des Ruhr Museums, soll die Eröffnung sein. Foto: Stefan Arend

Essen.   Neuer Schub fürs Welterbe Zollverein: Fördermaschinenhalle wird zur Gastronomie umgebaut. Salzfabrik beherbergt bald Schätze des Ruhr Museums.

Am 31. August steht auf Zollverein ein kleines Jubiläum an. Vor 15 Jahren bekam die „schönste Zeche der Welt“ von der Unesco die Urkunde mit dem Welterbetitel verliehen. Wer die Ernennung allein mit baulichem Erhalt und Status quo verbindet, der wird dieser Tage wieder mal eines besseren belehrt. Das Welterbe bleibt ein Ort des Wandels. Jüngster Beleg der baulichen Aktivitäten ist die Fördermaschinenhalle 4, nahe des markanten Doppelbock-Fördergerüstes und das bauliche Bindeglied zwischen Ehrenhof und Kohlenwäsche mit dem Ruhr Museum.

Trotz zentraler Lage hat die Stahlfachwerkhalle mit dem asymmetrischen Aufsatz lange im Dornröschenschlaf gelegen, dabei sind die ersten Entwürfe für eine Umnutzung schon seit 1994 in der Schublade. Mal sollte das Gebäude zur Galerie umfunktioniert werden, zeitweise war die Halle auch als Heimat der Fotografischen Sammlung ausgeguckt. Den Millionen Zollverein-Besuchern dürfte das jüngste Nutzungs-Konzept auch gefallen. Die Halle 4, die bis 1998 die Fördermaschine von Schacht XII beherbergte, wird derzeit zum Gastronomiebetrieb umgebaut. Im nächsten Sommer soll die Zeche damit auch einen zünftigen Biergarten haben, mit Premiumblick auf den Ehrenhof und viel Platz zum Schlemmen und Feiern.

„Für den Sonntags-Kaffee muss man dann nicht mehr an den Baldeneysee“, lächelt Heinrich Böll, der die neue Ausflugs-Gastronomie als etwas „bodenständigere“ Ergänzung zum ambitionierten Casino-Betrieb beschreibt. Ein passender Pächter wird bislang noch gesucht, die gastronomischen Grundvoraussetzungen sind gegeben. Unten gibt es ein Restaurant mit Biergarten und großer Glasfassade, für die die alten, dunklen Schalbretter in Abstimmung mit dem Denkmalschutz weichen. Im Obergeschoss entsteht ein Saal mit Platz für rund 120 Gäste. Die dort platzierte Fördermaschine wurde schon vor 20 Jahren ausgebaut, nach der Sanierung von Dach und Fach kann der Umbau nun realisiert werden. Das Maschinenhaus ist dabei eines der letzten Gebäude auf Schacht XII, bei dem die erfolgreiche Zollverein-Strategie „Erhalt durch Umnutzung“ bislang nicht greifen konnte. Ein Konzept, das das Essener Architekturbüro Böll bereits seit 1989 verfolgt, als die erste Sanierungsphase nach der Stilllegung begann.

Während auf Schacht XII damit kaum noch Gebäude auf ihre Neuentdeckung warten, ist der Umnutzungs-Prozess auf der Kokerei Zollverein noch in vollem Gange. Nach der Fertigstellung der „Grand Hall Zollverein“ steht nun der Umbau der Salzfabrik zum Zentral- und Schaudepot des Ruhr Museums oben auf der Agenda. Der Bund fördert den Umbau des viergeschossigen Gebäudes als „Nationales Projekt des Städtebaus“ mit 3,5 Millionen Euro. Bei einer Führung vom Bund Deutscher Architekten gab die Stiftung Zollverein als Bauherrin einen ersten Einblick in das spektakuläre Bauprojekt. Bis 2020 soll hier Platz für die riesigen Sammlungs-Bestände des Ruhr Museums geschaffen werden. Als Depot, aber auch als weitere Besucherattraktion.