Handicap

Außergewöhnliches Team arbeitet in GSE-Zentrale Stoppenberg

Kevin Schmidt hat ein Handicap und war zunächst in einer der GSE-Werkstätten tätig. Inzwischen arbeitet er mit Nicole Thiermann in der Hauswirtschaft der GSE-Hauptverwaltung. Er fühlt sich hier sehr wohl und ist eine echte Bereicherung für alle.  

Kevin Schmidt hat ein Handicap und war zunächst in einer der GSE-Werkstätten tätig. Inzwischen arbeitet er mit Nicole Thiermann in der Hauswirtschaft der GSE-Hauptverwaltung. Er fühlt sich hier sehr wohl und ist eine echte Bereicherung für alle.  

Foto: Bettina Steinacker/Agentur

Essen-Stoppenberg.  Die Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen kümmert sich um Menschen mit Handicap. Kevin Schmidt (25) gewinnt die Herzen seiner Kollegen

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Schwer zu sagen, was mehr auffällt: Kevin Schmidts pink leuchtende Haare oder Nicole Thiermanns Handy, das in sattem Big-Ben-Sound bimmelt. Nahezu unmöglich jedenfalls, die beiden zu verpassen, wenn sie im Firmensitz der GSE (Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen) an der Grabenstraße in Stoppenberg durch die Büros der Verwaltung wirbeln und für Ordnung sorgen. Allein schon ihr Lachen kündigt sie von weitem an und ist garantiert ansteckend. Beide kümmern sich engagiert um alle Belange der Hauswirtschaft. Kaffee, Brötchen und Kekse beim Meeting, blitzblanke Schreibtische, garantiert krümelfreie Teppiche und nicht zuletzt auch saubere WCs gehen auf ihr Konto.

Und bei all dem ist ihre Zusammenarbeit allein schon dadurch außergewöhnlich, dass Kevin als Mensch mit Behinderung all das erledigt, was Nicole Thiermann auch auf dem (Putz-)Plan hat – nahezu eigenverantwortlich.

Vor zwei Jahren kam Kevin ins Team

Seit April 2003 ist Nicole Thiermann als Hauswirtschaftskraft bei der GSE angestellt. Als ihre Kinder noch klein waren zunächst in Teilzeit, mittlerweile sind die beiden Mädchen aber 25 und 21 Jahre alt und erlauben eine Vollzeit-Stelle. „Vor zweieinhalb Jahren kam dann Kevin mit ins Team“, erinnert sich die 46-Jährige. „Er hat hier an der Grabenstraße ein Praktikum gemacht und damals noch in unserer GSE-Werkstatt in Dellwig gearbeitet. Wir haben drei Monate Zeit gehabt, uns zu beschnuppern und dann gemerkt, dass wir zusammen gut klar kommen. Kevin ist nicht nur fleißig, er hat auch wirklich was drauf“, lobt sie ihren Kollegen mit der auffälligen Haarfarbe, die gerne mal ins Blaue mündet.

Der heute 25-Jährige war zu Anfang noch schüchtern, hat dann aber schnell die humorige und zuweilen auch resolute Art seiner Kollegin schätzen gelernt und übernommen. „Manchmal schießt er dabei auch übers Ziel hinaus“, lacht diese, „dann muss ich ihn wieder einfangen. Er hat eben viel Temperament und liebt das kreative Chaos.“

Lange böse sein, wenn er mal über die Stränge geschlagen hat, kann sie ihm nicht. „Dann macht er irgendetwas Nettes und ich muss lachen!“ Zurück in die Werkstatt will Kevin nicht. Mit seinem gelb-schwarz gestreiften Bienenfeudel in der Hand, ist er in seinem Element. „Die Arbeit hier tut ihm gut“, weiß Nicole Thiermann, „seine absolute Lieblingsaufgabe ist das Ein- und Ausräumen der Spülmaschine.“

Zur Arbeit fährt der junge Mann selbstständig mit der Bahn, sein Dienst beginnt um 7 Uhr. Begleitet wird Kevin Schmidt beim „Abenteuer betriebsintegrierter Arbeitsplatz“ von Integrationsbegleiter Gerrit Küpper vom Zentralen Integrationsmanagement der GSE: Regelmäßig schaut der vorbei und steht – falls benötigt – dem 25-Jährigen mit Rat und Tat zur Seite.

Kevin übernimmt die Aufgaben sehr pflichtbewusst

Und wenn Hauswirtschafterin Thiermann einige Tage Urlaub macht, muss sie sich um eine Vertretung nicht sorgen. Die übernimmt Kevin äußerst pflichtbewusst. Und häufig überrascht er sie mit dem Satz „Brauchst Du nicht, das habe ich schon gemacht!“. Bei längerem Urlaub wird er durch eine andere GSE-Kollegin bei den anfallenden Arbeiten unterstützt.

Für Nicole Thiermann und ihre Kinder gehört Kevin mittlerweile fast schon zur Familie. Als die Katernbergerin für eine OP ins Krankenhaus musste, wollte Kevin Schmidt sie unbedingt besuchen. Erst abends erreichte er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln das Krankenhaus, „ich hätte sonst nicht schlafen können.“

Und auch sonst sei er in Essen bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Dass dies nur an den Haaren liegt, glaubt Nicole Thiermann nicht. Vielmehr an seinem gewinnenden Wesen – und an seinem Lachen: Ist offenbar wirklich ansteckend.

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