Knast-Konzert

Band spielt Konzert in der Gefängnis-Kapelle der JVA Essen

Die Band Ouwe aus Michael „Mic“ Thiemann und Reinhard „Elmo“ Ernst trat in der JVA Essen auf.

Foto: Knut Vahlensieck

Die Band Ouwe aus Michael „Mic“ Thiemann und Reinhard „Elmo“ Ernst trat in der JVA Essen auf. Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   „Abwechslung vom Alltag“ heißt das Kulturprogramm in der JVA Essen in Rüttenscheid: Beim Auftritt des Duos „Ouwe“ hörten 50 Insassen zu.

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Wo sonst sonntags die Gottesdienste stattfinden, gab es am Dienstagabend ausnahmsweise ein Rockkonzert: Die kleine Kapelle an der Krawehlstraße in Essen sieht dabei mit dem großen Kreuz, Orgel, Holzstühlen für die Besucher, Kreuzgang-Bildern an der Wand und getäfelter Decke wie eine von vielen kleinen Kapellen aus. Allerdings sind hier die Fenster vergittert. Und die Besucher gehen nach dem Ende des Konzerts nicht nach Hause, sondern zurück in ihre Zellen: In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Essen war Musikabend.

„Eine besondere Abwechslung vom Alltag“, nennt JVA-Amtsinspektor Michael Hagemes das Kultur-Programm der Anstalt, für das es einen kleinen Etat gibt: Zwei bis vier Mal im Jahr treten Künstler live in der JVA auf.

50 der 520 Insassen sind beim Konzert dabei

Dieses Mal sind die Dorstener Musiker Michael „Mic“ Thiemann und Reinhard „Elmo“ Ernst, kurz „Ouwe“, in die Knast-Kapelle gekommen . Und 50 der 520 Insassen, die hier einsitzen. Die Männer fast aller Altersgruppen, die von drei Justizvollzugsbeamten begleitet werden, tragen bevorzugt T-Shirts, Jeans oder Jogginghose, akkurate Haarschnitte und Tätowierungen an Armen und am Hals. Der Anteil der Migranten liegt bei über 50 Prozent. Sie kommen und sitzen dann in kleinen Gruppen. Manch einer will das Konzert auch für sich und damit auf einem Einzelplatz genießen.

Musiker Reinhard „Elmo“ Ernst begrüßt die Zuhörer mit seinem T-Shirt-Aufdruck „Hello, my friend“, ein paar warmen Worten und „The final Countdown“ samt eigenwilliger Querflöten-Begleitung seines Bandkollegen Michael „Mic“ Thiemann. Als der Rock-Hit von „Europe“, der Band aus Musikern mit wehenden Mähnen, 1986 Premiere hatte, waren einige der Zuhörer noch gar nicht geboren.

Am Ende gibt es noch Lieder zum Mitsingen

„Ouwe“ spielen eine Stunde lang und reisen durch die 70er-, 80er- und 90er-Jahre. Die Konzertgäste gehen mit, tippen, vergleichsweise cool, im Rhythmus immer wieder mit den Füßen auf den grauen Linoleumboden. Am Ende gibt es noch Lieder zum Mitsingen. „Das machen wir immer so. Da haben die Jungs in der Regel Spaß dran“, weiß Reinhard Ernst.

Das Duo „Ouwe“ hat Gefängnis-Erfahrung – also mit Gastauftritten. In Essen spielen sie ihr viertes Konzert hinter Gittern. „Uns haben schon härtere Jungs gegenüber gesessen“, gesteht Ernst. Wie in Werl, wo Häftlinge einsitzen, die mindestens noch das nächste Jahrzehnt dort hinter Gittern verbringen werden. In Essen sitzen Verurteilte eine Strafe von maximal 30 Monaten ab. Zudem warten hier Beschuldigte in Untersuchungshaft auf ihre Verfahren.

Als Konzertgäste haben die Männer Spaß an der Livemusik. Und singen am Ende mit. Es gibt kein Lied von Johnny Cash, der vor 50 Jahren im US-Knast auftrat. Aber etwas Country mit „Country Roads“ von John Denver. Und „Über den Wolken“ von Reinhard Mey. Danach Applaus und Dank für Ouwe. Wann das nächste Konzert hinter Gittern stattfindet, kann der Justizvollzugsbeamte Michael Hagemes noch nicht sagen: „Es ist nicht einfach, Bands zu finden, die bei uns auftreten“, sagt er.

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