Babynamen 2021

Essener nennen ihre Babys Kuba, Manila, Doha oder Venezia

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Marie und Noah waren 2021 die beliebtesten Babynamen in Essen. Insgesamt wurden für Jungen und Mädchen jeweils mehr als 1500 verschiedene Namen vergeben.

Marie und Noah waren 2021 die beliebtesten Babynamen in Essen. Insgesamt wurden für Jungen und Mädchen jeweils mehr als 1500 verschiedene Namen vergeben.

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Essen.  Essens Eltern nutzen auch 2021 die Freiheit bei der Namenswahl: So nannten sie Babys Amor oder Dior. Auch Sportler und Schauspieler standen Pate.

Rund 5500 Neugeborene, hat das Essener Standesamt im Jahr 2021 registriert von A wie Altagracia bis Z wie Zhabrailovna bei den Mädchen oder Afuogin bis Zeyd-Malik bei den Jungen. Klangvolle und kuriose Namen sind dabei, Namen, die von Tradition erzählen und solche, die zeigen, wie sehr die Stadt durch Zuwanderung geprägt ist.

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Das beginnt schon damit, dass der Spitzenplatz bei den Jungen zwar offiziell Noah gehört, inoffiziell aber wieder einmal an Mohamed vergeben werden müsste: In dieser Schreibweise taucht der Name zwar „nur“ 17-mal in der Statistik auf, addiert man die fünf weiteren Schreibweisen – wie Mohammed oder Mohamad – hinzu kommt man auf stolze 59 Nennungen. Noah wurde 48-mal vergeben.

Doch auch sämtliche Mohammeds reichen nicht an Marie heran, die seit über einem Jahrzehnt mit nur zwei Ausnahmejahren Platz 1 belegt: 77-mal wurde der Name vergeben und auf Platz 3 liegt schon Maria (49-mal). Ihre größte Konkurrentin (und Vorjahressiegerin) ist die knapp zweitplatzierte Sophie (76), zu der man noch drei Sofies hinzuzählen kann. Oft vergeben sind zudem Sophia (28) und Sofia (26). Der bundesweit beliebteste Mädchenname Emilia landet in Essen auf Platz 4, Deutschlands Topname Matteo erreicht hier nur Platz 39. Anders als 2020 wurde im vergangenen Jahr kein Kind in Essen Corona genannt.

Essener Eltern machten Marlon Brando zum Paten – für ihr Kind

Insgesamt tragen 459 Mädchen und 346 Jungen einen der jeweiligen Top Ten-Namen. Das heißt aber keineswegs, dass die Eltern bei der Wahl von Mädchennamen fantasieloser wären als bei der von Jungennamen: 1528 verschiedene Namen haben sie im vergangenen Jahr für ihre Töchter gewählt, 1502 für die Söhne.

Allzeit beliebt sind für Mädchen Namen mit dem Anfangsbuchstaben L, wobei hier Lina mit Platz 5 und 45 Nennungen am populärsten ist. Es folgen Lea, Lia, Lara, Luisa, Lena, Leni, Leonie, Luise, Laura, Lotta, Lilly (plus Lilli und Lily auf hinteren Plätzen), Liya – die alle mindestens zehn Mal vergeben wurden.

Anderen Müttern und Vätern ist es offenbar wichtig, dass ihr Kind in Kita oder Klassenzimmer nicht auf ein halbes Dutzend Namensvetter trifft. Das erreicht man etwa mit Bindestrichnamen wie Anaya-Sladjana oder Isabella-Yağmur für Mädchen oder Ayaan-Nicholas und Samson-Raphaél bei Jungen. Oder, indem man eine Schauspiellegende wie Marlon (Brando) zum Paten des Kindes macht, oder Romy (Schneider) zur Patin. Bei Cristiano und Muhammed-Ali darf man den Ball- und den Boxsportler als Vorbild vermuten, bei Osama hoffentlich nicht den Terroristen.

Baby Goodnews war für die Eltern eine gute Nachricht

Amor und Demeter können sich auf Gottheiten berufen, Attila auf einen Hunnenkönig. Wollen Fee und Dior zu Höherem hinaus, werden sich Prince und Princess eines Tages begegnen? Erzählen Mali, Manila, Sidney, Doha, Venezia, Kuba und Orlando von den Reisezielen ihrer Eltern? Namen mit klarer Bedeutung und heiterem Klang haben Melody, Happiness und Sunshine, eine gewisse Erwartung lastet auf dem Säugling namens Wisdom (Weisheit). Baby Goodnews war in jedem Fall für die Eltern eine gute Nachricht.

Das Standesamt ist offen gegenüber neuen Moden wie gegenüber fremden Kulturen, erhebt selten Einwände und checkt gegebenenfalls per Internetrecherche, ob es einen Namen tatsächlich gibt. Nach deutschem Recht sei das Kindeswohl das entscheidende Kriterium. Ob das beeinträchtigt ist, können Eltern notfalls vor dem Amtsgericht klären lassen. „Früher musste sich aus dem Namen noch eindeutig ergeben, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt“, erklärte die Leiterin des Sachgebietes Geburten im Jahr 2018. Das ist heute nicht mehr nötig. Warum auch, wo sich auch in amtlichen Formularen längst divers neben männlich und weiblich gesellt.

Manche Mädchen und Jungen heißen wie Oma und Opa

Wer in diesem Jahr ein Kind erwartet, findet auf der Namensliste vielleicht Anregungen. Ganz kurze Namen wie Al, Alp, An, Bao, Dua, Di, Din, El, Epi, Fin, Iz, Jin, Nas, Nil, Li, Liv, Lu, Mei, Mio, Nio, Neo, Nay, Nhi, Nia, Tia, Pan, Pip, Su, Tin, Una, Zen und Zoi stehen da – und längere wie Osahenrhunmwen oder Samariteanca.

Und schließlich gibt es auch Babys, die wie Opa und Oma heißen: Franz, Gustav, Heinrich, Helmut, Hedwig, Horst, Jürgen, Karl, Leopold, Theodor, Siegfried, Waltraud, Walter oder Wilhelm.

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