Initiative

Bärendelle-Initiative gründete sich vor fünf Jahren

Bärendelle, Essen-West, Essen, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Foto: Hans Blossey

Bärendelle, Essen-West, Essen, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Essen.   Vor fünf Jahren nahmen Aktivisten das ehemalige Schulgebäude Bärendelle in Beschlag. Noch heute kämpft die Bürgerinitiative für Freiräume.

Fünf Jahre ist es her, da wehte zumindest für drei Tage ein Hauch von 1968 durch Essen: Aktivisten besetzten damals das ehemalige Schulgebäude Bärendelle. Sie wollten auf den jahrelangen Leerstand hinweisen und forderten „Freiraum für alle“. Nun scheint es, dass ihre Forderung bald erfüllt wird. Die Vorbereitungen für die umfangreiche Sanierung laufen – auch Dank des Engagements der Bürgerinitiative Bärendelle: Sie ist aus dem Protest entstanden und kämpft weiter dafür, dass nach der notwendigen Sanierung tatsächlich auch ein Raum für alle in der Bärendelle entsteht – in Form eines soziokulturellen Zentrums.

Die Idee, einen Ort zu schaffen, in dem Menschen unabhängig von Herkunft, Alter und Einkommen kulturelle Angebote erleben und auch selbst ausprobieren und anbieten können, hat in Essen bereits in den 1970er Jahren zur Gründung der Zeche Carl in Altenessen geführt, knapp 20 Jahre später entstand in Steele mit dem Grend ein zweites soziokulturelles Zentrum.

Das Soziale in „Soziokultur“ betonen

„Doch beide haben sich heute vom ursprünglichen Grundgedanken wegbewegt“, findet Anke Dussmann von der Bürgerinitiative Bärendelle. So sei die Zeche Carl, seitdem deren Trägerverein einer gemeinnützigen GmbH wich, praktisch privatisiert worden. „Ob Raummieten oder das kulturelle Angebot: Mit kleinem Geldbeutel kann man sich das nicht mehr leisten“, ist sie überzeugt – wenngleich die Geschäftsführung der Zeche Carl das freilich anders sieht. Dussmann jedoch kritisiert, dass auch das Grend-Programm „mittlerweile überwiegend kommerziell ausgerichtet“ sei.

Der Bürgerinitiative gehe es darum, das Soziale in „Soziokultur“ stärker zu betonen – und auch eine Lücke ein Stück weit zu schließen, die der Abriss des Jugendzentrums Papestraße hinterlassen hat. „Hier im Essener Westen leben viele, die können sich keine zehn Euro Eintritt leisten“, sagt Dussmann. „Auch für die wollen wir ein Angebot schaffen.“

Initiative feilt an ihrer Idee

Und an diesem Angebot hat die Initiative, die über 280 Mitglieder zählt, in den letzten fünf Jahren gefeilt. Um zu zeigen, was möglich ist, hat sie einige Veranstaltungen etabliert: darunter das jährliche Parkfest an der Bärendelle und die Aktion „Sommerkultur“, die Theater, Musik und Ausstellungen in Frohnhauser Ladenlokale holt. Zudem hat die Initiative Fragebögen im Essener Westen verteilt, „um herauszubekommen, was die Menschen hier sich in einem solchen Zentrum wünschen“, berichtet Anke Dussmann. Es habe sie überrascht, das vor allem politische Bildung gefragt sei.

Dabei sieht sich die Initiative als politisch unabhängig an. „Wir sind nie bei den Parteien Klinken putzen gegangen oder haben uns durch die Gremien gekämpft“, so Mitstreiter Frank Bäumel. Dennoch hätten sie dafür gesorgt, dass die Politik sie wahrnehmen musste. „Wo immer der Oberbürgermeister und sein Vorgänger im Essener Westen präsent waren, waren auch wir mit Transparenten.“ Es sei wichtig, „auch mal unbequem zu sein“, ist Bäumel überzeugt. „Wären für das Kaiser-Friedrich-Haus in Werden mehr Leute permanent auf die Straße gegangen, würde es vielleicht noch stehen.“

Initiative steht vor Wendepunkt

So haben sich die Mitglieder der Initiative mit einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister gewandt und zudem das Amt für Denkmalpflege kontaktiert, als sie Ende November feststellten, dass sich nichts am Gebäude an der Bärendelle tat und stattdessen Dachluken und Fenster offen standen. Mit Erfolg: „Die Fenster wurden schnell abgedichtet und uns wurde versichert, dass die Sanierung bald losgeht“, so Bäumel. Nun scheint es tatsächlich bald loszugehen: „Dixie-Klos sind schon angerollt.“

Freilich, nicht alles, was die Initiative erreichen wollte, hat sie erreicht. So zieht das soziokulturelle Zentrum nur ins Erdgeschoss der alten Schule, darüber entstehen Wohnungen. Und obwohl die Initiative das Zentrum gern selbst verwaltet hätte, übernimmt das der Arbeiter-Samariterbund (ASB). „Das hat man uns wohl nicht zugetraut“, ärgert sich Bäumel.

Dennoch: Die Bürgerinitiative stehe jetzt vor einem Wendepunkt, unterstreicht Anke Dussmann. „Wichtige Gespräche stehen an, zum Beispiel mit der ASB-Geschäftsführung.“ Dabei wollen die Mitglieder der Initiative ihre Ideen und Vorstellungen einbringen. Doch auch wenn das Zentrum eröffnet wird, sieht die Initiative sich nicht am Ziel: „Der Essener Westen und die ganze Stadt brauchen mehr als die 560 Quadratmeter Freiraum.“ So wollen sie ihre Augen offen halten, um mehr ungenutztes Potenzial in dieser Stadt zu entdecken. Und dann zupacken.

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